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Wir stehen gegen 6:30 Uhr auf. Draußen ist es noch
ziemlich kalt, die Dorfbewohner laufen z.T. in dicken Anoraks
herum. Was für uns ein wenig frisch ist, muss den Einheimischen
wie -10 °C vorkommen. Wir fragen Victor, warum an einer
Tafel vor dem Gasthof 5000 CFA aufgeführt sind, obwohl
wir 7000 CFA pro Nacht zahlen. Er meint lächelnd, dass
dies der Preis für die einfachen Hütten sei. Der
Unterschied liegt bei den WC's. Die einfachen Hütten
haben das "afrikanische System" (Erdklo irgendwo
auf dem Gelände) und unser Zimmer hat "europäisches
System" (WC-Schüssel + Dusche). Ach so, alles klar,
akzeptiert. Zum Frühstück gibt es Türkischkaffee,
der ein wenig seltsam schmeckt, aber in rauen Mengen vorhanden
ist, und Baghettes. Auch die Konfitüre ist nicht wie
sonst limitiert und wurde von "Madame Yama", Victor's
junger Frau, gemacht. Die Auberge de Kapsiki liegt gleich
am Anfang des Dorfes, die andere mögliche Unterkunft,
das Campement de Rhumsiki liegt vor dem Dorf und ist eingezäunt.
Man hat dort zwar eine fantastische Aussicht auf die Berge
und Vulkankegel, aber die Hütten sind sehr viel teurer
als bei Victor und genauso einfach. Meine Empfehlung (gibt
ja nur die 2 Unterkünfte) ist eindeutig unsere Herberge,
wo man nicht so isoliert von den Dorfbewohnern wohnt.
Während des Frühstücks sehen wir durch eines
der großen glasfreien Fenster unseren Guide Fama, der
schon auf uns wartet. Wir ziehen zunächst durch das eigentliche
Dorf, welches sich auf mehreren Hügeln verteilt. Wir
kommen an den bereits oft gesehenen einfachen Lehmhütten
mit Strohdach vorbei, vor denen Frauen Hirse stampfen. Es
gibt hier auch einen kleinen Markt. Die aus unbearbeiteten
Stämmen gebauten Stände stehen leer und verwaist
in der Sonne. Nach einigen Gehöften wird der Weg schmaler,
plötzlich stehen einige Kinder
auf dem Weg und singen irgend ein kleines Lied in Marki, der
Sprache der Kapsiki, in dem ich nur ein französisches
Wort verstehe: Cadeaux. Alles klar, das machen sie wahrscheinlich
immer, wenn Weiße ins Dorf kommen. Wir fragen Fama,
ob wir ein Foto schießen können. Er meint, das
wäre überhaupt kein Problem. Die Kinder schauen
uns mit ihren großen Augen erwartungsvoll an. Da ich
sofort alle meinen kleinen Geschenke losgeworden wäre,
entscheide ich mich wieder für eine Runde Kaugummi. Das
kommt immer gut. Fama übernimmt die gerechte Verteilung
und jeder, der auf dem Foto war, bekommt was ab. Da auch ein
paar kleinere Kinder darunter sind, bitte ich Fama, ihnen
zu sagen, dass sie den Kaugummi nicht schlucken, sondern nach
dem Kauen ausspucken sollen.
Er übersetzt in Marki, seiner sehr interessanten Sprache.
Es ist überhaupt bewundernswert, was die Menschen hier
alles für Sprachen drauf haben müssen: Ihre Stammessprache,
Französisch und teilweise auch Englisch. Hinzu kommen
noch andere Stammessprachen, falls sich jemand in einem anderen
Landesteil, bei einer anderen Ethnie niederlässt (z.B.
Heirat) und dort akzeptiert werden will. Meistens fungiert
jedoch Französisch als Verständigungssprache zwischen
den etwa 200 verschiedenen Volksgruppen, die sonst meist nicht
miteinander kommunizieren könnten. In dieser Gegend gibt
es neben den Kapsiki noch etwa 44 weitere Stämme, deren
Rundhütten über die Hänge der Mandara-Berge
verstreut sind. Es ist hier nicht unüblich, das im nächsten
Dorf eine ganz andere Sprache gesprochen wird. Wir gehen weiter
durch Rhumsiki, Fama kennt hier natürlich jeden und wechselt
ab und an ein paar Worte mit einigen Dorfbewohnern.
