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10. Tag, Sonnabend, 26.01.2002 Rhumsiki - Maroua

Wir stehen gegen 7 Uhr auf, draußen hupen Autos. Unsere versprochene Mitfahrgelegenheit? So früh schon? Michael geht raus, es sind nur vollbeladene Pickups, die in die Gegenrichtung aufbrechen, wahrscheinlich zu einem Markt oder Fest im Nachbardorf. Wir frühstücken ein letztes Mal in Rhumsiki. Victor sagt uns, dass die Spanier wieder im Dorf sind und er mit dem Fahrer schon gesprochen hat. Wir können höchstwahrscheinlich bis Maroua mitfahren. Na wenn das keine gute Nachricht ist! Wir machen vor dem La Casserole mit Victor und Fama noch ein paar Abschiedsfotos. Michael geht auf unser Zimmer, ich bleibe im La Casserole. Victor kommt herein und sagt, dass die Spanier die Dorfstraße hochkommen. Ich gehe hinaus und sehe, wie ein älteres Ehepaar mit einer Kinderschar im Schlepptau auf mich zu kommt. Ich begrüße sie und trage unser Anliegen vor. Der Spanier, ein älterer Herr von beachtlicher Statur, meint, das sei kein Problem, sie haben noch eine Menge Platz und nehmen uns gern mit. Vorher wollen sie aber noch einen kurzen Abstecher nach Amsa, südlich von Rhumsiki machen. Sie laden uns ein, sie dorthin zu begleiten. Ich hatte in unserem Reisehandbuch gelesen, dass es südlich von Rhumsiki, in der Nähe von Amsa es ziemlich aggressive Kinder gibt, die den großen Geländewagen hinterherlaufen und Cadeaux fordernd Steine auf dieselben werfen.

Ich hatte mich schon auf ein wenig Abwechslung während der Fahrt eingestellt, aber es passierte nichts. Wir verlassen ca. 3 km südlich von Rhumsiki die noch einigermaßen komfortable Lehmpiste und fahren ca. 2 km auf einem sehr, sehr schlechten Pfad weiter in Richtung Amsa. Kein Problem für den großen Nissan Patrol, für meinen Kopf aber schon, denn ich stoße aufgrund der gigantischen Bodenwellen ständig unterm Dach an. Ziel ist die Schmiede von Amsa. Hier stammen wohl die Glocke und das Kreuz her, welches mir in Rhumsiki ständig angeboten wurden. Amsa liegt eigentlich schon fast in Nigeria. Wir steigen an der Schmiede aus. Dort stehen ein paar Kinder und Erwachsene herum. Ein kleiner Junge hat ganz gelbe Augen, ein Indiz für eine kaputte Leber. Hat er Malaria, Hepatitis oder Gelbfieber? Hier sehen wir, wie Fototourismus funktioniert: Der Fahrer erklärt den Spaniern kurz etwas in Französisch, ein paar Fotos werden geknipst, den Einheimischen ein Geldschein zugesteckt - fertig, abgehakt, einsteigen.

Im Auto kommen wir mit dem spanischen Ehepaar ins Gespräch. Sie kommen aus Madrid, sind über N'Djamena (Tschad) in Nordkamerun eingereist und verbringen hier im Norden 5 Tage, haben daher nur wenig Zeit. Der kamerunische Fahrer hat sie direkt aus N'Djamena mit dem Geländewagen abgeholt. Das kostet bestimmt erst mal einen Batzen an Visumgeldern! Beide, Fahrer und Fahrzeug, hatten sie über das Internet gebucht. Bereist haben sie schon Süd- und Ostafrika und normalerweise ziehen sie auch öffentliche Verkehrsmittel vor, um nicht isoliert von der Bevölkerung zu reisen, aber dieses Mal haben sie keine Zeit dafür. Wir halten in Rhumsiki noch einmal, Michael holt unsere Rucksäcke aus der Hütte, ich bezahle noch das Frühstück bei Victor, danke ihm für seine Gastfreundschaft und verabschiede mich endgültig von ihm. Wir steigen ein, eine Traube von Kindern bildet sich um den Nissan. Viele Hände werden in das Wageninnere gestreckt - Seniora verteilt Münzen. Wir sagen nichts dazu. Ich winke Fama zum Abschied noch einmal zu. Mit dem Geländewagen kommen wir zügig voran. Ich frage den Fahrer, warum er eine große Machete vorn im Cockpit hat. Er meint lächelnd, dass er die für seine Sicherheit benötige, wenn er mit dem Geländewagen unterwegs sei. Der Spanier erzählt uns, dass er rückwärts nach N'Djamena entlang der Grenze zu Kamerun durch den Tschad fahren wollte, aber der Fahrer sich weigere, da dies für die Passagiere und das Auto viel zu gefährlich wäre. So fahren sie durch Nordkamerun zurück, da N'Djamena, die Hauptstadt des Tschad, direkt an der Grenze zu Kamerun liegt. Für die Strecke nach Maroua über Mokolo benötigten wir hinwärts mit dem Buschtaxi ca. 5 Stunden, mit dem Geländewagen brauchen wir nur zwei.

