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6 Uhr werde ich von einigen kommunizierenden Zebu-Rindern
wachgeblökt, das Relais Ferngo liegt am Rande der Stadt.
Beim Duschen betrachte ich eine Kolonne kleiner Ameisen, die
wacker über mir vorbeimarschieren, obwohl ich gestern
einige ihrer Kameraden mit der Chemokeule ins Ameisen-Jenseits
befördert habe. Sorry, aber mir war das gestern ein wenig
zuviel: Ameisen und Mücken in großer Stückzahl.
Ich denke, dass ich im Regenwald entweder cooler drauf sein
oder in einem doppelwandigen Ganzkörpermoskitonetz mit
Insektendetektoren wandeln müsste. Gegen 7:45 Uhr knattert
ein Moped vor unserer Rundhütte und stoppt. Da sag mal
einer, dass die Afrikaner nicht pünktlich sein können!
Es ist Jean Luc. Wieder strapazieren wir sein Moped aufs Äußerste
- er auf dem Tank, wir auf der Sitzbank. Wir suchen zunächst
eine kleine Straßenkneipe, aber auf Frühstück
ist keiner so recht eingestellt. Wir fahren in das Relais
de la Porto-Mayo.
Unsere Herberge Relais Ferngo ist ein Ableger dieses Hotels,
das laut Reisehandbuch von einem Deutschen und einer Französin
geführt wird. Das Porto-Mayo liegt zentral, gleich hinter
der Brücke über den Kaliao. Das Hotel ist von hohen
Mauern umgeben und besteht aus einigen sehr schönen komfortablen
Rundhütten, die in einem hübschen Garten mit hohen
Bäumen liegen. Das Restaurant des Hotels soll eine sehr
gute Küche haben. Wir bestellen Frühstück und
sind neben einem Weißen die einzigen Frühstücksgäste.
Der einzelne Herr ist der deutsche Besitzer, Herr Visse. Wir
unterhalten uns ein wenig über die Gegend und was wir
vorhaben. Ich zeige ihm unseren Reiseführer, was ich
bisher in fast jeder Unterkunft gemacht habe, um ins Gespräch
zu kommen und zu erfahren, wie aktuell der Eintrag des jeweiligen
Hotels bzw. die Informationen zum Ort sind. Herr Visse findet
einiges nicht besonders aktuell, aber das haben wir ja schon
in der Seemannsmission in Douala gehört. Wir erfahren
hier zum ersten Mal, dass die Banken in Maroua keine VISA-Karte
nehmen und Cameroun Airlines sicher auch nicht.
Nach dem Frühstück lassen wir uns zu einem kleinen
Supermarkt fahren. Dessen Besitzer, ebenfalls ein Deutscher,
soll Bargeld gegen CFA tauschen. Der Supermarkt ist ein kleines
Wunder hier in der Provinz: Es gibt ein wenig Tiefkühlkost
und andere Produkte, die man hier nicht vermutet. Aber das
interessiert uns nicht, wir wollen den Rest unseres Bargeldes
tauschen. Die Verkäuferin führt uns in ein kleines
Büro, in dem ein Schwarzer sitzt. Das ist nur das Vorzimmer
des Bosses, wir gehen eine Tür weiter. Und da sitzt er,
ein älterer Herr um die 60, an einem rustikalen schweren
Schreibtisch. Über sich ein großes Foto, auf dem
er mit einem Fuß auf einem toten Elefanten steht. Typische
Großwildjägerpose, ist bestimmt 30-40 Jahre alt.
Dem Akzent nach muss er aus dem Schwabenländle stammen.
Er grandelt ein wenig, weil ihm unsere Euro-Scheine nicht
groß genug sind (Wir haben nur 100er und 50er.). Er
öffnet seinen uralten deutschen Tresor und holt einige
Bündel mit CFA-Scheinen hervor. Bingo, wir tauschen wieder
ohne Gebühren! Das Euro-Bargeld ist jetzt allerdings
hinüber. Hoffentlich bekommen wir in der Hauptstadt Frischgeld
mit unserer VISA-Karte! Draußen erzählt mir Michael,
dass er in Afrika öfters ältere Geschäftsleute
getroffen hat, die manchmal untergetaucht sind, weil sie in
der alten Heimat Probleme mit dem Gesetz bekommen haben. Das
muss natürlich nicht auf diesen Herren zutreffen.
