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2. Tag, Freitag, 18.01.2002 Douala
Ein Wunder ist es, dass ich beim Lärm der alten Klimaanlage überhaupt eingeschlafen bin, aber ohne dieselbe wäre es klimatisch sehr unangenehm geworden. Während des recht schmackhaften Frühstücks komme ich mit einem älteren Amerikaner ins Gespräch. Er zieht mit seinen etwa 60 Jahren seit 7 Monaten von Nord nach Süd durch den Kontinent. Momentan hat er, wie er sagt, ein "fucking problem": Für seine gekauften Ansichtskarten gibt es nirgends Briefmarken! Na wenn es weiter nichts ist! Kamerun gefällt ihm von den besuchten afrikanischen Ländern bisher mit Abstand am Besten. Wir verlassen die ruhige Seemannsmission. Gleich nach dem Tor sieht man, was gestern noch in der Dunkelheit verborgen war: Die ungeteerte kleine Straße, einziger Zugang zur Seemannsmission, wird gesäumt von armseligen Wellblech- und Bretterbuden und der offenen Kanalisation. Diese Straße mündet in eine größere, befestigte, an deren Ecke eifrig Autos per Hand gewaschen werden. Gleich in Sichtweite ist der Boulevard de la Liberté, die "Flaniermeile" der Stadt mit einigen besseren Hotels, Banken und Geschäften.

Douala ist DIE Wirtschaftsmetropole Kameruns und Hauptstadt der Provinz Littoral und mit 1,5 Mill. Einwohnern die mit Abstand größte Stadt des Landes. Meist ist es hier zwar nur 25 - 30 °C heiß, aber die Luftfeuchtigkeit von rund 98 % ist für einen Mitteleuropäer mehr als gewöhnungsbedürftig! Das die Stadt sehr schmutzig und heruntergekommen ist, war mir bekannt und stört mich nicht weiter. Wo kein Geld für das Notwendigste da ist, ist erst recht keines für Sauberkeit und nette Fassaden vorhanden, auch ist die Mentalität der Leute hier, diese Punkte betreffend, eine ganz andere. Aufpassen muss man bei den Abwasserkanälen, die sind zwar teilweise mit kleinen Betonplatten abgedeckt, viele sind jedoch brüchig, kaputt oder gar nicht vorhanden. Der Abwasserkanal dient meist auch als Mülltonne oder öffentliches Pissoir . In anderen afrikanischen Ländern sind sie ganz offen.

Nachdem wir gestern jeder nur 50 Euro am Flughafen getauscht hatten, steuern wir zuerst eine Bank zum weiteren Geldtausch an. Die Eco Bank, unser erstes Ziel am Boulevard de la Liberté, tauscht noch keine Euro in CFA, erst Anfang Februar. In der nächsten Bank, der Standard Chattered ist eine größere Schlange vor dem für uns relevanten Schalter. Wir fragen ein junges amerikanisches Globetrotterpaar nach den Modalitäten. Sie haben nur Travellerschecks und verweisen ziemlich verärgert auf immense Gebühren: bei 150 US Dollar etwa 20% ! Toll! Wenn das bei Euro-Bargeld genauso läuft... Am Schalter geht es nur sehr langsam vorwärts. Wir lernen dort Georges kennen, einen libanesischen Restaurant-Besitzer, der gerade ein paar Millionen CFA abgehoben hat. Er fragt, ob wir mit ihm tauschen wollen, natürlich ohne Gebühren. Wir willigen ein, haben binnen 2 Minuten das gewünschte Bargeld ohne Gebühren. Georges lädt uns ein, ihn abends in seinem Restaurant "La Cigale" zu besuchen. Wir fragen, ob er libanesische Küche hat. Er verneint, nur französische und italienische Küche - wir lehnen höflich ab. Georges und sein Sohn geben uns noch ein paar Sicherheitstipps für Douala mit auf dem Weg. Wir sollen stets etwa 10000 CFA (15 Euro) im Brustbeutel haben, den Rest gut versteckt am Körper tragen. Diese Summe reicht bei Überfällen meist aus. Kein oder weniger Geld würde nur eine Leibesvisitation der Angreifer provozieren. Mein Geld habe ich sowieso im Gürtel und in einem HiddenPocket versteckt. Das wir nachts Taxis in Douala nehmen sollen, war uns jedoch schon bekannt. Im Reiseführer steht auch tagsüber, aber das macht keinen Spaß. Man sollte sich auch nicht zu sehr davon einschüchtern lassen, jedoch vorsichtig und mit offenen Augen durch die Stadt gehen.