An einer Hütte bekommt er von einer Frau eine Schale
mit einer weißen Flüssigkeit gereicht und trinkt.
Auf die Frage, was das für ein Getränk sei, antwortet
er: Bier. Genauer gesagt, es ist selbstgebrautes Hirsebier.
Da wir eine anstrengende Wanderung vor uns haben, es immer
heißer wird und wir nicht wissen, wie stark das Bier
ist, lehnen wir höflich ab. Langsam werden es immer weniger
Hütten und es geht leicht bergab. Plötzlich vor
uns ein steiler Abhang, nur Geröll, kein erkennbarer
Weg. "Da runter?", frage ich. Fama nickt. Etwas
weiter entfernt können wir zwei Frauen erkennen, die
jeweils mit einem großen Bündel gesammelten Feuerholzes
auf dem Kopf den Hang hochklettern. Wir klettern in das Tal
oder besser gesagt die Ebene hinunter. Die Berge auf der anderen
Seite gehören wohl schon zu Nigeria. Unten angekommen
wandern wir zwischen Geröll, abgebranntem Steppengras
und verstaubten Gewächsen und Gestrüpp weiter. Gibt
es hier Schlangen? Ich möchte endlich mal ein gefährliches
Tier sehen! In der Ferne sieht man ein einsames Gehöft.
Hier wohnen Animisten. Die Kapsiki haben es verstanden, sich
den großen Religionen des Islam und des Christentums
erfolgreich zu entziehen. Vor den islamischen Fulbe-Reitern
des Nordens haben sie sich vor knapp 200 Jahren hier in der
wilden Berglandschaft der Mandara-Berge verschanzt.
In dieser Ebene gibt es keine Straßen, erst recht keinen
Strom oder Wasserleitungen. Am Gehöft sehen wir einen
kleinen Jungen mit Hund,
der uns ein wenig ungläubig anschaut, als wären
wir Geister. Michael hat Probleme mit seiner Bronchitis, dem
Schnupfen und der mittlerweile sengenden Hitze. Wir hätten
in seinem Zustand die Tour nicht machen sollen, jetzt ist
es jedoch zu spät. Wir machen eine kurze Rast. Wir haben
dummerweise nur einen Liter Wasser mitgenommen. Ein weiterer
Fehler. Hier unten gibt es nichts als Steppe und ab und an
ein einzelnes Lehmhüttengehöft. Nach einer Anhöhe
geht es wieder bergab zu einem vertrockneten Bachlauf, den
wir überqueren, um auf der anderen Seite den nächsten
Hügel zu erklimmen. Die Sonne brennt heiß. Die
Sicht wird frei auf eine andere, noch größere Ebene,
in der Ferne wieder ein Gehöft. Eine grandiose Kulisse
mit den Vulkankegeln
im Hintergrund!
Wir rasten wieder, Michael bekommt schlecht Luft, die Nase
ist total verstopft. Plötzlich raschelt es im Gestrüpp.
Ein kleines Mädchen kommt vorsichtig hervor und bleibt
stehen. Ich bitte Fama, sie heranzuwinken. Ich schenke ihr
einen meiner 5 Firmenstifte, die ich von unserer Sekretärin
bekommen habe. Jetzt mache ich mal ordentlich und kostenlos
Werbung für die Company hier am Ende der Welt! ;) Ein
ERP-System werden wir aber sicher trotzdem nicht hier loswerden.
;) Michael schenkt ihr noch eine Creme und ein Shampoo. Ich
bitte Fama, die Verwendung in Marki zu erklären. Wir
haben Cremes, Shampoos (Probierpackungen), Feuerzeuge und
Stifte aus Deutschland mitgebracht, da sie sinnvolle kleine
Geschenke darstellen. Aber das reicht natürlich nicht
für mehrere Kinder auf einmal, deshalb geben wir es lieber
einem oder zwei Kindern, weil es sonst nur Streit und unzufriedene
Gesichter geben würde. Wenig später kommen noch
ein Junge und ein Mädchen, die große Schüsseln
mit Wasser auf den kleinen Köpfen an uns vorbeitragen.
Sie bekommen auch noch Cremes und Stifte. Das Leben hier unten
muss ziemlich hart sein, besonders in der Trockenzeit, die
wir gerade haben.
