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Es ist 6:30 Uhr und schon taghell, wir stehen auf. Draußen
Dschungel. Wir bestellen Frühstück. Für den
moslemischen Norden ziehen wir die langen Hosen an, die Bermudas
verschwinden im Rucksack. Wie weit ist es noch bis Ngaoundéré
? Wo sind wir eigentlich? Hat der Zug Verspätung? So
recht ist das nicht herauszubekommen. Vor dem Fenster ziehen
kleine Dörfer mit traditionellen Lehmrundhütten
und strohgedeckten Dächern vorüber. Die Sonne scheint
kräftig in das Abteil, draußen ist es noch angenehm
kühl. Das Frühstück ist ok und genau wie das
Abendessen empfehlenswert. Angeblich soll es laut Reisehandbuch
hier im Zug nur Affe zu essen geben. So ein Unsinn.
Gegen 11 Uhr kommen wir in Ngaoundéré an. Der
Zug hatte also nur
eine Stunde Verspätung! Auf dem Bahnhof gehen wir gezielt
und forsch an den üblichen Gepäckträgern und
Taxivermittlern vorbei zu einem leerstehenden Taxi. Der Preis
stimmt, wir lassen uns ins Le
Relais fahren, welches unter den preiswerten Unterkünften
im Reisehandbuch zu finden war. Hoffentlich stimmt hier der
Name noch. Er stimmt! Der Preis natürlich nicht mehr,
aber er ist ok. Das Zimmer ist wie oft in dieser Preislage
heruntergekommen, aber sauber. Man erreicht es über zwei
lange dunkle und hohe Gänge. Vor dem Hotel eine staubige
Lehmstrasse und Müllberge am Straßenrand, die abgebrannt
werden. Kinder suchen dazwischen nach Verwertbarem. Wir verlassen
gleich wieder das Hotel, wollen uns die Stadt und den Lamido-Palast
anschauen, da es morgen weiter in den Norden nach Maroua gehen
soll. Was mir hier sofort auffällt: Man wird nicht ständig
angesprochen von Verkäufern, Ladenbesitzern. Die Leute
sind freundlicher, offener. Ngaoundéré ist die
Hauptstadt der Provinz Adamaoua und gleichzeitig größter
Ort des Departments Vina. Da die Stadt am Rande des Adamaoua-Plateaus
(1200 m über NN) liegt, herrscht ein angenehmes Klima.
Hier endet die Transcamerounais Eisenbahn. Aber es gibt wieder
Teerstraßen, die bis in den Norden führen. Die
Stadt ist vom Islam geprägt. Die ursprünglich hier
lebenden Mboum wurden 1835 durch das kriegerische islamische
Reitervolk der Fulbe besiegt. Diese gründeten hier ein
Lamidat, im Westen Kameruns heißt es Sultanat. Dem Lamido-Palast
gegenüber steht eine große Moschee. In der Umgebung
der Stadt entschied sich übrigens das Ende der deutschen
Kolonie Kamerun. Franzosen und Engländer marschierten
nach Ende des 1. Weltkrieges hier ein. Ansonsten macht die
Stadt einen sehr ländlichen Eindruck, kaum zweistöckige
Gebäude, nur die Hauptstraßen sind geteert, alle
anderen Straßen sind rote Lehmpisten. Nur gut, dass
wir keine Regenzeit haben.
Wir wollen uns zunächst bei Cameroun Airlines über
einen möglichen Rückflug nach Yaounde informieren,
um so Zeit sparen zu können. Leider macht man dort gerade
Mittagspause, wir sollen später wieder kommen. Der nächste
Weg führt uns zum Lamido-Palast.
Im Reiseführer steht, dass der Eintritt 2000 CFA pro
Person inkl. Führung kostet. Aber das stimmt so nicht
Jetzt will man 2500 CFA pro Person, 1000 CFA für Fotos
und 1000 CFA für den Führer. Eine heftige Preissteigerung!
