Reisetage   
01 02   03   04   05   06   07   08   09   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   Map
 
     
 
7. Tag, Mittwoch, 23.01.2002 Maroua - Mokolo - Rhumsiki

6 Uhr werde ich von einigen kommunizierenden Zebu-Rindern wachgeblökt, das Relais Ferngo liegt am Rande der Stadt. Beim Duschen betrachte ich eine Kolonne kleiner Ameisen, die wacker über mir vorbeimarschieren, obwohl ich gestern einige ihrer Kameraden mit der Chemokeule ins Ameisen-Jenseits befördert habe. Sorry, aber mir war das gestern ein wenig zuviel: Ameisen und Mücken in großer Stückzahl. Ich denke, dass ich im Regenwald entweder cooler drauf sein oder in einem doppelwandigen Ganzkörpermoskitonetz mit Insektendetektoren wandeln müsste. Gegen 7:45 Uhr knattert ein Moped vor unserer Rundhütte und stoppt. Da sag mal einer, dass die Afrikaner nicht pünktlich sein können! Es ist Jean Luc. Wieder strapazieren wir sein Moped aufs Äußerste - er auf dem Tank, wir auf der Sitzbank. Wir suchen zunächst eine kleine Straßenkneipe, aber auf Frühstück ist keiner so recht eingestellt. Wir fahren in das Relais de la Porto-Mayo.

Unsere Herberge Relais Ferngo ist ein Ableger dieses Hotels, das laut Reisehandbuch von einem Deutschen und einer Französin geführt wird. Das Porto-Mayo liegt zentral, gleich hinter der Brücke über den Kaliao. Das Hotel ist von hohen Mauern umgeben und besteht aus einigen sehr schönen komfortablen Rundhütten, die in einem hübschen Garten mit hohen Bäumen liegen. Das Restaurant des Hotels soll eine sehr gute Küche haben. Wir bestellen Frühstück und sind neben einem Weißen die einzigen Frühstücksgäste. Der einzelne Herr ist der deutsche Besitzer, Herr Visse. Wir unterhalten uns ein wenig über die Gegend und was wir vorhaben. Ich zeige ihm unseren Reiseführer, was ich bisher in fast jeder Unterkunft gemacht habe, um ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wie aktuell der Eintrag des jeweiligen Hotels bzw. die Informationen zum Ort sind. Herr Visse findet einiges nicht besonders aktuell, aber das haben wir ja schon in der Seemannsmission in Douala gehört. Wir erfahren hier zum ersten Mal, dass die Banken in Maroua keine VISA-Karte nehmen und Cameroun Airlines sicher auch nicht.

Nach dem Frühstück lassen wir uns zu einem kleinen Supermarkt fahren. Dessen Besitzer, ebenfalls ein Deutscher, soll Bargeld gegen CFA tauschen. Der Supermarkt ist ein kleines Wunder hier in der Provinz: Es gibt ein wenig Tiefkühlkost und andere Produkte, die man hier nicht vermutet. Aber das interessiert uns nicht, wir wollen den Rest unseres Bargeldes tauschen. Die Verkäuferin führt uns in ein kleines Büro, in dem ein Schwarzer sitzt. Das ist nur das Vorzimmer des Bosses, wir gehen eine Tür weiter. Und da sitzt er, ein älterer Herr um die 60, an einem rustikalen schweren Schreibtisch. Über sich ein großes Foto, auf dem er mit einem Fuß auf einem toten Elefanten steht. Typische Großwildjägerpose, ist bestimmt 30-40 Jahre alt. Dem Akzent nach muss er aus dem Schwabenländle stammen. Er grandelt ein wenig, weil ihm unsere Euro-Scheine nicht groß genug sind (Wir haben nur 100er und 50er.). Er öffnet seinen uralten deutschen Tresor und holt einige Bündel mit CFA-Scheinen hervor. Bingo, wir tauschen wieder ohne Gebühren! Das Euro-Bargeld ist jetzt allerdings hinüber. Hoffentlich bekommen wir in der Hauptstadt Frischgeld mit unserer VISA-Karte! Draußen erzählt mir Michael, dass er in Afrika öfters ältere Geschäftsleute getroffen hat, die manchmal untergetaucht sind, weil sie in der alten Heimat Probleme mit dem Gesetz bekommen haben. Das muss natürlich nicht auf diesen Herren zutreffen.