Das Wasser muss von weit her herangeschleppt werden, Straßen
gibt es hier ja nicht. Die Kinder verschwinden in Richtung
des Gehöftes, das wir vom letzten Hügel aus gesehen
haben. Wir gehen in die gleiche Richtung. Unter einem großen
Baum sitzt eine Familie. Zwei Frauen befreien einen Haufen
Erdnüsse von ihren Schalen. Eine alte Frau (die Großmutter
?) liegt am Boden zusammengerollt und hält Mittagsschlaf.
Wir begrüßen das Familienoberhaupt. Ich frage Fama,
ob wir vom Gehöft ein paar Außenaufnahmen machen
können. Wir laufen langsam um die Lehmmauer herum, treffen
auf zwei Esel. Gern
würde ich mal das Innere eines solchen Gehöftes
sehen, aber wie würde ich es finden, wenn bei mir zuhause
zwei schwarze Touristen mal sehen wollen, wie es im Haus aussieht?
Von weitem ruft das Familienoberhaupt irgendwas, ich verstehe
wieder mal nur "Cadeaux" und gebe mein vorletztes
Feuerzeug dem kleinen Mädchen. Sie soll es dem Familien-Chief
geben, da wir schon dabei sind, das Gehöft in der anderen
Richtung zu verlassen. Der winkt und freut sich. Jetzt wird
mit dem Feuerzeug vielleicht für einige Abende das Feuer
in den Hütten angezündet. Wir laufen weiter durch
die Ebene, die Sonne brennt unbarmherzig, es gibt nur wenig
schattenspendende Bäume hier. In der Ferne sehen wir
wieder mal ein Gehöft. Wir beschließen, hier wegen
Michael ein wenig länger zu rasten. Wir setzen uns unter
ein Strohdach. Hier sitzen einige Kinder und zwei Jugendliche,
die eifrig an Holzfiguren schnitzen, die sie auf dem Markt
oder in der Stadt verkaufen werden. Wir schauen eine Weile
zu. Fama unterhält sich angeregt in Marki, zeigt uns
ein halbfertiges Stück, das mal eine Gottheit der Kapsiki
werden wird. Hier werden auch die für die Gegend typischen,
sehr einfachen Musikinstrumente hergestellt. Ab und an kommen
ein Huhn, eine Ziege oder ein kleiner Hund unter das Strohdach.
Fama fragt, ob wir was kaufen wollen. Eigentlich wollen wir
nichts kaufen, erst am letzten Tag in Douala, da wir sonst
alles zwei Wochen lang mitschleppen müssen und in den
Buschtaxis einiges davon zu Bruch gehen würde. Ich entscheide
mich dennoch für eine kleine, sehr schöne Krokodilfigur.
Ein älterer Schnitzer sagt, dass dieses Stück 5000
CFA kosten soll.
Ich versuche mich jetzt auch im Handeln und biete 2500. Er
lacht und sagt 4500. Ich sage 3000, mein letztes Angebot.
Er meint, das 4000 sein letztes Wort ist. Ok, ich stelle die
Figur wieder hin und stehe auf, wir wollen weiterziehen. Der
Schnitzer ist plötzlich mit den 3000 CFA und einem kleinen
Souvenir einverstanden. Ich gebe ihm eine Ansichtskarte von
Weimar, er ist zufrieden. Ich denke, wir haben beide ein gutes
Geschäft gemacht. Das kleine Mädchen begleitet uns
weiter. Ich biete ihr einen Kaugummi an und esse auch einen.
Die Sonne wird sehr schnell wieder zum Problem. Nach einiger
Zeit zeigt das kleine Mädchen in ihren geöffneten
Mund. Fama sagt, sie habe Zahnschmerzen. Sie hat wahrscheinlich
Zahnprobleme, die durch den süßen Kaugummi aktiviert
wurden. Ich sage ihr, dass sie den Kaugummi ausspucken soll
und mache es mit meinem vor. Sie versteht und tut es mir gleich.
Ich hätte wohl besser Kaugummi ohne Zucker mitnehmen
sollen. Das Mädchen kehrt um, wir verabschieden uns.
Jetzt folgt ein steiler und beschwerlicher Aufstieg
aus dem Tal. Mir geht nun auch langsam die ohnehin kaum vorhandene
Kondition aus, aber noch ist es nicht weiter schwierig. Wasser
haben wir auch kaum noch. Michael ärgert sich wieder
über sich selbst, dass er sich mit seiner Bronchitis,
die eigentlich Bettruhe erfordert, einer solchen Strapaze
ausgesetzt hat. Ich gebe ihm meinen Taschenventilator, über
den er Tage zuvor noch ein wenig lästerte: Was ich so
alles mitschleppe! Eigentlich mehr als Gag gedacht ist der
Mini-Ventilator eine nützliche Sache, besonders hier,
wo die Luft steht und kein Schatten in Sicht ist. Am Hang
sehen wir drei junge Frauen, die große Bündel mit
Brennholz auf dem Kopf balancierend den Berg hochschleppen.
