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3. Tag, Samstag, 19.01.2002 Douala - Yaoundé

Nach dem Frühstück lassen wir uns mit dem Taxi zum Linienbus nach Yaoundé bringen. Beim Busfahren in Kamerun muss man bei den größeren Gesellschaften stets den Reisepass vorlegen, wenn man ein Ticket kaufen will. Das Gepäck wird ebenfalls mit einem Aufkleber versehen und man bekommt dieses auch nur mit dem entsprechenden Abschnitt am Zielort wieder. Bei Buschtaxis wird dieser Aufwand natürlich nicht betrieben, dafür (u.a.) sind diese auch billiger. Der Bus verlässt pünktlich 09:30 Uhr das bewachte Gelände des Busbahnhofes. Es dauert mindestens 20 Minuten, bis wir aus Douala mit seinen kilometerlangen Vororten/Slums heraus sind. Die Armut der Vororte ist schockierend. Hier versucht jeder aus den ländlichen Gebieten und aus dem wirtschaftlich unterentwickelten Norden Fuß zu fassen, sein "Glück" zu machen. Doch es schaffen sicher nur sehr wenige hier wieder heraus zu kommen. Der Weg heraus heißt Bildung oder Kriminalität. Wer das Geld für eine gute Ausbildung aufbringen kann, einen Abschluss macht und einen Job bekommt, hat in der Regel zwei Chancen: Entweder arrangiert er sich mit dem korrupten System, macht Karriere oder er verlässt das Land. Natürlich gibt es auch genügend mutige Menschen, die bleiben und etwas verändern wollen. Aber es ist allgemein in vielen afrikanischen Staaten ein Missstand, dass die Leute, die etwas verändern könnten, mundtot gemacht werden (siehe ai-Bericht Kamerun) oder eben auswandern.

Den Straßenrand säumen einige Autowracks, die hier wohl schon ein paar Jahre herumliegen. Michael meint, dass es hier noch relativ wenig Autoschrott an den Straßen gibt, in anderen afrikanischen Ländern, die er bereist hat, lag da weitaus mehr herum. Nach ca. einer Stunde sehen wir eine frisch durchbrochene Leitplanke, der halbe Bus steht auf, es ist aber nichts zu sehen. Wenn da was war, muss es weit die Böschung in den angrenzenden Regenwald hinuntergerollt sein. So was motiviert, macht Mut. ;)) Der Bus muss manchmal anhalten, meist an Mautstellen oder Polizeikontrollen, kann jedoch oft sehr schnell weiterfahren. Hält er dennoch ein wenig länger, nutzen das die zahlreich bereitstehenden Händler, um den Fahrgästen Früchte, Brochettes, Nüsse, Getränke etc. anzubieten. Vom meist sehr geringen Erlös müssen sie leben und die Konkurrenz ist sehr zahlreich.

Nach genau 3 Stunden Fahrzeit erreichen wir Yaoundé, die Hauptstadt von Kamerun. Die Haltestelle der Busgesellschaft liegt etwas außerhalb. Wieder wird versucht, uns Taxis zu vermitteln, wir lehnen jedoch lächelnd ab und halten selber ein solches Gefährt an. Wir haben uns aus den wenigen Hotelempfehlungen im Reisehandbuch eine preiswerte und zentral gelegene Unterkunft ausgesucht - das "L'Unité" oben auf einem Hügel in der Nähe des von den Chinesen erbauten Kongresspalastes. Der Fahrer fährt uns in das "El Pananden". Wir fragen ihn, ob wir hier denn wirklich richtig sind. Natürlich kann er nur französisch und wir nicht! Einer bleibt im Auto beim Gepäck, der andere fragt im Hotel nach. Es hat offenbar ein Namenswechsel stattgefunden, das Reisehandbuch ist an dieser Stelle nicht aktuell. Wir wollen am nächsten Tag mit der Transcamerounais-Eisenbahn in den Norden aufbrechen. Unser Ziel heute ist, den Bahnhof zu finden und eventuell schon Tickets für morgen zu beschaffen, da der Zug als einziges öffentliches Verkehrsmittel in den Norden meist überfüllt ist. Mit dem Zug benötigt man für die 660 km lange Strecke von Yaoundé bis Ngaoundéré laut Fahrplan 16 Stunden. Das ist aber immer noch schneller als mit dem Buschtaxi, da würden wir etwa 2-3 Tage brauchen, zumal es keine Teerstraße direkt in den Norden gibt. Man müsste einen Umweg über den Westen machen oder die staubigen und oft schlechten Pisten benutzen. Aber Eisenbahn in Afrika fahren soll ja spannend sein! Auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir an einer Tankstelle vorbei. Der Tankwart, ein junger Mann, redet uns in Deutsch an, nachdem er unsere Herkunft gecheckt hat. Wir sind angenehm überrascht und er freut sich, sein in der Secondary School erlerntes Deutsch endlich einmal anwenden zu können. Wir trinken bei ihm eine Cola. Wir unterhalten uns ein wenig mit dem Tankwart in Deutsch und Englisch und ziehen weiter.