Schräg gegenüber vom Supermarkt befindet sich Cameroun Airlines (CA). Jean Luc ist etwa 300 m entfernt und unterhält sich mit jemandem. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir kurz bei CA vorbeischauen und dann zu ihm zurückkommen. Der ältere, ständig lächelnde Angestellte im bewachten CA-Office reserviert für uns einen Platz für Sonntag und Montag, da wir noch nicht wissen, wann wir eine Mitfahrgelegenheit von Rhumsiki zurück nach Maroua bekommen. Laut Jean Luc soll das ja sehr schwierig sein. Die handschriftliche Reservierung auf einer Papierliste für 2 Tage wäre so bei uns in Europa sicher nicht möglich gewesen.

Wir fahren mit Jean Luc über den Kaliao in den Südosten von Maroua. Dort, vor den Toren der Stadt, befindet sich das Gerberviertel. Nicht ohne Grund, denn der Gestank ist penetrant. Wir suchen zunächst den Chief der Gerber auf. Ihm geben wir 1500 CFA für die Besichtigung. Am recht niedrigen Preis erkennt man, dass es hier nur sehr selten die ohnehin wenigen Touristen hinverschlägt. Ich gebe dem Chief noch eines meiner Feuerzeuge. Zusammen mit Jean Luc und einem Mann aus der Gerberei besichtigen wir das Gelände. Mein Gott, dieser beißende Geruch, tausende von Fliegen und die harte Arbeit in diesem Umfeld! Die Lebenserwartung muss hier noch sehr weit unter dem Durchschnitt des Landes (55 Jahre) liegen. Der Führer erklärt uns die einzelnen Arbeitsgänge. Die Gerber stehen meist bis zu den Knien in den mit stinkender Gerbflüssigkeit gefüllten Erdlöchern. Es werden Häute von Krokodilen, Rindern, Waranen, Ziegen, Pythons und anderen Schlangen in verschiedenen Arbeitsgängen verarbeitet. Für jede Tierhaut wird die Gerbflüssigkeit mit unterschiedlichen Naturprodukten versetzt, z. B. mit Vogelmist, Samenkörnern von Akazien oder Kalk. Die Tierhäute werden eingeweicht, gewaschen, abgeschabt und anschließend in der Sonne getrocknet. Eine echt harte Arbeit, wie sie vor Jahrhunderten nicht viel anders aussah. Die Handwerker von Maroua fertigen aus diesen Häuten hübsche Sachen wie Sandalen, Gürtel, Koffer oder Brieftaschen, die in der Gegend einen guten Ruf genießen. An einem etwa 20 m tiefen Wasserloch, dem Brunnen der Gerber, frage ich, ob ich da mal den Eimer hochziehen darf. Die umstehenden Gerber finden den Wunsch sehr komisch. Mann, ist der große Eimer schwer, ich hätte ihn nicht voll machen sollen! Da muss ich jetzt durch. Wir begegnen noch ein paar Kindern, die nach einem Cadeaux (Geschenk) fragen. Ich gebe eine Runde Kaugummi an alle Umstehenden aus. Ist zwar nicht ganz das, was sie wollten, aber der Kaugummi scheint zu schmecken.