Schräg gegenüber vom Supermarkt befindet sich Cameroun
Airlines (CA). Jean Luc ist etwa 300 m entfernt und unterhält
sich mit jemandem. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir kurz
bei CA vorbeischauen und dann zu ihm zurückkommen. Der
ältere, ständig lächelnde Angestellte im bewachten
CA-Office reserviert für uns einen Platz für Sonntag
und Montag, da wir noch nicht wissen, wann wir eine Mitfahrgelegenheit
von Rhumsiki zurück nach Maroua bekommen. Laut Jean Luc
soll das ja sehr schwierig sein. Die handschriftliche Reservierung
auf einer Papierliste für 2 Tage wäre so bei uns
in Europa sicher nicht möglich gewesen.
Wir fahren mit Jean Luc
über den Kaliao in den Südosten von Maroua. Dort,
vor den Toren der Stadt, befindet sich das Gerberviertel.
Nicht ohne Grund, denn der Gestank ist penetrant. Wir suchen
zunächst den Chief
der Gerber auf. Ihm geben wir 1500 CFA für die Besichtigung.
Am recht niedrigen Preis erkennt man, dass es hier nur sehr
selten die ohnehin wenigen Touristen hinverschlägt. Ich
gebe dem Chief noch eines meiner Feuerzeuge. Zusammen mit
Jean Luc und einem Mann aus der Gerberei besichtigen wir das
Gelände. Mein Gott, dieser beißende Geruch, tausende
von Fliegen und die harte Arbeit in diesem Umfeld! Die Lebenserwartung
muss hier noch sehr weit unter dem Durchschnitt des Landes
(55 Jahre) liegen. Der Führer erklärt uns die einzelnen
Arbeitsgänge. Die Gerber stehen meist bis zu den Knien
in den mit stinkender Gerbflüssigkeit gefüllten
Erdlöchern. Es werden Häute von Krokodilen, Rindern,
Waranen, Ziegen, Pythons und anderen Schlangen
in verschiedenen Arbeitsgängen verarbeitet. Für
jede Tierhaut wird die Gerbflüssigkeit mit unterschiedlichen
Naturprodukten versetzt, z. B. mit Vogelmist, Samenkörnern
von Akazien oder Kalk. Die Tierhäute werden eingeweicht,
gewaschen, abgeschabt und anschließend in der Sonne
getrocknet. Eine echt harte Arbeit, wie sie vor Jahrhunderten
nicht viel anders aussah. Die Handwerker von Maroua fertigen
aus diesen Häuten hübsche Sachen wie Sandalen, Gürtel,
Koffer oder Brieftaschen, die in der Gegend einen guten Ruf
genießen. An einem etwa 20 m tiefen Wasserloch, dem
Brunnen der Gerber, frage ich, ob ich da mal den Eimer hochziehen
darf. Die umstehenden Gerber finden den Wunsch sehr komisch.
Mann, ist der große Eimer schwer, ich hätte ihn
nicht voll machen sollen! Da muss ich jetzt durch. Wir begegnen
noch ein paar Kindern, die nach einem Cadeaux (Geschenk) fragen.
Ich gebe eine Runde Kaugummi an alle Umstehenden aus. Ist
zwar nicht ganz das, was sie wollten, aber der Kaugummi scheint
zu schmecken.
Da wir spätestens am frühen Nachmittag nach Rhumsiki
aufbrechen wollen, geht unsere kleine Stadtbesichtigung zu
dritt auf dem kleinen Moped weiter. Wir fahren an das andere
Ende der Stadt. Ziel ist die Schmiede. Souverän lenkt
Jean Luc sein überladenes Moped durch den regen Verkehr
von Maroua und über einige Kreisverkehr-Kreuzungen, die
nach keinen erkennbaren Regeln von den verschiedensten Fahrzeugen
passiert werden. Wir erreichen die Schmiede, die eigentlich
eine Ansammlung von wellblechgedeckten Ständen ist. Hier
wird an kleinen Feuern Altmetall erhitzt, Kinder betätigen
kleine Blasebälge. Alles sieht für einen Europäer
sehr provisorisch aus. Nebenan verkaufen dann ältere
Männer die Produkte des Altmetall-Schmiede-Recyclings:
Spaten, Hacken, Schubkarren, Messer, Äxte und zahlreiches
anderes Gerät. Das Rohstofflager ist ein kleiner Schrottplatz,
der vor den Ständen liegt. Gegenüber der Schmiede
ist der Schlachthof, den wir aus Zeitgründen nicht besuchen,
da wir die Märkte von Maroua noch sehen wollen. Unser
zweirädriges Taxi setzt sich wieder in Bewegung. Unterwegs
hält Jean Luc einen heruntergekommenen grünen Toyota-Kleinbus
an - ein Buschtaxi, das nach Mokolo fährt! Er vereinbart
für uns eine Mitfahrgelegenheit für 13 Uhr. Der
Markt von Maroua besteht
aus ein paar kleinen Hallen und sehr vielen Ständen im
Freien, ist sehr farbenprächtig und weitaus größer
und interessanter, als der, den wir in Yaounde besucht hatten.
