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Nach dem Frühstück lassen wir
uns mit dem Taxi zum Linienbus nach Yaoundé bringen.
Beim Busfahren in Kamerun muss man bei den größeren
Gesellschaften stets den Reisepass vorlegen, wenn man ein
Ticket kaufen will. Das Gepäck wird ebenfalls mit einem
Aufkleber versehen und man bekommt dieses auch nur mit dem
entsprechenden Abschnitt am Zielort wieder. Bei Buschtaxis
wird dieser Aufwand natürlich nicht betrieben, dafür
(u.a.) sind diese auch billiger. Der Bus verlässt pünktlich
09:30 Uhr das bewachte Gelände des Busbahnhofes. Es dauert
mindestens 20 Minuten, bis wir aus Douala mit seinen kilometerlangen
Vororten/Slums heraus sind. Die Armut der Vororte ist schockierend.
Hier versucht jeder aus den ländlichen Gebieten und aus
dem wirtschaftlich unterentwickelten Norden Fuß zu fassen,
sein "Glück" zu machen. Doch es schaffen sicher
nur sehr wenige hier wieder heraus zu kommen. Der Weg heraus
heißt Bildung oder Kriminalität. Wer das Geld für
eine gute Ausbildung aufbringen kann, einen Abschluss macht
und einen Job bekommt, hat in der Regel zwei Chancen: Entweder
arrangiert er sich mit dem korrupten System, macht Karriere
oder er verlässt das Land. Natürlich gibt es auch
genügend mutige Menschen, die bleiben und etwas verändern
wollen. Aber es ist allgemein in vielen afrikanischen Staaten
ein Missstand, dass die Leute, die etwas verändern könnten,
mundtot gemacht werden (siehe ai-Bericht
Kamerun) oder eben auswandern.
Den Straßenrand säumen einige
Autowracks, die hier
wohl schon ein paar Jahre herumliegen. Michael meint, dass
es hier noch relativ wenig Autoschrott an den Straßen
gibt, in anderen afrikanischen Ländern, die er bereist
hat, lag da weitaus mehr herum. Nach ca. einer Stunde sehen
wir eine frisch durchbrochene Leitplanke, der halbe Bus steht
auf, es ist aber nichts zu sehen. Wenn da was war, muss es
weit die Böschung in den angrenzenden Regenwald hinuntergerollt
sein. So was motiviert, macht Mut. ;)) Der Bus muss manchmal
anhalten, meist an Mautstellen oder Polizeikontrollen, kann
jedoch oft sehr schnell weiterfahren. Hält er dennoch
ein wenig länger, nutzen das die zahlreich bereitstehenden
Händler, um den
Fahrgästen Früchte, Brochettes, Nüsse, Getränke
etc. anzubieten. Vom meist sehr geringen Erlös müssen
sie leben und die Konkurrenz ist sehr zahlreich.
Nach genau 3 Stunden Fahrzeit erreichen
wir Yaoundé, die Hauptstadt von Kamerun. Die Haltestelle
der Busgesellschaft liegt etwas außerhalb. Wieder wird
versucht, uns Taxis zu vermitteln, wir lehnen jedoch lächelnd
ab und halten selber ein solches Gefährt an. Wir haben
uns aus den wenigen Hotelempfehlungen im Reisehandbuch eine
preiswerte und zentral gelegene Unterkunft ausgesucht - das
"L'Unité" oben auf einem Hügel in der
Nähe des von den Chinesen erbauten Kongresspalastes.
Der Fahrer fährt uns in das "El Pananden".
Wir fragen ihn, ob wir hier denn wirklich richtig sind. Natürlich
kann er nur französisch und wir nicht! Einer bleibt im
Auto beim Gepäck, der andere fragt im Hotel nach. Es
hat offenbar ein Namenswechsel stattgefunden, das Reisehandbuch
ist an dieser Stelle nicht aktuell. Wir wollen am nächsten
Tag mit der Transcamerounais-Eisenbahn in den Norden aufbrechen.
