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Wir stehen gegen 7 Uhr auf, draußen hupen Autos. Unsere
versprochene Mitfahrgelegenheit? So früh schon? Michael
geht raus, es sind nur vollbeladene Pickups, die in die Gegenrichtung
aufbrechen, wahrscheinlich zu einem Markt oder Fest im Nachbardorf.
Wir frühstücken ein letztes Mal in Rhumsiki. Victor
sagt uns, dass die Spanier wieder im Dorf sind und er mit
dem Fahrer schon gesprochen hat. Wir können höchstwahrscheinlich
bis Maroua mitfahren. Na wenn das keine gute Nachricht ist!
Wir machen vor dem La Casserole mit Victor und Fama noch ein
paar Abschiedsfotos.
Michael geht auf unser Zimmer, ich bleibe im La Casserole.
Victor kommt herein und sagt, dass die Spanier die Dorfstraße
hochkommen. Ich gehe hinaus und sehe, wie ein älteres
Ehepaar mit einer Kinderschar im Schlepptau auf mich zu kommt.
Ich begrüße sie und trage unser Anliegen vor. Der
Spanier, ein älterer Herr von beachtlicher Statur, meint,
das sei kein Problem, sie haben noch eine Menge Platz und
nehmen uns gern mit. Vorher wollen sie aber noch einen kurzen
Abstecher nach Amsa, südlich von Rhumsiki machen. Sie
laden uns ein, sie dorthin zu begleiten. Ich hatte in unserem
Reisehandbuch gelesen, dass es südlich von Rhumsiki,
in der Nähe von Amsa es ziemlich aggressive Kinder gibt,
die den großen Geländewagen hinterherlaufen und
Cadeaux fordernd Steine auf dieselben werfen.
Ich hatte mich schon auf ein wenig Abwechslung während
der Fahrt eingestellt, aber es passierte nichts. Wir verlassen
ca. 3 km südlich von Rhumsiki die noch einigermaßen
komfortable Lehmpiste und fahren ca. 2 km auf einem sehr,
sehr schlechten Pfad weiter in Richtung Amsa. Kein Problem
für den großen Nissan Patrol, für meinen Kopf
aber schon, denn ich stoße aufgrund der gigantischen
Bodenwellen ständig unterm Dach an. Ziel ist die Schmiede
von Amsa. Hier stammen wohl die Glocke und das Kreuz her,
welches mir in Rhumsiki ständig angeboten wurden. Amsa
liegt eigentlich schon fast in Nigeria. Wir steigen an der
Schmiede aus. Dort stehen ein paar Kinder und Erwachsene
herum. Ein kleiner Junge hat ganz gelbe Augen, ein Indiz für
eine kaputte Leber. Hat er Malaria, Hepatitis oder Gelbfieber?
Hier sehen wir, wie Fototourismus funktioniert: Der Fahrer
erklärt den Spaniern kurz etwas in Französisch,
ein paar Fotos werden geknipst, den Einheimischen ein Geldschein
zugesteckt - fertig, abgehakt, einsteigen.
Im Auto kommen wir mit dem spanischen Ehepaar ins Gespräch.
Sie kommen aus Madrid, sind über N'Djamena (Tschad) in
Nordkamerun eingereist und verbringen hier im Norden 5 Tage,
haben daher nur wenig Zeit. Der kamerunische Fahrer hat sie
direkt aus N'Djamena mit dem Geländewagen abgeholt. Das
kostet bestimmt erst mal einen Batzen an Visumgeldern! Beide,
Fahrer und Fahrzeug, hatten sie über das Internet gebucht.
Bereist haben sie schon Süd- und Ostafrika und normalerweise
ziehen sie auch öffentliche Verkehrsmittel vor, um nicht
isoliert von der Bevölkerung zu reisen, aber dieses Mal
haben sie keine Zeit dafür. Wir halten in Rhumsiki noch
einmal, Michael holt unsere Rucksäcke aus der Hütte,
ich bezahle noch das Frühstück bei Victor, danke
ihm für seine Gastfreundschaft und verabschiede mich
endgültig von ihm. Wir steigen ein, eine Traube von Kindern
bildet sich um den Nissan. Viele Hände werden in das
Wageninnere gestreckt - Seniora verteilt Münzen. Wir
sagen nichts dazu. Ich winke Fama zum Abschied noch einmal
zu. Mit dem Geländewagen kommen wir zügig voran.