Handeln ist hier zwecklos. Obwohl wir etwas anderes vereinbart
haben, kann der Führer nur französisch. Wir warten
etwa 10 Minuten in einem dunklen Eingangsportal. Dort liegen
einige Männer auf Teppichen herum, andere durchqueren
die kleine Halle. Unser Guide kann uns nicht erklären,
was diese Wartezeit soll - wir verstehen ihn nicht. Anschließend
zeigt er uns ein paar grasbedeckte Hütten, ein paar einfache
Malereien an der Wand, ein klappriges Pferd, eine alte verrußte
Hütte mit Schlafplätzen. Vom eigentlichen Palast
nichts zu sehen. Ein finster dreinschauender Mann in rotem
Gewand zeigt uns mit einem Speer pantomimisch eine Minute
lang irgendwelche Jagd- oder Kampfszenen und will dafür
Geld haben. Wir lehnen ab. 7000 CFA für 3-4 Hütten
sind mehr als genug. Ein wenig verstimmt verlassen wir den
"Palast", der Besuch hat nicht viel gebracht, u.a.
auch wegen der fehlenden Französischkenntnisse.
Wir gehen zurück in das kleine Hotel, um eine Cola zu
trinken. Wir sind die einzigen Gäste. Die Plastikstühle
werden zuvor noch ein wenig vom roten Lehmstaub befreit, der
hier überall präsent ist. Am Nachmittag gehen wir
dann noch einmal in die Stadt. Wir suchen die Altstadt, die
sich in der Nähe des Lamido-Palastes befindet. Hier soll
es noch traditionelle Sarés geben, Gehöfte mit
mehreren Rundhütten und kegelförmigen Strohdächern.
Diese sind aber von hohen Lehmmauern umgeben, so dass ein
Einblick selten möglich ist. Dazwischen natürlich
ärmliche Wellblechhütten und schmutzige Straßen.
Beim Gang durch diese Armenviertel treffen wir ein paar Jugendliche,
die uns irgendwas zurufen. Wir gehen zu ihnen herüber.
Einige können ein wenig Englisch. Sie wollen wissen,
wo wir herkommen. Deutschland finden sie gut, weil Kameruns
Nationaltrainer ein Deutscher ist. Selbstverständlich
hat jeder von ihnen einen Bruder, Cousin oder sonstigen Verwandten,
der in Deutschland Fußball spielt, bei "Dordmuund"
oder "Schalk 04". ;) Ich kenne mich da nicht so
aus, habe mich noch nie für Fußball interessiert.
Wir zeigen ein paar Ansichtskarten von zuhause, Michaels Schneelandschaften
kommen wieder gut an. Ich verschenke zwei von meinen Postkarten.
Ein Internet-Office lässt sich hier nicht finden, nur
ein paar Schreibstuben mit Computern, auf denen auch schon
roter Lehmstaub liegt, der hier überall hinzieht. Wie
es scheint, sind wir wieder mal die einzigen Weißen
in der Stadt. 17 Uhr schauen wir noch einmal bei Air Cameroun
vorbei. Es fliegt jeden Tag eine Boing 737 von Maroua nach
Yaounde. 81500 CFA, das ist das Doppelte von dem, was im Reisehandbuch
steht! Aber die 2-3 Tage Zeitersparnis für die Rückreise
in den Süden bzw. Westen locken schon. Wir überlegen
uns den Rückflug noch einmal. Gegen 18 Uhr kehren wir
in das Hotel zurück. Das Restaurant ist ein turnhallenartiger
Saal. Es folgt eine lustige Bestellung mit Französisch-Wörterbuch.
Wie es scheint, gehört das Hotel zwei jungen Männern,
die Brüder sind. Michael hat es mit Extremschnupfen erwischt.
Wir unterhalten uns noch ein wenig mit den Besitzern, die
ein wenig Englisch können und gehen dann zu Bett. Wir
wollen morgen früh zeitig in das 500 km nördlich
liegende Maroua aufbrechen.
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