Unser Ziel heute ist, den Bahnhof zu finden und eventuell
schon Tickets für morgen zu beschaffen, da der Zug als
einziges öffentliches Verkehrsmittel in den Norden meist
überfüllt ist. Mit dem Zug benötigt man für
die 660 km lange Strecke von Yaoundé bis Ngaoundéré
laut Fahrplan 16 Stunden. Das ist aber immer noch schneller
als mit dem Buschtaxi, da würden wir etwa 2-3 Tage brauchen,
zumal es keine Teerstraße direkt in den Norden gibt.
Man müsste einen Umweg über den Westen machen oder
die staubigen und oft schlechten Pisten benutzen. Aber Eisenbahn
in Afrika fahren soll ja spannend sein! Auf dem Weg zum Bahnhof
kommen wir an einer Tankstelle vorbei. Der Tankwart, ein junger
Mann, redet uns in Deutsch an, nachdem er unsere Herkunft
gecheckt hat. Wir sind angenehm überrascht und er freut
sich, sein in der Secondary School erlerntes Deutsch endlich
einmal anwenden zu können. Wir trinken bei ihm eine Cola.
Wir unterhalten uns ein wenig mit dem Tankwart in Deutsch
und Englisch und ziehen weiter.
Am Bahnhof
erfahren wir von einem netten Menschen die Preise und wie
es in 1. und 2. Klasse so zugeht. Ich möchte unbedingt
einen Schlafwagen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass
meine Gliedmaßen 16 Stunden zusammengepfercht in der
2. Klasse überleben werden. Michael gefällt das
gar nicht, da er den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung
vorzieht. Ich kann ihn trotzdem überzeugen. Während
die 2. Klasse unten in der Halle abgefertigt wird, können
die Passagiere der 1. Klasse im Obergeschoss des Gebäudes
auf bequemen Sitzen warten, bis sie an den Schalter vorgelassen
werden. Leider sind die zwei Schlafwagen ausgebucht. Schade.
Kaufen können wir die Tickets sowieso erst morgen. Wir
ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.
Auf dem Rückweg besuchen wir einen
der zahlreichen Märkte. Dies ist mein erster schwarzafrikanischer
Markt. Ich bin erst mal überwältigt von den vielen
Menschen, den Gerüchen, Farben, der Vielfalt, dem Schmutz,
den Geräuschen, den vielen Sprachen. Und was hier alles
verkauft wird! Hunderte von Kleinstunternehmern versuchen
oft nur wenige Produkte an den Kunden zu bringen. Der Lebensmittelmarkt
ist noch einmal umzäunt, die Straße davor säumen
unzählige Händler. Man muss so etwas wirklich mal
mit den eigenen Sinnesorganen erlebt haben! Das bringt kein
noch so guter Dokumentarfilm rüber. Auf dem Gemüsemarkt
werde ich mit "Bon jour Monsieur Le Blanc!" begrüßt.
Natürlich soll ich den ganzen Markt leerkaufen. Weitere
Anreden auf diesem Markt: Gentlemen (in unseren Klamotten
- witzig), Le Patron (schmeichelhaft), Big Man (die meinen
mich, nicht Michael ;) und Le Blanc (ein wenig unhöflich).
Auf dem Weg zum Hotel sondern wir schnell
noch eine Mail in einem Internet-Office nach Deutschland ab.
Neben unserem Hotel gibt es weit und breit nur ein Restaurant.
Es heißt "Le Terrasse" und bietet italienische
Küche, ist aber fast so teuer wie in Deutschland. Scheint
jedoch eine gute Adresse hier zu sein. Die Jazz-Liveband,
die hier abends spielt, ist echt gut. Wir beobachten einige
ältere feiste Franzosen, die mit hübschen jungen
Afrikanerinnen am Tisch sitzen. Tja, das Geld... Aber auch
gemischte junge Paare sieht man ab und an das Restaurant betreten.
Hier würde ich mal unterstellen, dass dies was mit gegenseitiger
Zuneigung zu tun hat, ohne jetzt jedem älteren Herren
Unrecht tun zu wollen. ;)) Nach dem Verlassen des Restaurants
bettelt ein etwa zehnjähriges Mädchen mich um Geld
an. Ich gebe getreu unseres Grundsatzes Kindern kein Geld,
sondern lieber 3 frische Maispfannkuchen, die ich mir nachmittags
am Straßenrand gekauft hatte.
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