Da wir spätestens am frühen Nachmittag nach Rhumsiki aufbrechen wollen, geht unsere kleine Stadtbesichtigung zu dritt auf dem kleinen Moped weiter. Wir fahren an das andere Ende der Stadt. Ziel ist die Schmiede. Souverän lenkt Jean Luc sein überladenes Moped durch den regen Verkehr von Maroua und über einige Kreisverkehr-Kreuzungen, die nach keinen erkennbaren Regeln von den verschiedensten Fahrzeugen passiert werden. Wir erreichen die Schmiede, die eigentlich eine Ansammlung von wellblechgedeckten Ständen ist. Hier wird an kleinen Feuern Altmetall erhitzt, Kinder betätigen kleine Blasebälge. Alles sieht für einen Europäer sehr provisorisch aus. Nebenan verkaufen dann ältere Männer die Produkte des Altmetall-Schmiede-Recyclings: Spaten, Hacken, Schubkarren, Messer, Äxte und zahlreiches anderes Gerät. Das Rohstofflager ist ein kleiner Schrottplatz, der vor den Ständen liegt. Gegenüber der Schmiede ist der Schlachthof, den wir aus Zeitgründen nicht besuchen, da wir die Märkte von Maroua noch sehen wollen. Unser zweirädriges Taxi setzt sich wieder in Bewegung. Unterwegs hält Jean Luc einen heruntergekommenen grünen Toyota-Kleinbus an - ein Buschtaxi, das nach Mokolo fährt! Er vereinbart für uns eine Mitfahrgelegenheit für 13 Uhr. Der Markt von Maroua besteht aus ein paar kleinen Hallen und sehr vielen Ständen im Freien, ist sehr farbenprächtig und weitaus größer und interessanter, als der, den wir in Yaounde besucht hatten. Wider Erwarten ist laut Jean Luc Fotografieren hier kein Problem.

Wir nutzen dies, halten aber nicht auf Einzelpersonen ohne zu fragen. Fast niemand schimpft oder will Geld haben. Die Menschen sind hier zwar sehr viel ärmer, aber wesentlich freundlicher als in den zwei großen Städten im Süden. Der Markt fasziniert mich wieder: An- und unangenehme Gerüche, Tausende verschiedene Waren, meterlang aufgereihter, für mich übelriechender Trockenfisch, Gemüse, Getreide, rohe Baumwolle, Hunderte von Kleinunternehmern, Bauern und Händlern. Und wir sind wieder mal weit und breit die einzigen Weißen, die hier staunend durchtapsen. In einer kleinen Halle, die sehr wenig Raum zwischen den einzelnen winzigen Ständen bietet, bleibe ich an einem Schmuckstand hängen. Sofort werden mir zahlreiche Stücke vor das Gesicht gehängt, die ich alle kaufen soll. Eine schwarze Kette mit schönem Silberschmuck aus der Gegend fällt mir auf. Da ich das noch nicht so recht drauf habe, handelt Michael für mich. Der Händler beginnt bei 10000 CFA (ca. 15 Euro), Michael bei 1500 CFA. Großes Gelächter, das Feilschen in 500er Schritten hat begonnen. Ich mache den Fehler und flüstere Michael zu, dass 5000 CFA in Ordnung wären. Der Händler versteht es und Michael meint, ich hätte es jetzt verpatzt. Ich finde den Preis ok, immerhin die Hälfte des ursprünglich verlangten Preises. Wir streifen noch über den Markt, Jean Luc holt sein Moped ab, das er bei Bekannten irgendwo hier im dichten Gedränge des Marktes sicher abgestellt hat.

Wir fahren zurück ins Relais Ferngo und holen unsere Rucksäcke ab. Ich gebe Jean Luc 6000 CFA für seine Dienste. Das ist reichlich, wie wir meinen, aber er ist nicht zufrieden damit, hätte gern 8000 CFA. Wir zählen auf, dass wir ihm zahlreiche Getränke und Zigaretten spendiert haben und ich ihn auf meiner Website erwähne. Das Versprechen möchte ich mit diesem *****Link einlösen. 6000 CFA für ein paar Kilometer durch die Stadt und 7 Stunden seiner Zeit sind genug. Das ist mehr als ein Wochenverdienst für einen Einheimischen! Eine Fahrt quer durch die Stadt mit dem Moped kostet 100-150 CFA! Jean Luc ist ein guter, freundlicher Guide, organisiert Trekkingtouren und Ausflüge in die Umgebung und ist darin echt gut, aber er hat ein wenig überzogene Preisvorstellungen. Also, falls jemand Jean Luc in Maroua trifft - handeln, feilschen! Als letzten Dienst fährt er uns mit Rucksäcken, dieses Mal einzeln, zu einer Haltestelle des Buschtaxis. Er stellt uns noch Fama vor, ein Freund von ihm aus Rhumsiki, den er als unseren Guide für 5000 CFA pro Tag angeworben hat. Wir geben ihm 5000 CFA Vorschuss, damit er sich die Fahrt nach Rhumsiki (130 km) leisten kann. Jetzt fängt Jean Luc "durch die Blume" schon wieder an, an dem gezahlten Preis herumzumäkeln! Ich mache ihm ziemlich drastisch klar, dass das Anfertigen und Hosten einer einzelnen WebPage mit einem Foto und Text in Deutschland bis zu 250 Euro kosten kann - das sind 160000 CFA! Das beeindruckt ihn ein wenig, obwohl er es sich vielleicht nicht vorstellen kann, aber bei einigen WebAgenturen ist das durchaus üblich. Ok, er gibt Ruhe, wir verabschieden uns von ihm und er knattert mit seinem Moped davon. Ich gehe mit Fama noch ein paar Straßen weiter, er hatte sich dort irgendwo Zigaretten gekauft. Ich, der militante Nichtraucher, ich kaufe dort 4 Schachteln Zigaretten! Der Grund ist einfach - damit kann man ebenso wie mit dem Kaugummi als kleine Geste oder Dankeschön mal eine Runde schmeißen.