Wider Erwarten ist laut Jean Luc Fotografieren hier kein Problem.
Wir nutzen dies, halten aber nicht auf Einzelpersonen ohne
zu fragen. Fast niemand schimpft oder will Geld haben. Die
Menschen sind hier zwar sehr viel ärmer, aber wesentlich
freundlicher als in den zwei großen Städten im
Süden. Der Markt fasziniert mich wieder: An- und unangenehme
Gerüche, Tausende verschiedene Waren, meterlang aufgereihter,
für mich übelriechender Trockenfisch, Gemüse,
Getreide, rohe Baumwolle, Hunderte von Kleinunternehmern,
Bauern und Händlern. Und wir sind wieder mal weit und
breit die einzigen Weißen, die hier staunend durchtapsen.
In einer kleinen Halle, die sehr wenig Raum zwischen den einzelnen
winzigen Ständen bietet, bleibe ich an einem Schmuckstand
hängen. Sofort werden mir zahlreiche Stücke vor
das Gesicht gehängt, die ich alle kaufen soll. Eine schwarze
Kette mit schönem Silberschmuck aus der Gegend fällt
mir auf. Da ich das noch nicht so recht drauf habe, handelt
Michael für mich. Der Händler beginnt bei 10000
CFA (ca. 15 Euro), Michael bei 1500 CFA. Großes Gelächter,
das Feilschen in 500er Schritten hat begonnen. Ich mache den
Fehler und flüstere Michael zu, dass 5000 CFA in Ordnung
wären. Der Händler versteht es und Michael meint,
ich hätte es jetzt verpatzt. Ich finde den Preis ok,
immerhin die Hälfte des ursprünglich verlangten
Preises. Wir streifen noch über den Markt, Jean Luc holt
sein Moped ab, das er bei Bekannten irgendwo hier im dichten
Gedränge des Marktes sicher abgestellt hat.
Wir fahren zurück ins Relais Ferngo und holen unsere
Rucksäcke ab. Ich gebe Jean Luc 6000 CFA für seine
Dienste. Das ist reichlich, wie wir meinen, aber er ist nicht
zufrieden damit, hätte gern 8000 CFA. Wir zählen
auf, dass wir ihm zahlreiche Getränke und Zigaretten
spendiert haben und ich ihn auf meiner Website erwähne.
Das Versprechen möchte ich mit diesem *****Link einlösen.
6000 CFA für ein paar Kilometer durch die Stadt und 7
Stunden seiner Zeit sind genug. Das ist mehr als ein Wochenverdienst
für einen Einheimischen! Eine Fahrt quer durch die Stadt
mit dem Moped kostet 100-150 CFA! Jean Luc ist ein guter,
freundlicher Guide, organisiert Trekkingtouren und Ausflüge
in die Umgebung und ist darin echt gut, aber er hat ein wenig
überzogene Preisvorstellungen. Also, falls jemand Jean
Luc in Maroua trifft - handeln, feilschen! Als letzten Dienst
fährt er uns mit Rucksäcken, dieses Mal einzeln,
zu einer Haltestelle des Buschtaxis. Er stellt uns noch Fama
vor, ein Freund von ihm aus Rhumsiki, den er als unseren Guide
für 5000 CFA pro Tag angeworben hat. Wir geben ihm 5000
CFA Vorschuss, damit er sich die Fahrt nach Rhumsiki (130
km) leisten kann. Jetzt fängt Jean Luc "durch die
Blume" schon wieder an, an dem gezahlten Preis herumzumäkeln!
