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1. Tag, Donnerstag, 17.01.2002 Dresden - Zürich - Douala

Während wir in Dresden mehrere hundert Quadratmeter Wartehalle für uns ganz allein haben, kommt in Zürich schon eher ein Gefühl von einem geschäftigen Flughafen mit MultiKulti-Touch bzw. Reisefieber auf. Der Hinflug mit dem schweizerischen Crash- und Konkurs-Airline-Bundle CrossAir (Dresden - Zürich) und swissair (Zürich - Douala) gestaltet sich als recht angenehm. Es kommt zu keinen Verspätungen, der Service stimmt. Die Sicht auf die Alpen und die Sahara ist dank schönen Wetters bemerkenswert gut. Die MD-11 (swissair) ist ein gigantisches Fluggerät und ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert, dass so ein Monstrum überhaupt abhebt. Sofort werden Gedanken wach, dass mein Traumberuf mal Pilot war, allerdings nicht auf Passagiermaschinen.

Der Anflug auf Douala im Halbdunkel ist für mich Afrika-Newbie allein schon spannend. Der Flieger schwebt über dem Wouri, Kamerun's größtem Fluß. Unten deutlich sichtbar - Regenwald, Feuer vor einigen Hütten, eine grandiose, düstere und wilde Kulisse. Auf das feuchtheiße Klima in Douala dachte ich gut vorbereitet zu sein. Als ich das Flugzeug verlasse, wallt mir die mehr wie Watte anmutende feuchte Luft entgegen. Wow! Ist ja noch eine Spur härter als im Tropenhaus! Und das soll ich länger als eine Stunde aushalten? Drei Wochen? Entsetzlich! Natürlich fällt mir sofort ein, dass dieses Klima nur an der Küste so feuchtheiß ist, ich mich daran gewöhnen werde und wir uns hier ja nicht besonders lange aufhalten wollen.

Die Einreisekontrollen sollten laut Reisehandbuch ja besonders gründlich sein. Doch bevor es dazu kommt, fällt Michael ein, dass er seine Winterjacke im Flieger liegen gelassen hat. Während er die endlosen Korridore bis zum Flugfeld zurückeilt, rücke ich zum Schalter mit den Beamten auf. Bald lasse ich einige Reisende vor. Wo bleibt Michael? Alle Reisenden haben den Schalter passiert, ich gebe meinen Pass ab, zeige den Impfausweis mit Gelbfieber-Stempel vor. Irgendwas gefällt dieser Frau an meinem Visum nicht. Schließlich knallt mit lautem Geräusch doch der Einreisestempel in meinen Pass. Die Beamtin packt ihre Sachen, will den Schalter verlassen. Ich mache ihr in Englisch klar, dass Michael in den Flieger zurück ist, um ein vergessenes Kleidungsstück zu holen. Sie möge doch bitte warten, wir brauchen den Einreisestempel! Sie reagiert mit Unverständnis, meint sie habe Feierabend. Ich bitte sie höflich, noch 5 Minuten zu warten. Gutes Timing, nach 5 Minuten kommt Michael endlich und der Stempel saust mit viel Muskelkraft auch in den Pass. Die Jacke war in Zürich geblieben.

Durch den Zoll werden wir netterweise ohne Kontrolle durchgelassen. Zahlreiche laut schreiende junge Herren wollen uns eines der vielen bereitstehenden Taxis besorgen. Wir teilen ihnen mit, dass wir schon recht kundig im Ordern von Taxis sind und das auch allein ganz gut können. 3000 CFA? Ok, das ist der normale Preis laut Reiseführer. Wir steigen in einen altersschwachen Renault ein. Das Gefährt hat massive Probleme mit den Stoßdämpfern und der Radaufhängung und, und... Aber wäre es anders gewesen, hätte mich das schon ein wenig enttäuscht. Das ist Afrika! Und da darf das so sein. ;)) Wir haben den Flughafen noch nicht verlassen - Bingo, die erste Militärkontrolle. Ein wenig Palaver, es geht weiter. Ziel ist die Deutsche Seemannsmission in Douala, mitten in der Stadt. Eine gute und recht preiswerte Unterkunft. Vorbestellung ist jedoch angebracht, da die Mission hauptsächlich zur Entspannung und Seelsorge für Seeleute gedacht ist.

Die Mission liegt sehr zentral und man erreicht sie von einer Hauptstrasse über eine schmale, 300 m lange, unbeleuchtete Piste. Früher (vor 5 Jahren) gab es hier oft Überfälle, wie wir hören. Das hat sich nach einer bleihaltigen Razzia der Polizei dann wohl gegeben. Die Seemannsmission wird von drei Uniformierten bewacht, ist hier wohl so üblich, da Douala besonders nachts laut Reisehandbuch ein "heißes Pflaster" ist. Wir checken ein. Die Zimmer sind einfach, aber sauber und angenehm. Das Gelände der Mission ist wie eine "Burg" angelegt (Ich habe ein Faible für dunkle Zeiten und spare schon ewig auf eine eigene Burg.) Der schöne rechteckige Innenhof mit Garten und Pool wird von je zwei Seiten mit Gebäuden und von gigantischen Hecken umsäumt. Wir ziehen uns trotz der Wahnsinnshitze lange Hosen und Hemden an, reiben uns mit Deet-"Kampfstoff" ein (im Vietnamkrieg erprobt, bei uns für Hautkontakt nicht zugelassen). Beides ist Teil unseres Malaria-Schutzprogrammes. Wir gehen in das kleine Restaurant der Seemannsmission. Die Karte ist recht übersichtlich. Uns fallen Thuringer Sausauges (Thüringer Bratwürste) auf. Das kann doch nicht wahr sein! Nichts Afrikanisches? Ok, die nehmen wir trotzdem. Wir hören, dass die Würste von Didi, einem Dresdener Fleischer, hergestellt werden, der hier in Douala hängengeblieben ist. Ein wenig erschöpft fallen wir in die Betten. Kamerun, wir sind gelandet! "Eroberung" erfolgt morgen...

 
 
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