14 Uhr, also eine Stunde später, kommt das Buschtaxi - mein erstes Buschtaxi! Für meine Begriffe sind schon alle ca. 10 Sitzplätze belegt. Michael lächelt und meint, das wäre doch noch halb leer! Der Fahrer sagt, wir können auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Hat das noch Jean Luc organisiert? Oder sind wir Bleichgesichter mal eine willkommene Abwechslung für ihn? Egal, wir danken und steigen ein. Das ist nicht ganz einfach, denn überall auf dem Sitz, dem Boden und vor der Scheibe liegen Tüten, kleine Pakete und sonstige Utensilien. Gemeinsam mit dem Fahrer verlagere ich das eine oder andere Stück, so dass wir einsteigen können. Unterwegs werden im Stadtgebiet noch einige Passagiere aufgenommen, schnell sind es fast 20 Leute, die hinter uns scheinbar übereinander sitzen, dazwischen noch irgendwelche Zementsäcke und anderes Gepäck. Wahnsinn, wie die alten Kleinbusse hier gequält werden! Hier muss jedes Automobil seinen Kaufpreis um ein Mehrfaches erwirtschaften und man sieht das den meist 10-20 Jahre alten Gefährten auch an. Am Stadtrand die übliche Polizeikontrolle. Ich sehe da immer noch nicht so recht durch, mal sehen die Männer wie Soldaten aus, mal wie Polizisten. Der Fahrer sagt nur, wohin die Fahrt gehen soll und schon geht es weiter, vorbei an den auf der Hinfahrt schon zahlreich gesehenen kleinen Lehmrundhüttendörfern. Hat da tatsächlich jedes einen Namen? Hinter mir rollt ein Moslem ein Osama Bin Laden - Poster aus, auf dem noch, etwas kleiner allerdings, andere "Politprominenz" von Bush bis Saddam Hussein zu sehen ist. Die Männer um ihn herum fangen an zu diskutieren. Bis Mokolo ist die Straße recht gut ausgebaut, wir kommen schnell voran. Ab und an steigen ein paar Leute aus oder zu.