Ich mache ihm ziemlich drastisch klar, dass das Anfertigen
und Hosten einer einzelnen WebPage mit einem Foto und Text
in Deutschland bis zu 250 Euro kosten kann - das sind 160000
CFA! Das beeindruckt ihn ein wenig, obwohl er es sich vielleicht
nicht vorstellen kann, aber bei einigen WebAgenturen ist das
durchaus üblich. Ok, er gibt Ruhe, wir verabschieden
uns von ihm und er knattert mit seinem Moped davon. Ich gehe
mit Fama noch ein paar Straßen weiter, er hatte sich
dort irgendwo Zigaretten gekauft. Ich, der militante Nichtraucher,
ich kaufe dort 4 Schachteln Zigaretten! Der Grund ist einfach
- damit kann man ebenso wie mit dem Kaugummi als kleine Geste
oder Dankeschön mal eine Runde schmeißen.
14 Uhr, also eine Stunde später, kommt das Buschtaxi
- mein erstes Buschtaxi! Für meine Begriffe sind schon
alle ca. 10 Sitzplätze belegt. Michael lächelt und
meint, das wäre doch noch halb leer! Der Fahrer sagt,
wir können auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Hat das
noch Jean Luc organisiert? Oder sind wir Bleichgesichter mal
eine willkommene Abwechslung für ihn? Egal, wir danken
und steigen ein. Das ist nicht ganz einfach, denn überall
auf dem Sitz, dem Boden und vor der Scheibe liegen Tüten,
kleine Pakete und sonstige Utensilien. Gemeinsam mit dem Fahrer
verlagere ich das eine oder andere Stück, so dass wir
einsteigen können. Unterwegs werden im Stadtgebiet noch
einige Passagiere aufgenommen, schnell sind es fast 20 Leute,
die hinter uns scheinbar übereinander sitzen, dazwischen
noch irgendwelche Zementsäcke und anderes Gepäck.
Wahnsinn, wie die alten Kleinbusse hier gequält werden!
Hier muss jedes Automobil seinen Kaufpreis um ein Mehrfaches
erwirtschaften und man sieht das den meist 10-20 Jahre alten
Gefährten auch an. Am Stadtrand die übliche Polizeikontrolle.
Ich sehe da immer noch nicht so recht durch, mal sehen die
Männer wie Soldaten aus, mal wie Polizisten. Der Fahrer
sagt nur, wohin die Fahrt gehen soll und schon geht es weiter,
vorbei an den auf der Hinfahrt schon zahlreich gesehenen kleinen
Lehmrundhüttendörfern. Hat da tatsächlich jedes
einen Namen? Hinter mir rollt ein Moslem ein Osama Bin Laden
- Poster aus, auf dem noch, etwas kleiner allerdings, andere
"Politprominenz" von Bush bis Saddam Hussein zu
sehen ist. Die Männer um ihn herum fangen an zu diskutieren.
Bis Mokolo ist die Straße recht gut ausgebaut, wir kommen
schnell voran. Ab und an steigen ein paar Leute aus oder zu.
Im Fahrgastraum wird es immer enger. Ich kann Fama hinter
uns schon nicht mehr sehen. Gegen 16 Uhr kommen wir in Mokolo
an, das waren 2 Stunden Fahrt für ca. 85 Kilometer. Hier
wird der Kleinbus ab- und beladen. Hier erfahren wir, dass
das gleiche Buschtaxi in 20 Minuten nach Rhumsiki weiterfährt!
Prima! Jean Luc erzählte uns noch, es wäre sehr
schwierig von Mokolo über die schlechte Piste (56 km)
nach Rhumsiki weiterzukommen. Das kleine Schlitzohr! Beinahe
hätte er uns ein Auto mit Fahrer aufgeschwatzt. Und sicher
ist dieses Buschtaxi nicht das einzige, das heute noch nach
Rhumsiki fährt! 16:30 Uhr geht es auf einer unbefestigten,
sehr staubigen Piste weiter. Bei den geöffneten Fenstern
und der Zugluft befürchte ich das Schlimmste für
meine inzwischen ebenfalls angegriffene Gesundheit (starker
Husten + Schnupfen). Nach etwa einer Stunde stoppt der Kleinbus.