Als nächstes suchen wir eine Apotheke auf, da Michael einem Bekannten ein neues chinesisches Malaria-StandBy-Mittel mitbringen soll. Cotecxin soll auf rein pflanzlicher Basis hergestellt sein und sehr schnell wirken. Leider bekommt man es bei uns noch nicht. Ich kaufe mir auch gleich eine Packung, obwohl ich mit Malerone eine sehr gute (leider extrem teure) Prophylaxe habe. In Afrika sollen sowieso die besseren Malariamittel erhältlich sein und das zu einem Bruchteil des Preises in Europa. Wichtig ist hierbei, auf die Charge zu achten. Zudem sollte nur in offiziellen Apotheken gekauft werden, um den Erwerb einer Fälschung auszuschließen. Auf dem Weg durch die Stadt wird man als Weißer ständig angesprochen. Meistens soll man etwas kaufen oder Bettlern etwas zukommen lassen. Da wir natürlich nicht mit Geld um uns werfen können, macht jeder für sich einen Betrag aus, den er für Bedürftige pro Tag hergeben will. Wir haben diesen Betrag im Laufe der Zeit auf ca. 200-300 CFA eingepegelt. Das bisschen Geld bekommen jedoch nur für uns sichtbar Bedürftige: Körperlich oder geistig Behinderte, da es diese in der afrikanischen Gesellschaft am Schwersten haben. Kindern geben wir generell kein Geld, da diese dann oft nicht mehr zur Schule gehen, da Betteln einträglicher erscheint. Der nächste Weg führt uns in ein Internet-Office, die es am Boulevard de la Liberté und anderswo in Douala zahlreich gibt. Die Stunde kostet meist 1000 CFA, ist also recht preisgünstig. Die Verbindung ist auch akzeptabel. Wir schicken eine erste Mail nach Deutschland.

Da Douala keine wesentlichen Sehenswürdigkeiten (außer vielleicht die Kathedrale und die Palastpagode von Manga Bell) bietet, nur aus ein paar heruntergekommenen Boulevards, Industriegebieten und riesigen Slums besteht, wollen wir uns die Stadt im Schnelldurchlauf per Taxi anschauen. Nach 3 Versuchen geben wir es auf, einen englischsprachigen Fahrer zu bekommen, obwohl Douala nicht zur frankophonen Zone von Kamerun gehört. Wir lassen uns ca. 40 Minuten kreuz und quer durch die Stadt chauffieren und steigen bei der Kathedrale in der Rue Joss aus. Unmittelbar daneben ist eine Grundschule, ca. 400 Kinder haben gerade Hofpause. Ich lege einen neuen Film in meine Kamera ein. Wo ist Michael? Ich schaue mich suchend auf dem Schulhof um. In einer großen Gruppe von Kindern finde ich ihn schließlich. Er wollte eigentlich nur 3 Kinder fotografieren, die er vorher gefragt hatte. In ein paar Sekunden waren es ca. 40 Kinder, die mit auf das Foto wollten! Mir ergeht es ähnlich, ich frage ein kleines Mädchen, ob ich ein Porträtfoto machen darf. Schwups wird die kleine von ein paar größeren Jungs verdrängt. Ich hole sie wieder in die erste Reihe und mache ein Foto. Den Kindern als kleines Dankeschön (kein Geld) etwas zu geben ist aussichtslos, da dann der gesamte Schulhof auch etwas haben möchte. Also bedanken wir uns nur und "flüchten" in die nahe Kathedrale, wo gerade ein kleiner Gottesdienst stattfindet. Von einer Bankreihe nebenan kommt ein junger Mann auf uns zu, begrüßt uns höflich in Englisch mit Handschlag und entfernt sich wieder.

