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4:15 Uhr weckt mich der Muezzin und hält mich eine Stunde
lang mit seiner Gebets-Memo wach. 6:30 Uhr stehen wir auf.
Wir verabschieden uns nach dem Frühstück und laufen
vorbei an den qualmenden Müllhaufen zur Hauptstraße
hoch. Nach einigem Warten kommt ein Taxi. Wir wollen zu Wouri
Voyage, laut Reisehandbuch ein Busunternehmen, das die Strecke
nach Garoua/Maroua fährt. Der Fahrer kennt es nicht,
fährt uns aber trotzdem in die Richtung, wo der Busbahnhof
liegen soll. Das Unternehmen heißt Woïla Voyages
und wir sind richtig. Das Unternehmen gehört einem Libanesen,
die Busse machen einen soliden Eindruck. Mein tägliches
Spenden-Limit für Bettler erreiche ich hier bereits.
Nach einer Stunde Wartezeit fährt der Kleinbus (ca. 20
Sitzplätze) los. Unterwegs steigen ab und an Leute zu
oder aus, Sitzplätze sind ausreichend vorhanden. An einer
Haltestelle wird eine Frau um die 40 von ihrem Dorf verabschiedet.
Hat Sie einen Job in der Stadt bekommen? Oder besucht sie
nur Verwandte? Ganz vorn sitzt eine dicke junge Frau, so eine
Art Mama Afrika. Sie braucht fast zwei Sitze, unterhält
sich mit ihrem Nachbarn und lacht und lacht ... Nach einer
Stunde die erste Polizeikontrolle, der Bus verlangsamt die
Fahrt, wird durchgewunken. Bei Stops bieten die Händler
die üblichen Lebensmittel und Getränke an. Wir fahren
vorbei an unzähligen kleinen Dörfern mit den typischen
strohbedeckten Rundhütten aus Lehm und einem Dorfbrunnen.
Ziegen und Zeburinder weiden am Dorfrand. Zwischendurch steigt
ein altes Paar mit Wasserkanne und Basttaschen ein. Alle Notsitze
der Mittelreihe werden eingeklappt, das Paar muss nach hinten.
An den Bergen stehen einige große LKW's, die nicht weiterkommen
oder eine Panne haben. Als Warndreieck dienen hier ein paar
Zweige, die man sichtbar zerbricht und auf die Fahrbahn legt.
Gegen 13 Uhr kommen wir in Garoua
an, die Hälfte der Strecke nach Maroua ist geschafft.
Der Bus macht hier 20 Minuten Pause. Ich besuche mein erstes
afrikanisches Klo, wo man seine Geschäfte im Stehen machen
muss. Diese Art von Toiletten gibt es aber auch in Italien
und Südeuropa, aber nicht mit Geckos. ;) Wir kaufen Mineralwasser
und setzen uns im Bus ganz nach hinten, in der Hoffnung, dass
es hier nicht so zieht. Der Bus fährt weiter, es gibt
einige neue Fahrgäste und hinten bei uns wird es sehr
schnell eng. Ab und an überqueren wir nahezu gänzlich
ausgetrocknete Flüsse, die nur noch ein paar Pfützen
Wasser aufweisen. In denen wird Wäsche gewaschen und
auf dem Sand getrocknet oder es werden Rinder getränkt.
Auf der Strecke Garoua / Maroua sollen laut Information des
Auswärtigen Amtes öfters Fahrzeuge mit Waffengewalt
überfallen werden. Ich kann mir das hier auf der Hauptstraße
nicht so recht vorstellen, vielleicht gibt es noch eine andere
Piste. Auch soll der Staat eine Spezialeinheit zur Bekämpfung
der Banditen hier stationiert haben. Komisch, wie schnell
man Bedenken verliert, wenn man erst mal vor Ort ist. Aber
Michael hatte mir ja so was vorhergesagt. Vor Maroua gibt
es sehr schönen Steinberge, ähnlich den Hounds im
Dartmoor in England. Diese Berge sehen so aus, als ob ein
Riese überdimensionale Kieselsteine aufgehäuft hätte.