Der Weg wird zwischen Geröll und einigen Felsen immer
steiler. In der Ferne sehe ich den großen Berg, zu dessen
Füßen Rhumsiki liegen muss.
Wir rasten jetzt bei jedem Felsen, der ein wenig Schatten
wirft, da Michael kaum noch Luft bekommt. Endlich haben wir
es geschafft, die ersten Hütten von Rhumsiki sind in
Sicht. Auf der Dorfstraße treffen wir den Fahrer des
Buschtaxis von gestern wieder. Er möchte wissen, ob die
Tour schön war. Wir bejahen, machen aber durch Gesten
deutlich, dass es sehr anstrengend war. Wir schleppen uns
in den windigen Gastraum des La Casserole. Wir bestellen Erfrischungsgetränke
und ein Bier für Fama - ein gnadenloses Cola-Massaker
beginnt, am Ende stehen 5 Cola und eine große Limonade
leer auf dem Tisch. Victor will noch wissen, ob wir bei ihm
zu Abend essen, da er dann noch etwas vorbereiten muss. Wir
verabreden uns mit Fama für 16 Uhr, dann wollen wir dem
Witch Doctor des Dorfes einen Besuch abstatten. Michael unterhält
sich noch ein wenig mit Victor, ich gehe auf das Zimmer und
schreibe diese Zeilen, während Ziegen und ein Baby sich
lautstark in der Nachbarschaft bemerkbar machen. Da unsere
Unterwäsche nur für sieben Tage reicht (Gepäckeinsparung),
müssen wir wohl oder übel dieselbe mal waschen und
weichen ein paar Strümpfe, U-Hosen und ein T-Shirt ein,
geben ein wenig Reisewaschmittel drauf und rühren den
Sud um. Wird schon irgendwie sauber werden! Wir legen uns
nach der Strapaze für zwei Stunden aufs Ohr - ausruhen.
Kurz nach 16 Uhr gehen wir mit Fama erneut durch das Dorf.
Natürlich führt er uns zunächst zu einem kleinen
Stand eines Freundes. Man hat sich hier schon ein wenig auf
Touristen eingestellt, es gibt einige speziell für Besucher
hergestellte Souvenirs. Weit draußen vorm Dorf, auf
einem Hügel, gibt es auch einen Laden der hiesigen Handwerkerkooperative.
Aber von Besuchermassen kann man hier nicht reden, da Kamerun
touristisch nicht erschlossen ist. Es sind meist Individualreisende
und Globetrotter wie wir oder relativ selten auch kleine Studienreisegruppen.
Wir haben jedenfalls in den letzten Tagen nur sehr wenige
weiße Besucher hier gesichtet. Fama zeigt uns noch die
Dorfmühle, eine kleine Elektromühle, die in einer
Hütte laut vor sich hinrattert. Jetzt wird es spannend,
wir nähern uns dem Gehöft des Witch Doctors. Dieser
genießt weit über die Grenzen von Rhumsiki hinaus
großes Ansehen. Dies hängt mit dem Krabben-Orakel
zusammen, welches das Dorf berühmt gemacht hat. Der Witch
Doctor gehört zu den vier wichtigsten Persönlichkeiten
des Dorfes. Laut Reisehandbuch soll er 80 sein. Fama sagt,
er sei erst 57 und dieses Alter passt auch zu seiner Erscheinung.
Einen Wechsel gab es voriges Jahr nicht, was darauf hindeutet,
dass unser Reisehandbuch (3. aktuelle Auflage, Nov. 2001)
wieder mal nicht stimmt. ;) Der Zauberer wird z. B. vom Chief
des Dorfes über die Ernteaussichten befragt und wahrsagt
Besuchern aus nah und fern die Zukunft. Natürlich macht
er auch sehr gern "Wahrsagungen" für weiße
Reisende. Er bedient sich dabei eines einzigartigen Krabben-Orakels.