Aus der Kirche kommend überqueren wir die Straße, um auf den gegenüberliegenden alten Friedhof zu gelangen. Wir suchen nach alten deutschen Gräbern aus der Kolonialzeit. Ein paar Gräber finden wir tatsächlich, einige Inschriften sind auch noch lesbar. Wie zu erwarten, sind diese Menschen meist jung gestorben (Krankheiten, Aufstände etc.). Die Küste mit ihren Mangrovensümpfen und dem feuchtheißen Klima nannten die Einheimischen nicht umsonst "White man's grave". Die neueren Gräber sind meist komplett gefliest und mit einem Bildnis des Verstorbenen versehen. Ganz hinten rechts, wo in einer kleinen Senke die Slums anfangen und der Friedhof überwuchert ist, haben wir noch ein schönes Grabdenkmal eines deutschen Adeligen gefunden. Vor dem Friedhof werden wir von einem jungen Mann angesprochen. Er sei politischer Flüchtling aus Sierra Leone, hat hier keine Freunde, keine Familie und bittet um Unterstützung. Moment mal! Das war doch derselbe Mensch, der uns zuvor in der Kirche per Handschlag begrüßt hat. Das sieht ganz nach einer Routinegeschichte aus, wir lehnen ab.

Wir fahren in die Seemannsmission zurück und gehen im kleinen Pool schwimmen, wer weiß, wann wir wieder mal dazu kommen in den nächsten 3 Wochen. ;)) Nachmittags ziehen wir wieder zu Fuß durch die Stadt. Schließlich braucht der "weiße Mann" Mineralwasser zum Zähneputzen, da man über Herkunft und Zusammensetzung des Leitungswassers nicht allzu viel weiß. ;)) Nach einigem Suchen finden wir einen kleinen Lebensmittelladen. Auf dem Rückweg kommen wir an einem schwerbewachten Laden (4 Uniformierte, 2 davon mit Maschinenpistolen) vorbei. Es ist ein Konditorladen mit wirklich schönem Backwerk und ein paar anderen Lebensmitteln. Wer mag hier wohl ungebeten naschen? Bewacht wird in Douala eigentlich fast alles. Die Banken sowieso, aber auch oft für uns einfache Läden wie eben dieser große Bäckerladen. Vermutlich gibt es allein in Douala eine ganze Armee von Wachleuten, oft sind es tatsächlich auch Soldaten, die vor den Geschäften sitzen.

In der Mission bezahlen wir das Zimmer. Wir hatten zuvor per Mail das Zimmer von Deutschland aus reserviert und angefragt, ob wir unsere Winterjacken für die 3 Wochen in der Mission deponieren können. Als Gegenleistung haben wir eine Tüte voll mit aktuellen Zeitungen (vom Flughafen und zuhause) mitgebracht. Beides und unsere Flugtickets übergeben wir Katharina, einer freundlichen farbigen Angestellten, die sehr gut Deutsch spricht. Sie ist auch so nett, die Formalitäten für den Rückflug (Bestätigung) bei der SwissAir für uns zu erledigen. Für den letzten Tag vor dem Abflug reservieren wir ein Zimmer. Wir unterhalten uns noch mit Herrn Posselt. Er leitet mit seiner Frau seit einem Jahr die Mission. Vorher war er fünf Jahre in der Deutschen Seemannsmission in Indonesien beschäftigt. Seit 1968 ist er weltweit für dieselbe tätig. Wer mehr über die Arbeit der Seemannsmission erfahren will, der möge hier klicken. Abends leisten wir uns noch Brochettes und Cola. Für 20 Minuten treten ein paar Trommler auf, kassieren Geld und verschwinden wieder. Wir gehen auf unser Zimmer, morgen wollen wir nach Yaoundé, der Hauptstadt des Landes.

 
     
 
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