Im Fahrgastraum wird es immer enger. Ich kann Fama hinter uns schon nicht mehr sehen. Gegen 16 Uhr kommen wir in Mokolo an, das waren 2 Stunden Fahrt für ca. 85 Kilometer. Hier wird der Kleinbus ab- und beladen. Hier erfahren wir, dass das gleiche Buschtaxi in 20 Minuten nach Rhumsiki weiterfährt! Prima! Jean Luc erzählte uns noch, es wäre sehr schwierig von Mokolo über die schlechte Piste (56 km) nach Rhumsiki weiterzukommen. Das kleine Schlitzohr! Beinahe hätte er uns ein Auto mit Fahrer aufgeschwatzt. Und sicher ist dieses Buschtaxi nicht das einzige, das heute noch nach Rhumsiki fährt! 16:30 Uhr geht es auf einer unbefestigten, sehr staubigen Piste weiter. Bei den geöffneten Fenstern und der Zugluft befürchte ich das Schlimmste für meine inzwischen ebenfalls angegriffene Gesundheit (starker Husten + Schnupfen). Nach etwa einer Stunde stoppt der Kleinbus. Ein Stau? Hier auf dem Land? Wir steigen aus, etwa 7 mit Menschen und Gepäck vollbeladene Pickups warten am Straßenrand. Die Leute stehen um die Autos herum, ein ziviler Typ mit belgischem Schnellfeuergewehr kommt zu unserem Bus und sagt irgendwas. Ach ja, im Norden soll es ja öfters bewaffnete Überfälle geben. Ist das jetzt die Ein-Mann-Schutztruppe? ;) Die Grenze zu Nigeria ist ja auch nur ein paar Kilometer entfernt und da herrscht eine Militärdiktatur. Könnte ja sein, dass man aus einem dieser möglichen Gründe sich hier zum Konvoi sammelt. Ich frage Fama. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, warten die Leute hier auf irgendeinen Polizeichef (von Mokolo?), der die Straße vor uns passieren muss. Warum, bekomme ich nicht heraus, da Fama oder mir vielleicht ein paar englische Vokabeln fehlen. Er sagt nur: "So viele Leute warten auf einen Mann! Das ist Afrika!" Ich sage ihm, dass es dies bei uns auch gibt. ;) Egal, ich schlage mich erst mal in den Busch, um meine letzte Cola zu entsorgen. Nach ca. 20 Minuten geht es weiter, ohne das irgendwer uns passiert hat. Ein Pickup spielt Wettrennen mit unserem Kleinbus und wirbelt dabei mächtig Staub auf der Straße auf.

Langsam wird es dunkel, wir erreichen ein größeres Dorf. Es heißt Mogode. Wir sind jetzt im Lande des Kapsiki (übersetzt: die Groß-Gewordenen), einem Stamm, der sich mehrheitlich noch zum Ahnen- und Naturglauben bekennt, also Animismus. Der Großteil des auf dem Dach des Kleinbusses transportierten Gutes wird abgeladen: Zement, Werkzeuge, mehrere ca. 8 m lange Eisenstangen, die sich irgendjemand bestellt hat. Einige Sachen werden in den schmalen Kofferraum zugeladen, mein Rucksack verschwindet unter 4 großen Gießkannen. Wir steigen aus, vertreten uns die Beine. Sofort ist eine Traube von Kindern um uns, alles kleine Dreckspatzen. Sie sind sehr still, schauen uns mit ihren großen Augen an, lächeln verlegen, bestaunen uns. Wir lächeln zurück und streichen ihnen über die Köpfe. Wir haben wieder das Problem, das wir nicht jedem was geben können. Ich versuche mir vorzustellen, was aus diesen Kindern einmal wird, wenn sie erwachsen sind. Nachdem der Fahrer noch einige Kleinigkeiten zugeladen hat, geht die Fahrt weiter. Wir verabschieden uns von den Kindern. Wenige Kilometer nach Mogode lädt der Fahrer einige Sachen wieder ab, die er am Pistenrand wartenden Personen, meist Kindern aushändigt. Das Buschtaxi ist hier gleichzeitig ein Lieferservice, kein Otto- aber ein Buschversand. ;) Es ist jetzt dunkel. Die Gegend wird ein wenig einsamer. Um einige hundert Kilo erleichtert jagt der Kleinbus über die Piste, geschickt Schlaglöchern ausweichend. In der Ferne sieht man links und rechts offene Feuer vor einzelnen Rundhütten - wie vor Tausenden von Jahren, denn Strom gibt es hier nicht, nur in Rhumsiki.

Die Landschaft wirkt fantastisch und gespenstisch. Wir sind bereits mitten in den Mandarabergen, die für ihre gewaltigen Vulkankegel berühmt sind. Schließlich sieht man Lichter in der Ferne, das muss Rhumsiki sein! Wir fahren vorbei an riesigen Felsblöcken und am Ortseingang meint der Fahrer zu uns: "Welcome in Rhumsiki." Ich antworte mit "Merci Monsieur." Endstation ist genau vor der Auberge de Kapsiki, die wir aus dem Reisehandbuch ausgewählt haben. Es gibt hier nur zwei Unterkünfte, diese preiswerte Herberge und eine etwas teuere, wahrscheinlich staatliche, die allerdings vor dem Dorf liegt. Wir werden beim Aussteigen von einer lauten Menschenmenge umringt, die sich aber mehr für die Fracht des Buschtaxis bzw. die Verwandten oder Freunde unter den Passagieren interessiert. Wir kommen in ein größeres 5-eckiges Haus, das nur einen großen Raum hat, der mit Wellblech überdacht ist und von einer einzigen Neonröhre beleuchtet wird. Es ist der Gasthof La Casserole, welcher zur Herberge gehört. Dieser ist sehr luftig konzipiert, hat acht große Fenster ohne Glas mit wehenden Stoffvorhängen. Um sechs Tische herum sind einige Leute gruppiert.