Ein Stau? Hier auf dem Land? Wir steigen aus, etwa 7 mit Menschen
und Gepäck vollbeladene Pickups warten am Straßenrand.
Die Leute stehen um die Autos herum, ein ziviler Typ mit belgischem
Schnellfeuergewehr kommt zu unserem Bus und sagt irgendwas.
Ach ja, im Norden soll es ja öfters bewaffnete Überfälle
geben. Ist das jetzt die Ein-Mann-Schutztruppe? ;) Die Grenze
zu Nigeria ist ja auch nur ein paar Kilometer entfernt und
da herrscht eine Militärdiktatur. Könnte ja sein,
dass man aus einem dieser möglichen Gründe sich
hier zum Konvoi sammelt. Ich frage Fama. Wenn ich ihn richtig
verstanden habe, warten die Leute hier auf irgendeinen Polizeichef
(von Mokolo?), der die Straße vor uns passieren muss.
Warum, bekomme ich nicht heraus, da Fama oder mir vielleicht
ein paar englische Vokabeln fehlen. Er sagt nur: "So
viele Leute warten auf einen Mann! Das ist Afrika!" Ich
sage ihm, dass es dies bei uns auch gibt. ;) Egal, ich schlage
mich erst mal in den Busch, um meine letzte Cola zu entsorgen.
Nach ca. 20 Minuten geht es weiter, ohne das irgendwer uns
passiert hat. Ein Pickup spielt Wettrennen mit unserem Kleinbus
und wirbelt dabei mächtig Staub auf der Straße
auf.
Langsam wird es dunkel, wir erreichen ein größeres
Dorf. Es heißt Mogode. Wir sind jetzt im Lande des Kapsiki
(übersetzt: die Groß-Gewordenen), einem Stamm,
der sich mehrheitlich noch zum Ahnen- und Naturglauben bekennt,
also Animismus. Der Großteil des auf dem Dach des Kleinbusses
transportierten Gutes wird abgeladen: Zement, Werkzeuge, mehrere
ca. 8 m lange Eisenstangen, die sich irgendjemand bestellt
hat. Einige Sachen werden in den schmalen Kofferraum zugeladen,
mein Rucksack verschwindet unter 4 großen Gießkannen.
Wir steigen aus, vertreten uns die Beine. Sofort ist eine
Traube von Kindern um uns, alles kleine Dreckspatzen. Sie
sind sehr still, schauen uns mit ihren großen Augen
an, lächeln verlegen, bestaunen uns. Wir lächeln
zurück und streichen ihnen über die Köpfe.
Wir haben wieder das Problem, das wir nicht jedem was geben
können. Ich versuche mir vorzustellen, was aus diesen
Kindern einmal wird, wenn sie erwachsen sind. Nachdem der
Fahrer noch einige Kleinigkeiten zugeladen hat, geht die Fahrt
weiter. Wir verabschieden uns von den Kindern. Wenige Kilometer
nach Mogode lädt der Fahrer einige Sachen wieder ab,
die er am Pistenrand wartenden Personen, meist Kindern aushändigt.
Das Buschtaxi ist hier gleichzeitig ein Lieferservice, kein
Otto- aber ein Buschversand. ;) Es ist jetzt dunkel. Die Gegend
wird ein wenig einsamer. Um einige hundert Kilo erleichtert
jagt der Kleinbus über die Piste, geschickt Schlaglöchern
ausweichend. In der Ferne sieht man links und rechts offene
Feuer vor einzelnen Rundhütten - wie vor Tausenden von
Jahren, denn Strom gibt es hier nicht, nur in Rhumsiki.
Die Landschaft wirkt fantastisch und gespenstisch. Wir sind
bereits mitten in den Mandarabergen, die für ihre gewaltigen
Vulkankegel berühmt sind. Schließlich sieht man
Lichter in der Ferne, das muss Rhumsiki sein! Wir fahren vorbei
an riesigen Felsblöcken und am Ortseingang meint der
Fahrer zu uns: "Welcome in Rhumsiki." Ich antworte
mit "Merci Monsieur." Endstation ist genau vor der
Auberge de Kapsiki, die wir aus dem Reisehandbuch ausgewählt
haben. Es gibt hier nur zwei Unterkünfte, diese preiswerte
Herberge und eine etwas teuere, wahrscheinlich staatliche,
die allerdings vor dem Dorf liegt. Wir werden beim Aussteigen
von einer lauten Menschenmenge umringt, die sich aber mehr
für die Fracht des Buschtaxis bzw. die Verwandten oder
Freunde unter den Passagieren interessiert. Wir kommen in
ein größeres 5-eckiges Haus, das nur einen großen
Raum hat, der mit Wellblech überdacht ist und von einer
einzigen Neonröhre beleuchtet wird. Es ist der Gasthof
La Casserole, welcher zur Herberge gehört. Dieser ist
sehr luftig konzipiert, hat acht große Fenster ohne
Glas mit wehenden Stoffvorhängen. Um sechs Tische herum
sind einige Leute gruppiert.
