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5. Tag, Montag, 21.01.2002 Transcamerounais Eisenbahn - Ngaoundéré

Es ist 6:30 Uhr und schon taghell, wir stehen auf. Draußen Dschungel. Wir bestellen Frühstück. Für den moslemischen Norden ziehen wir die langen Hosen an, die Bermudas verschwinden im Rucksack. Wie weit ist es noch bis Ngaoundéré ? Wo sind wir eigentlich? Hat der Zug Verspätung? So recht ist das nicht herauszubekommen. Vor dem Fenster ziehen kleine Dörfer mit traditionellen Lehmrundhütten und strohgedeckten Dächern vorüber. Die Sonne scheint kräftig in das Abteil, draußen ist es noch angenehm kühl. Das Frühstück ist ok und genau wie das Abendessen empfehlenswert. Angeblich soll es laut Reisehandbuch hier im Zug nur Affe zu essen geben. So ein Unsinn.

Gegen 11 Uhr kommen wir in Ngaoundéré an. Der Zug hatte also nur eine Stunde Verspätung! Auf dem Bahnhof gehen wir gezielt und forsch an den üblichen Gepäckträgern und Taxivermittlern vorbei zu einem leerstehenden Taxi. Der Preis stimmt, wir lassen uns ins Le Relais fahren, welches unter den preiswerten Unterkünften im Reisehandbuch zu finden war. Hoffentlich stimmt hier der Name noch. Er stimmt! Der Preis natürlich nicht mehr, aber er ist ok. Das Zimmer ist wie oft in dieser Preislage heruntergekommen, aber sauber. Man erreicht es über zwei lange dunkle und hohe Gänge. Vor dem Hotel eine staubige Lehmstrasse und Müllberge am Straßenrand, die abgebrannt werden. Kinder suchen dazwischen nach Verwertbarem. Wir verlassen gleich wieder das Hotel, wollen uns die Stadt und den Lamido-Palast anschauen, da es morgen weiter in den Norden nach Maroua gehen soll. Was mir hier sofort auffällt: Man wird nicht ständig angesprochen von Verkäufern, Ladenbesitzern. Die Leute sind freundlicher, offener. Ngaoundéré ist die Hauptstadt der Provinz Adamaoua und gleichzeitig größter Ort des Departments Vina. Da die Stadt am Rande des Adamaoua-Plateaus (1200 m über NN) liegt, herrscht ein angenehmes Klima. Hier endet die Transcamerounais Eisenbahn. Aber es gibt wieder Teerstraßen, die bis in den Norden führen. Die Stadt ist vom Islam geprägt. Die ursprünglich hier lebenden Mboum wurden 1835 durch das kriegerische islamische Reitervolk der Fulbe besiegt. Diese gründeten hier ein Lamidat, im Westen Kameruns heißt es Sultanat. Dem Lamido-Palast gegenüber steht eine große Moschee. In der Umgebung der Stadt entschied sich übrigens das Ende der deutschen Kolonie Kamerun. Franzosen und Engländer marschierten nach Ende des 1. Weltkrieges hier ein. Ansonsten macht die Stadt einen sehr ländlichen Eindruck, kaum zweistöckige Gebäude, nur die Hauptstraßen sind geteert, alle anderen Straßen sind rote Lehmpisten. Nur gut, dass wir keine Regenzeit haben.

