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6. Tag, Dienstag, 22.01.2002 Ngaoundéré - Garoua - Maroua

4:15 Uhr weckt mich der Muezzin und hält mich eine Stunde lang mit seiner Gebets-Memo wach. 6:30 Uhr stehen wir auf. Wir verabschieden uns nach dem Frühstück und laufen vorbei an den qualmenden Müllhaufen zur Hauptstraße hoch. Nach einigem Warten kommt ein Taxi. Wir wollen zu Wouri Voyage, laut Reisehandbuch ein Busunternehmen, das die Strecke nach Garoua/Maroua fährt. Der Fahrer kennt es nicht, fährt uns aber trotzdem in die Richtung, wo der Busbahnhof liegen soll. Das Unternehmen heißt Woïla Voyages und wir sind richtig. Das Unternehmen gehört einem Libanesen, die Busse machen einen soliden Eindruck. Mein tägliches Spenden-Limit für Bettler erreiche ich hier bereits. Nach einer Stunde Wartezeit fährt der Kleinbus (ca. 20 Sitzplätze) los. Unterwegs steigen ab und an Leute zu oder aus, Sitzplätze sind ausreichend vorhanden. An einer Haltestelle wird eine Frau um die 40 von ihrem Dorf verabschiedet. Hat Sie einen Job in der Stadt bekommen? Oder besucht sie nur Verwandte? Ganz vorn sitzt eine dicke junge Frau, so eine Art Mama Afrika. Sie braucht fast zwei Sitze, unterhält sich mit ihrem Nachbarn und lacht und lacht ... Nach einer Stunde die erste Polizeikontrolle, der Bus verlangsamt die Fahrt, wird durchgewunken. Bei Stops bieten die Händler die üblichen Lebensmittel und Getränke an. Wir fahren vorbei an unzähligen kleinen Dörfern mit den typischen strohbedeckten Rundhütten aus Lehm und einem Dorfbrunnen. Ziegen und Zeburinder weiden am Dorfrand. Zwischendurch steigt ein altes Paar mit Wasserkanne und Basttaschen ein. Alle Notsitze der Mittelreihe werden eingeklappt, das Paar muss nach hinten. An den Bergen stehen einige große LKW's, die nicht weiterkommen oder eine Panne haben. Als Warndreieck dienen hier ein paar Zweige, die man sichtbar zerbricht und auf die Fahrbahn legt.

Gegen 13 Uhr kommen wir in Garoua an, die Hälfte der Strecke nach Maroua ist geschafft. Der Bus macht hier 20 Minuten Pause. Ich besuche mein erstes afrikanisches Klo, wo man seine Geschäfte im Stehen machen muss. Diese Art von Toiletten gibt es aber auch in Italien und Südeuropa, aber nicht mit Geckos. ;) Wir kaufen Mineralwasser und setzen uns im Bus ganz nach hinten, in der Hoffnung, dass es hier nicht so zieht. Der Bus fährt weiter, es gibt einige neue Fahrgäste und hinten bei uns wird es sehr schnell eng. Ab und an überqueren wir nahezu gänzlich ausgetrocknete Flüsse, die nur noch ein paar Pfützen Wasser aufweisen. In denen wird Wäsche gewaschen und auf dem Sand getrocknet oder es werden Rinder getränkt. Auf der Strecke Garoua / Maroua sollen laut Information des Auswärtigen Amtes öfters Fahrzeuge mit Waffengewalt überfallen werden. Ich kann mir das hier auf der Hauptstraße nicht so recht vorstellen, vielleicht gibt es noch eine andere Piste. Auch soll der Staat eine Spezialeinheit zur Bekämpfung der Banditen hier stationiert haben. Komisch, wie schnell man Bedenken verliert, wenn man erst mal vor Ort ist. Aber Michael hatte mir ja so was vorhergesagt. Vor Maroua gibt es sehr schönen Steinberge, ähnlich den Hounds im Dartmoor in England. Diese Berge sehen so aus, als ob ein Riese überdimensionale Kieselsteine aufgehäuft hätte. Manchmal stehen auch noch kleine Rundhütten davor, das sind dann eigentlich ideale Motive, aber der Bus rumpelt über die Straße, an ein vernünftiges Foto ist nicht zu denken.