Der Wirt, der sich als Victor Yama vorstellt, führt uns
auf unser Zimmer. Die Auberge liegt in einem mit kleinen Mauern
umzäunten Hof. Dort stehen ein paar gemauerte Rundhütten
und eine größere viereckige Hütte mit Wellblechdach.
Das größere Gebäude hat 4 Zimmer, die über
Dusche und WC verfügen. Im Zimmer selbst stehen 3 grob
gezimmerte und grün bemalte Betten auf nacktem Betonfußboden,
sonst nichts. Das ist zwar sehr, sehr einfach, aber es passt
zur abenteuerlichen Umgebung und ist sauber. Wir nehmen es,
die Auswahl im Ort ist nicht sehr groß und wir sind
hier wenigstens mitten im Dorfleben. Wir bestellen gleich
noch ein Abendessen bei ihm, da wir seit dem Frühstück
nichts mehr gegessen haben und der Magen knurrt hörbar.
Es gibt Brochettes, riesige Pommes aus Süßkartoffeln,
scharfen Salat und Minibananen. Das ist mein erstes "Landessen".
Wird das mein Magen verkraften? Ich esse vom Salat nur die
Zwiebeln. Der Rest verschwindet sehr schnell in meinem Magen,
ist mir jetzt ziemlich egal, was das für Fleisch ist
- ich habe Hunger und es schmeckt! Draußen ziehen etwa
30 singende Kinder vorbei. Ein Fest? Wegen uns? Sicher nicht.
Ich werde Fama morgen fragen. Er hat sich vorhin von uns verabschiedet,
da wir ihn heute nicht mehr brauchen und er seinen Vater besuchen
möchte. Wir verabredeten uns für morgen 8 Uhr vor
dem Gasthof zu einer Trekkingtour durch die Mandara-Berge.
Der Wirt schaltet den einzigen Fernseher im Dorf ein. Der
Fernseher hängt an einer riesigen (selbstgebauten?) Sat-Schüssel.
Und natürlich kommt Fußball - selbst hier am Ende
der Welt! Immerhin läuft seit Tagen der Africa Cup, das
Ereignis und Tagesgespräch in Kamerun und sicher auch
in ganz Afrika. Ich unterhalte mich mit Victor, dem Wirt,
der ausreichend Englisch kann. Um ins Gespräch zu kommen,
zücke ich wieder mein Reisehandbuch und zeige ihm einen
kleinen Eintrag zu seiner Herberge und seinem Gasthof. Ich
frage, wer denn heute spielt. "Sambia gegen Tunesien.",
lautet die Antwort. Das erklärt die relativ wenigen Leute
im Raum. Wenn Kamerun spielt, sieht man riesige Ansammlungen
von Menschen vor den TV-Geräten der Kneipen und Restaurants
des Landes. Nach dem leckeren Essen ziehen wir uns auf unser
Zimmer zurück. Der Weg dorthin führt etwa 100 m
die unbeleuchtete dunkle Dorfstraße entlang. Vor einigen
weiter entfernten Hütten brennen Feuer. Plötzlich
sehe ich die Umrisse eines größeren Tieres. Ein
Hund? Nein, ein Schwein! Aber auf dem Hof der Auberge hüpft
uns dann doch noch ein Hund an. Das Zimmer ist wirklich sehr
karg, unter der Matratze liegen ein paar rohe Holzbretter.
Victor hat dieses größere Gebäude voriges
Jahr gebaut, wie er sagt. Für Tisch, Stuhl und Schrank
hat sicher das Geld nicht mehr gereicht, ist aber nicht weiter
schlimm, da wir die Klamotten auf das eine freie Bett legen
können. Wir schlafen schnell ein.
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