Die Spanier steigen in Maroua im selben Hotel ab, dem uns bereits bekannten Relais Porto de la Mayo, der wahrscheinlich besten Adresse der Stadt. Es ist Wochenende und alles ist ausgebucht, wir bekommen nur noch eine Einzelzimmer-Hütte, einer muss auf einer Matratze auf dem Fußboden schlafen. Wir haben dieses Hotel genommen, da es einen kostenlosen Zubringerbus zum etwa 20 km entfernten Flughafen anbietet, da wir am nächsten Tag nach Yaounde fliegen wollen und es in Maroua kaum Taxis gibt. Nach dem Einchecken gehen wir in eine Straßenkneipe, da im Hotelgarten nur Weiße sitzen, wir finden das unspannend. Nach einer Cola machen wir uns auf den Weg zu Cameroon Airlines (CA). Wir stoppen ein Moped, der Fahrer rutscht wieder auf den Tank und wir steigen hinten auf, fahren wieder quer durch die Stadt auf die andere Seite des großen ausgetrockneten Flusses. Das Airline-Büro hat natürlich zu, wir bekommen aber von einem Wachmann heraus, dass es gegen 15 Uhr wieder öffnet. Wir gehen in eine sehr einfache Straßenkneipe, bestellen 2 Omelette und 2 Cola, was umgerechnet zusammen etwa 2,50 € kostet. Michael meint, ich solle mein Omelette schnell essen, bevor es die zahlreichen Fliegen tun. Neben mir scheint es einem Moslem im blauen Boubou sehr gut zu schmecken, er schmatzt ohrenbetäubend. Nach dem Essen versuchen wir es noch einmal bei CA, die haben immer noch geschlossen! Wir hatten den Wachmann falsch verstanden, die Geschäfte machen tatsächlich erst 15:30 Uhr auf. Da ich recht intensiv den Finger stets am Auslöser meiner Kamera habe, kaufe ich mir noch 3 Filme in einem kleinen Laden, der auch ein wenig PC-Hardware vorrätig hat. Die Preise sind natürlich sehr hoch, da alles sehr teuer importiert werden muss. Ein 56.6 - Modem kostet hier z. B. etwa 230 €, bei uns etwa 60 €. Als wir in der Nähe von CA sind, winkt uns der Wachmann herüber, eben ist der alte Herr eingetroffen, bei dem wir vor 3 Tagen schon unseren Flug reserviert hatten. Er hatte sich sogar unsere Namen gemerkt, freundlich stellt er unsere Flugscheine per Hand aus.

Ich habe jetzt ein wenig Bedenken, da ich nur noch 70000 CFA nach dem Kauf des Tickets übrig habe. Hoffentlich bekommen wir in Yaounde Geld mit unserer VISA-Card! Der Flug war eigentlich nicht geplant, aber die Aussicht 2-3 Tage einzusparen, die wir mit der Rückfahrt in den Süden zubringen würden, war und ist verlockend. Nach dem Ticketkauf suchen wir noch eine Apotheke auf, ich will mir irgendwas gegen den Husten kaufen, mit dem ich jetzt auch zu kämpfen habe. Zu diesem Zweck habe ich mir die Wörter "Hustensaft" und "Hustentabletten" aus dem Französisch-Sprachführer herausgesucht und auf einen Zettel geschrieben und gebe sie der Apothekerin in der kleinen Apotheke am Stadtrand, wo fast nur leere Regale herumstehen. Ab und an liegen ein paar Medikamente auf den Regalböden herum, dazwischen gähnende Leere. Ich nehme einen französischen Hustensaft, dessen Beipackzettel in Englisch und Französisch verfasst ist. Wir suchen noch ein Telefon, um kurz zuhause anzurufen - wieder fast 10 € weg! Es wird jetzt langsam dunkel, wir gehen durch die Stadt, suchen eine Straßenkneipe und essen für wenig Geld eine Riesenportion Spaghetti Bolognese und lassen uns mit Cola volllaufen. Im Hotel kostet das Essen 6 x soviel und wir wollen jetzt ein wenig sparen. Wir fahren durch das nächtliche Maroua mit einem Moped zurück in das Porto de la Mayo. Der Fahrer bewegt das überladene Vehikel geschickt durch den wie immer chaotischen Verkehr, der aber im Vergleich zu Yaounde und Douala noch recht gemächlich erscheint. Im Hotel scheinen sich alle ansässigen Weißen und deren Gäste zu vergnügen, ein schwarzer DJ sorgt für Musik. Michael meint ein wenig verächtlich, dass es hier ja schon wie in einem Pauschalhotel zugehe. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich mag so etwas auch nicht. Wir flüchten in unsere Rundhütte, die etwas abseits im Gelände des Hotelgartens liegt, schreiben und lesen noch ein wenig...

 
     
 
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