Der Wirt, der sich als Victor Yama vorstellt, führt uns auf unser Zimmer. Die Auberge liegt in einem mit kleinen Mauern umzäunten Hof. Dort stehen ein paar gemauerte Rundhütten und eine größere viereckige Hütte mit Wellblechdach. Das größere Gebäude hat 4 Zimmer, die über Dusche und WC verfügen. Im Zimmer selbst stehen 3 grob gezimmerte und grün bemalte Betten auf nacktem Betonfußboden, sonst nichts. Das ist zwar sehr, sehr einfach, aber es passt zur abenteuerlichen Umgebung und ist sauber. Wir nehmen es, die Auswahl im Ort ist nicht sehr groß und wir sind hier wenigstens mitten im Dorfleben. Wir bestellen gleich noch ein Abendessen bei ihm, da wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben und der Magen knurrt hörbar. Es gibt Brochettes, riesige Pommes aus Süßkartoffeln, scharfen Salat und Minibananen. Das ist mein erstes "Landessen". Wird das mein Magen verkraften? Ich esse vom Salat nur die Zwiebeln. Der Rest verschwindet sehr schnell in meinem Magen, ist mir jetzt ziemlich egal, was das für Fleisch ist - ich habe Hunger und es schmeckt! Draußen ziehen etwa 30 singende Kinder vorbei. Ein Fest? Wegen uns? Sicher nicht. Ich werde Fama morgen fragen. Er hat sich vorhin von uns verabschiedet, da wir ihn heute nicht mehr brauchen und er seinen Vater besuchen möchte. Wir verabredeten uns für morgen 8 Uhr vor dem Gasthof zu einer Trekkingtour durch die Mandara-Berge.

Der Wirt schaltet den einzigen Fernseher im Dorf ein. Der Fernseher hängt an einer riesigen (selbstgebauten?) Sat-Schüssel. Und natürlich kommt Fußball - selbst hier am Ende der Welt! Immerhin läuft seit Tagen der Africa Cup, das Ereignis und Tagesgespräch in Kamerun und sicher auch in ganz Afrika. Ich unterhalte mich mit Victor, dem Wirt, der ausreichend Englisch kann. Um ins Gespräch zu kommen, zücke ich wieder mein Reisehandbuch und zeige ihm einen kleinen Eintrag zu seiner Herberge und seinem Gasthof. Ich frage, wer denn heute spielt. "Sambia gegen Tunesien.", lautet die Antwort. Das erklärt die relativ wenigen Leute im Raum. Wenn Kamerun spielt, sieht man riesige Ansammlungen von Menschen vor den TV-Geräten der Kneipen und Restaurants des Landes. Nach dem leckeren Essen ziehen wir uns auf unser Zimmer zurück. Der Weg dorthin führt etwa 100 m die unbeleuchtete dunkle Dorfstraße entlang. Vor einigen weiter entfernten Hütten brennen Feuer. Plötzlich sehe ich die Umrisse eines größeren Tieres. Ein Hund? Nein, ein Schwein! Aber auf dem Hof der Auberge hüpft uns dann doch noch ein Hund an. Das Zimmer ist wirklich sehr karg, unter der Matratze liegen ein paar rohe Holzbretter. Victor hat dieses größere Gebäude voriges Jahr gebaut, wie er sagt. Für Tisch, Stuhl und Schrank hat sicher das Geld nicht mehr gereicht, ist aber nicht weiter schlimm, da wir die Klamotten auf das eine freie Bett legen können. Wir schlafen schnell ein.

 
     
 
   Reisetage   
01 02   03   04   05   06   07   08   09   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   Map
 
     
  UPDOWN  
     
     
    DISCLAIMER      MALI        GHANA                                                         COPYRIGHT    
FOOTER