Manchmal stehen auch noch kleine Rundhütten davor, das
sind dann eigentlich ideale Motive, aber der Bus rumpelt über
die Straße, an ein vernünftiges Foto ist nicht
zu denken.
Gegen 17 Uhr kommen wir endlich in Maroua an. Leider scheint
es in dieser Stadt keine Taxis zu geben. Wir laufen über
eine Brücke, die sich über einen ausgetrockneten
großen Fluss, den Kaliao spannt. Schließlich fragen
wir zwei Polizisten, die an einer Kreuzung mit ihren Mopeds
stehen. Der eine winkt ein vorbeifahrendes Moped heran, der
andere gibt sein eigenes einem Zivilisten und schon haben
wir zwei "Taxis", die uns in die von uns wieder
vorab ausgesuchte Herberge "Relais Ferngo" bringen.
Und billig ist so ein Moped auch, nur 100 CFA! Allerdings
zieht es mich mit dem 15 kg schweren Rucksack auf dem Rücken
ordentlich nach hinten. Das Relais
Ferngo besteht aus ein paar Boukarous (Rundhütten),
die über Dusche und WC verfügen. Von außen
sehen die gut aus, innen sind serienmäßig 1000
Mücken vorrätig. Wir spannen gleich die Moskitonetze
auf, verlangen nach Moskitospray und starten die uralte und
lautstarke kleine Klimaanlage. Zusätzlich zünde
ich noch eine Räucherspirale an. Ich schätze, so
einen Großangriff hat die eine oder andere Mücke
heute nicht mehr erwartet! An der Rezeption treffen wir Jean
Luc, einen jungen Reiseführer (23), der sogar in unserem
Reisehandbuch erwähnt und von Frau Fuchs (Autorin) schwer
gelobt wird. Jean Luc will uns auch gleich einen Trip nach
Rhumsiki in die Mandaraberge verkaufen. Wir schlagen vor,
dass wir hier irgendwo essen gehen und darüber reden.
Er bietet uns an, dass wir zu dritt (!) auf seinem hier üblichen
90 ccm Moped dorthin fahren. Zu dritt? Dieses kleine Moped?
Kein Problem meint er, setzt sich auf den Tank und wir hinten
drauf und los geht es. Wir suchen noch ein Internet-Office,
leider gibt es hier keine guten Verbindungen, die Server stehen
nur in Douala und Yaounde, hier wird per Handy (9600 Baud)
eine Verbindung aufgebaut. Ich brauche fast 40 Minuten bis
eine Mail raus ist! Und das zum 4-fachen Preis! Der zweite
Reinfall mit der Kommunikation in die Heimat. Beim Abendessen
in einem einfachen Straßenrestaurant verhandeln wir
mit Jean Luc. Er will uns unbedingt ein Auto mit einem Fahrer
für die geplanten 2 Tage in Rhumsiki aufschwatzen. Die
Piste ab Mokolo wäre sehr schlecht und es fahren kaum
Autos in das entlegene Bergdorf. Aber genau das wollen wir
nicht - isoliert von der Bevölkerung reisen. Da kommt
man mit niemandem ins Gespräch und wird von vornherein
als vermeintlich "reicher" Westeuropäer betrachtet,
den es abzuzocken gilt. Wir machen deutlich, dass wir die
ca. 130 Kilometer mit dem Buschtaxi fahren wollen. Jean Luc
lenkt widerwillig ein und will uns noch einen ortskundigen
Führer vermitteln, der für 2 Tage 10000 CFA kosten
soll, ein Freund von ihm ist und wie er aus Rhumsiki stammt.
Wir willigen ein und trinken noch eine Cola zusammen. Für
morgen vereinbaren wir eine Stadtbesichtigung per Moped. Zurück
in die Herberge fahren wir wieder mit Jean Luc's Moped. Es
ist schon ein tolles Gefühl auf dem knatternden Moped
durch die afrikanische Nacht, durch Maroua zu fahren, vorbei
an offenen Feuern, Garküchen lautstarker afrikanischer
Musik aus verschiedenen kleinen Verkaufsständen, Bettlern,
tanzenden Kindern. Ich genieße es. Gegen 22 Uhr checken
wir das Innere der bereits aufgespannten Moskitonetze und
gehen Schlafen.
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