Wir wollen uns zunächst bei Cameroun Airlines über einen möglichen Rückflug nach Yaounde informieren, um so Zeit sparen zu können. Leider macht man dort gerade Mittagspause, wir sollen später wieder kommen. Der nächste Weg führt uns zum Lamido-Palast. Im Reiseführer steht, dass der Eintritt 2000 CFA pro Person inkl. Führung kostet. Aber das stimmt so nicht Jetzt will man 2500 CFA pro Person, 1000 CFA für Fotos und 1000 CFA für den Führer. Eine heftige Preissteigerung! Handeln ist hier zwecklos. Obwohl wir etwas anderes vereinbart haben, kann der Führer nur französisch. Wir warten etwa 10 Minuten in einem dunklen Eingangsportal. Dort liegen einige Männer auf Teppichen herum, andere durchqueren die kleine Halle. Unser Guide kann uns nicht erklären, was diese Wartezeit soll - wir verstehen ihn nicht. Anschließend zeigt er uns ein paar grasbedeckte Hütten, ein paar einfache Malereien an der Wand, ein klappriges Pferd, eine alte verrußte Hütte mit Schlafplätzen. Vom eigentlichen Palast nichts zu sehen. Ein finster dreinschauender Mann in rotem Gewand zeigt uns mit einem Speer pantomimisch eine Minute lang irgendwelche Jagd- oder Kampfszenen und will dafür Geld haben. Wir lehnen ab. 7000 CFA für 3-4 Hütten sind mehr als genug. Ein wenig verstimmt verlassen wir den "Palast", der Besuch hat nicht viel gebracht, u.a. auch wegen der fehlenden Französischkenntnisse.

Wir gehen zurück in das kleine Hotel, um eine Cola zu trinken. Wir sind die einzigen Gäste. Die Plastikstühle werden zuvor noch ein wenig vom roten Lehmstaub befreit, der hier überall präsent ist. Am Nachmittag gehen wir dann noch einmal in die Stadt. Wir suchen die Altstadt, die sich in der Nähe des Lamido-Palastes befindet. Hier soll es noch traditionelle Sarés geben, Gehöfte mit mehreren Rundhütten und kegelförmigen Strohdächern. Diese sind aber von hohen Lehmmauern umgeben, so dass ein Einblick selten möglich ist. Dazwischen natürlich ärmliche Wellblechhütten und schmutzige Straßen. Beim Gang durch diese Armenviertel treffen wir ein paar Jugendliche, die uns irgendwas zurufen. Wir gehen zu ihnen herüber. Einige können ein wenig Englisch. Sie wollen wissen, wo wir herkommen. Deutschland finden sie gut, weil Kameruns Nationaltrainer ein Deutscher ist. Selbstverständlich hat jeder von ihnen einen Bruder, Cousin oder sonstigen Verwandten, der in Deutschland Fußball spielt, bei "Dordmuund" oder "Schalk 04". ;) Ich kenne mich da nicht so aus, habe mich noch nie für Fußball interessiert. Wir zeigen ein paar Ansichtskarten von zuhause, Michaels Schneelandschaften kommen wieder gut an. Ich verschenke zwei von meinen Postkarten.

Ein Internet-Office lässt sich hier nicht finden, nur ein paar Schreibstuben mit Computern, auf denen auch schon roter Lehmstaub liegt, der hier überall hinzieht. Wie es scheint, sind wir wieder mal die einzigen Weißen in der Stadt. 17 Uhr schauen wir noch einmal bei Air Cameroun vorbei. Es fliegt jeden Tag eine Boing 737 von Maroua nach Yaounde. 81500 CFA, das ist das Doppelte von dem, was im Reisehandbuch steht! Aber die 2-3 Tage Zeitersparnis für die Rückreise in den Süden bzw. Westen locken schon. Wir überlegen uns den Rückflug noch einmal. Gegen 18 Uhr kehren wir in das Hotel zurück. Das Restaurant ist ein turnhallenartiger Saal. Es folgt eine lustige Bestellung mit Französisch-Wörterbuch. Wie es scheint, gehört das Hotel zwei jungen Männern, die Brüder sind. Michael hat es mit Extremschnupfen erwischt. Wir unterhalten uns noch ein wenig mit den Besitzern, die ein wenig Englisch können und gehen dann zu Bett. Wir wollen morgen früh zeitig in das 500 km nördlich liegende Maroua aufbrechen.

 
     
 
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