Gegen 17 Uhr kommen wir endlich in Maroua an. Leider scheint es in dieser Stadt keine Taxis zu geben. Wir laufen über eine Brücke, die sich über einen ausgetrockneten großen Fluss, den Kaliao spannt. Schließlich fragen wir zwei Polizisten, die an einer Kreuzung mit ihren Mopeds stehen. Der eine winkt ein vorbeifahrendes Moped heran, der andere gibt sein eigenes einem Zivilisten und schon haben wir zwei "Taxis", die uns in die von uns wieder vorab ausgesuchte Herberge "Relais Ferngo" bringen. Und billig ist so ein Moped auch, nur 100 CFA! Allerdings zieht es mich mit dem 15 kg schweren Rucksack auf dem Rücken ordentlich nach hinten. Das Relais Ferngo besteht aus ein paar Boukarous (Rundhütten), die über Dusche und WC verfügen. Von außen sehen die gut aus, innen sind serienmäßig 1000 Mücken vorrätig. Wir spannen gleich die Moskitonetze auf, verlangen nach Moskitospray und starten die uralte und lautstarke kleine Klimaanlage. Zusätzlich zünde ich noch eine Räucherspirale an. Ich schätze, so einen Großangriff hat die eine oder andere Mücke heute nicht mehr erwartet! An der Rezeption treffen wir Jean Luc, einen jungen Reiseführer (23), der sogar in unserem Reisehandbuch erwähnt und von Frau Fuchs (Autorin) schwer gelobt wird. Jean Luc will uns auch gleich einen Trip nach Rhumsiki in die Mandaraberge verkaufen. Wir schlagen vor, dass wir hier irgendwo essen gehen und darüber reden.

Er bietet uns an, dass wir zu dritt (!) auf seinem hier üblichen 90 ccm Moped dorthin fahren. Zu dritt? Dieses kleine Moped? Kein Problem meint er, setzt sich auf den Tank und wir hinten drauf und los geht es. Wir suchen noch ein Internet-Office, leider gibt es hier keine guten Verbindungen, die Server stehen nur in Douala und Yaounde, hier wird per Handy (9600 Baud) eine Verbindung aufgebaut. Ich brauche fast 40 Minuten bis eine Mail raus ist! Und das zum 4-fachen Preis! Der zweite Reinfall mit der Kommunikation in die Heimat. Beim Abendessen in einem einfachen Straßenrestaurant verhandeln wir mit Jean Luc. Er will uns unbedingt ein Auto mit einem Fahrer für die geplanten 2 Tage in Rhumsiki aufschwatzen. Die Piste ab Mokolo wäre sehr schlecht und es fahren kaum Autos in das entlegene Bergdorf. Aber genau das wollen wir nicht - isoliert von der Bevölkerung reisen. Da kommt man mit niemandem ins Gespräch und wird von vornherein als vermeintlich "reicher" Westeuropäer betrachtet, den es abzuzocken gilt. Wir machen deutlich, dass wir die ca. 130 Kilometer mit dem Buschtaxi fahren wollen. Jean Luc lenkt widerwillig ein und will uns noch einen ortskundigen Führer vermitteln, der für 2 Tage 10000 CFA kosten soll, ein Freund von ihm ist und wie er aus Rhumsiki stammt. Wir willigen ein und trinken noch eine Cola zusammen. Für morgen vereinbaren wir eine Stadtbesichtigung per Moped. Zurück in die Herberge fahren wir wieder mit Jean Luc's Moped. Es ist schon ein tolles Gefühl auf dem knatternden Moped durch die afrikanische Nacht, durch Maroua zu fahren, vorbei an offenen Feuern, Garküchen lautstarker afrikanischer Musik aus verschiedenen kleinen Verkaufsständen, Bettlern, tanzenden Kindern. Ich genieße es. Gegen 22 Uhr checken wir das Innere der bereits aufgespannten Moskitonetze und gehen Schlafen.

 
     
 
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