Am Bahnhof erfahren wir von einem netten Menschen die Preise und wie es in 1. und 2. Klasse so zugeht. Ich möchte unbedingt einen Schlafwagen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass meine Gliedmaßen 16 Stunden zusammengepfercht in der 2. Klasse überleben werden. Michael gefällt das gar nicht, da er den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung vorzieht. Ich kann ihn trotzdem überzeugen. Während die 2. Klasse unten in der Halle abgefertigt wird, können die Passagiere der 1. Klasse im Obergeschoss des Gebäudes auf bequemen Sitzen warten, bis sie an den Schalter vorgelassen werden. Leider sind die zwei Schlafwagen ausgebucht. Schade. Kaufen können wir die Tickets sowieso erst morgen. Wir ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.

Auf dem Rückweg besuchen wir einen der zahlreichen Märkte. Dies ist mein erster schwarzafrikanischer Markt. Ich bin erst mal überwältigt von den vielen Menschen, den Gerüchen, Farben, der Vielfalt, dem Schmutz, den Geräuschen, den vielen Sprachen. Und was hier alles verkauft wird! Hunderte von Kleinstunternehmern versuchen oft nur wenige Produkte an den Kunden zu bringen. Der Lebensmittelmarkt ist noch einmal umzäunt, die Straße davor säumen unzählige Händler. Man muss so etwas wirklich mal mit den eigenen Sinnesorganen erlebt haben! Das bringt kein noch so guter Dokumentarfilm rüber. Auf dem Gemüsemarkt werde ich mit "Bon jour Monsieur Le Blanc!" begrüßt. Natürlich soll ich den ganzen Markt leerkaufen. Weitere Anreden auf diesem Markt: Gentlemen (in unseren Klamotten - witzig), Le Patron (schmeichelhaft), Big Man (die meinen mich, nicht Michael ;) und Le Blanc (ein wenig unhöflich).

Auf dem Weg zum Hotel sondern wir schnell noch eine Mail in einem Internet-Office nach Deutschland ab. Neben unserem Hotel gibt es weit und breit nur ein Restaurant. Es heißt "Le Terrasse" und bietet italienische Küche, ist aber fast so teuer wie in Deutschland. Scheint jedoch eine gute Adresse hier zu sein. Die Jazz-Liveband, die hier abends spielt, ist echt gut. Wir beobachten einige ältere feiste Franzosen, die mit hübschen jungen Afrikanerinnen am Tisch sitzen. Tja, das Geld... Aber auch gemischte junge Paare sieht man ab und an das Restaurant betreten. Hier würde ich mal unterstellen, dass dies was mit gegenseitiger Zuneigung zu tun hat, ohne jetzt jedem älteren Herren Unrecht tun zu wollen. ;)) Nach dem Verlassen des Restaurants bettelt ein etwa zehnjähriges Mädchen mich um Geld an. Ich gebe getreu unseres Grundsatzes Kindern kein Geld, sondern lieber 3 frische Maispfannkuchen, die ich mir nachmittags am Straßenrand gekauft hatte.

 

 
     
 
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