Dieses besteht aus einer Kalebassenhälfte, die mit Sand
gefüllt ist. Im Sand stecken verschiedene Holz- und Kalebassenteilchen,
die alle irgendetwas symbolisieren. Unter Murmeln von Zaubersprüchen
gießt er Wasser hinzu und setzt eine Süßwasserkrabbe
in die Schale. Dann legt er einen gewölbten Deckel auf
das Orakel. Für die Krabbe wird es ein paar Sekunden
stockfinster. Die Zaubersprüche werden intensiver. Der
Doc deckt das Orakel wieder auf. Die Krabbe, nicht untätig,
hat natürlich ein paar der Bruchstücke bewegt. Ausgehend
von der Verschiebung der Teilchen findet der Zauberer nun
Antworten auf die ihm gestellten Fragen oder weissagt die
Zukunft.
Wir sollen ihm jeder 2 Fragen stellen, eine Frage kostet
1000 CFA. Die investieren wir gern, denn wann hat man schon
einmal die Gelegenheit, einen echten afrikanischen Dorfzauberer
zu befragen? Da der Witch Doctor nur Marki spricht, hat er
einen Gehilfen (Es ist nicht sein Sohn, wie im Reisehandbuch
behauptet wird.), der ein paar Sprachen beherrschen soll.
Er heißt Anatol. Wir stellen ihm in Englisch unsere
Fragen, er übersetzt und der Zauberer antwortet. Auf
die Schnelle fällt mir nichts Sinnvolles ein. Ich frage
ihn, wie meine berufliche Zukunft aussieht. Sinngemäß
antwortet er, dass sich der Häuptling meiner Company
über meine Rückkehr freuen wird und ich viel Geld
verdienen werde (Hört, hört!). Nach etwa 3-4 Jahren
wechsle ich die Firma und verdiene richtig viel Geld und werde
schwerreich. Dann komme ich mit einer kleinen Gruppe von Freunden
zurück nach Kamerun und baue hier in Rhumsiki Hotels
und ähnliches. Ist der Witch Doctor im Wirtschaftsministerium
angestellt? Oder nur Eigeniniative ? ;) Ich finde seine Weissagung
hochinteressant, danke ihm. Die zweite Frage: Ich möchte
wissen, was meine Tochter beruflich werden wird. Diese Frage
versteht der Übersetzer nicht so recht. Die Antwort läuft
fast auf die der ersten Frage hinaus. Aber egal, ich höre
ehrfurchtsvoll zu und die Krabbe hat auch zu tun. Als wir
das sehr interessante, enge Gehöft des Zauberers verlassen,
bekommen wir einen kleinen "Schock": 4 weiße
Touristen! Aber das war absehbar, Rhumsiki ist neben dem Waza-Nationalpark,
den Sultanaten im Südwesten und einigen anderen Sehenswürdigkeiten
ein mittlerweile recht bekannter Anziehungspunkt für
die wenigen ausländischen Reisenden. Aber von Massentourismus,
wie wir ihn kennen, ist das Dorf noch Lichtjahre entfernt
und den wird es sicher (hoffentlich) auch nie geben. Wir "flüchten"
mit Fama quer durch das Dorf. Anatol, der Übersetzer,
hängt sich an uns dran.
Unterwegs begegnen wir einem komischen Kauz, der mir eine
Baumwollspindel verkaufen will. Er schließt sich uns
ebenfalls an und fällt mir bald schwer auf die Nerven.
Ich möchte seine fast aggressiv angebotene Spindel nicht!
Wir kommen zu einigen Hütten, vor denen 4 Weber an uralten
primitiven Webstühlen arbeiten. Dahinter ist ein Stand
mit Erzeugnissen aufgebaut. Der aufdringliche Typ schleppt
alles mögliche aus Baumwolle an, nicht ohne mir ständig
seine Baumwollspindel unter die Nase zu halten. Das halbe
Dorf ist auf den Beinen wegen der Handvoll Touristen! Natürlich
kann ich es verstehen, die Leute sind arm und müssen
Geld verdienen. Aber sie verstehen es nicht, dies diskreter
und unaufdringlicher zu realisieren. Das sagt sich leicht,
da ich auf der anderen Seite stehe. Jeder Weiße ist
für die Einheimischen ein reicher Mann, schließlich
konnte er aus dem weit entfernten Europa, wo vermeintlich
Milch und Honig fließen, sich einen teuren Flug nur
zum Zeitvertreib bis hierher leisten! Also kann er auch etwas
von seinem Reichtum abgeben und mir, dem Einheimischen, etwas
schenken oder abkaufen. Fama ist da ganz anders. Er ist ruhig,
höflich und zurückhaltend. Wir haben nie das Gefühl,
dass er uns übervorteilen oder ausnutzen will. Er ist
einfach ein angenehmer Begleiter. Wenn wir die Weber fotografieren
wollen, dann sollen wir Geld geben. Für Fotos Geld geben?
Nein, das widerspricht unseren Prinzipien. Ein paar Abzüge
schicken ja, eventuell ein kleines Geschenk ja, aber kein
Geld!
Wir verzichten und "flüchten" mit Fama und
dem Übersetzer in Richtung des großen Berges, vor
dem Rhumsiki liegt. Von einem Plateau aus, auf halber Höhe
des Berges, hat man einen fantastischen Ausblick auf das Dorf
und die Umgebung bis weit hinüber nach Nigeria. Wir lassen
uns hier auf dem Felsen nieder. Anatol erzählt uns lang
und breit die Sage von Rhumsiki. Kernaussage ist, dass vor
etwa 200 Jahren ein alter Jäger namens Siki in die Gegend
kam, den Berg (auf dem wir gerade sind) bestieg, um sich zu
orientieren. Da ihm dieser Ort hier gut gefiel, ließ
er sich mit seiner Familie hier nieder. Aus "Roum"
(In Marki heißt das Berg.) und Siki wurde Rhumsiki.
Das schmückt Anatol etwa 10 Minuten lang mit zahlreichen
Add-On-Geschichten aus. Dann erzählt er uns noch ein
paar lustige Familiengeschichten und dass er Fama Englisch
beigebracht hat. Fama lacht. Wir fragen ihn, ob es hier eine
Schule gibt. Er zeigt ins Dorf unten auf eine größere
Hütte. Wie sieht das Schulsystem hier aus? Er sagt, dass
es die Schulpflicht gebe und die per Zwang durchgesetzt werde.
Die Eltern müssen Stifte und Bücher bezahlen, Schulgeld
nicht. Das wäre für viele Familien sehr hart, sie
müssten dann Ziegen und andere Nutztiere verkaufen.
Schade, dass ich nur so wenig Stifte mithabe, sonst hätte
ich morgen die Schule besucht, aber wir wollen morgen nach
Mogode zum Markt. Langsam sinkt die Temperatur hier in den
Bergen wieder, Fama fröstelt schon in seinem T-Shirt.
Für uns ist es nur ein wenig kühl, aber nicht kalt.
Wir genießen noch ein wenig die schöne Aussicht,
obwohl der Harmattan (der trockene, staubige Wind aus der
Saharra) uns ein wenig die Sicht nach Nigeria nimmt. Wir steigen
den Berg hinunter in das Dorf und schon kommen zahlreiche
Kinder mit verschiedenen Münzen aus England, Holland
und Deutschland (DM!) auf uns zu und fragen uns, wieviel das
in CFA wohl seien. Ich, nichts ahnend, rechne es um und sage
es ihnen. Und schon bittet mich jeder, ihm das Geld doch in
CFA zu tauschen! Sie kommen nicht in die 60 km entfernte Stadt,
wir aber schon. Dämliche Touristen! Nicht nur, dass sie
den Kindern Geld geben, nein sie geben ihnen auch noch Währungen,
mit denen diese nichts anfangen können! Und wir sollen
es jetzt ausbügeln! Es ist schwer, den Kindern klar zu
machen, dass wir das nicht machen können. Selbst wenn
wir es wollten, die Banken nehmen so kleine Mengen nicht ab
und tauschen nur Dollar oder Euro. Ein Junge hat gleich noch
ein Problem. Er möchte von mir einen schönen Stift!
Wie meint er das? Ach so! Der Stift, den ich unten im Tal
dem kleinen Mädchen gegeben habe. Das hat sich aber in
Windeseile herumgesprochen! Ich habe aber keinen mehr. Leider.
Wir gehen ins La Casserole und laden Fama auf eine Cola ein,
unterhalten uns noch ein wenig. Nach einiger Zeit bringt Victor
das am Nachmittag bestellte Essen. Es gibt wieder Chicken
mit Salat und dieses Mal Reis und Nudeln. Schmeckt wieder
sehr gut, aber ob das mein Magen verträgt? Bis jetzt
habe ich keine Probleme. Wir schreiben noch Tagebuch, lesen
ein wenig und gehen zu Bett.
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