Ich frage den Fahrer, warum er eine große Machete vorn
im Cockpit hat. Er meint lächelnd, dass er die für
seine Sicherheit benötige, wenn er mit dem Geländewagen
unterwegs sei. Der Spanier erzählt uns, dass er rückwärts
nach N'Djamena entlang der Grenze zu Kamerun durch den Tschad
fahren wollte, aber der Fahrer sich weigere, da dies für
die Passagiere und das Auto viel zu gefährlich wäre.
So fahren sie durch Nordkamerun zurück, da N'Djamena,
die Hauptstadt des Tschad, direkt an der Grenze zu Kamerun
liegt. Für die Strecke nach Maroua über Mokolo benötigten
wir hinwärts mit dem Buschtaxi ca. 5 Stunden, mit dem
Geländewagen brauchen wir nur zwei.
Die Spanier steigen in Maroua im selben Hotel ab, dem uns
bereits bekannten Relais
Porto de la Mayo, der wahrscheinlich besten Adresse der
Stadt. Es ist Wochenende und alles ist ausgebucht, wir bekommen
nur noch eine Einzelzimmer-Hütte, einer muss auf einer
Matratze auf dem Fußboden schlafen. Wir haben dieses
Hotel genommen, da es einen kostenlosen Zubringerbus zum etwa
20 km entfernten Flughafen anbietet, da wir am nächsten
Tag nach Yaounde fliegen wollen und es in Maroua kaum Taxis
gibt. Nach dem Einchecken gehen wir in eine Straßenkneipe,
da im Hotelgarten nur Weiße sitzen, wir finden das unspannend.
Nach einer Cola machen wir uns auf den Weg zu Cameroon Airlines
(CA). Wir stoppen ein Moped, der Fahrer rutscht wieder auf
den Tank und wir steigen hinten auf, fahren wieder quer durch
die Stadt auf die andere Seite des großen ausgetrockneten
Flusses. Das Airline-Büro hat natürlich zu, wir
bekommen aber von einem Wachmann heraus, dass es gegen 15
Uhr wieder öffnet. Wir gehen in eine sehr einfache Straßenkneipe,
bestellen 2 Omelette und 2 Cola, was umgerechnet zusammen
etwa 2,50 € kostet. Michael meint, ich solle mein Omelette
schnell essen, bevor es die zahlreichen Fliegen tun. Neben
mir scheint es einem Moslem im blauen Boubou sehr gut zu schmecken,
er schmatzt ohrenbetäubend. Nach dem Essen versuchen
wir es noch einmal bei CA, die haben immer noch geschlossen!
Wir hatten den Wachmann falsch verstanden, die Geschäfte
machen tatsächlich erst 15:30 Uhr auf. Da ich recht intensiv
den Finger stets am Auslöser meiner Kamera habe, kaufe
ich mir noch 3 Filme in einem kleinen Laden, der auch ein
wenig PC-Hardware vorrätig hat. Die Preise sind natürlich
sehr hoch, da alles sehr teuer importiert werden muss. Ein
56.6 - Modem kostet hier z. B. etwa 230 €, bei uns etwa
60 €. Als wir in der Nähe von CA sind, winkt uns
der Wachmann herüber, eben ist der alte Herr eingetroffen,
bei dem wir vor 3 Tagen schon unseren Flug reserviert hatten.
Er hatte sich sogar unsere Namen gemerkt, freundlich stellt
er unsere Flugscheine per Hand aus.
Ich habe jetzt ein wenig Bedenken, da ich nur noch 70000 CFA
nach dem Kauf des Tickets übrig habe. Hoffentlich bekommen
wir in Yaounde Geld mit unserer VISA-Card! Der Flug war eigentlich
nicht geplant, aber die Aussicht 2-3 Tage einzusparen, die
wir mit der Rückfahrt in den Süden zubringen würden,
war und ist verlockend. Nach dem Ticketkauf suchen wir noch
eine Apotheke auf, ich will mir irgendwas gegen den Husten
kaufen, mit dem ich jetzt auch zu kämpfen habe. Zu diesem
Zweck habe ich mir die Wörter "Hustensaft"
und "Hustentabletten" aus dem Französisch-Sprachführer
herausgesucht und auf einen Zettel geschrieben und gebe sie
der Apothekerin in der kleinen Apotheke am Stadtrand, wo fast
nur leere Regale herumstehen. Ab und an liegen ein paar Medikamente
auf den Regalböden herum, dazwischen gähnende Leere.
Ich nehme einen französischen Hustensaft, dessen Beipackzettel
in Englisch und Französisch verfasst ist. Wir suchen
noch ein Telefon, um kurz zuhause anzurufen - wieder fast
10 € weg! Es wird jetzt langsam dunkel, wir gehen durch
die Stadt, suchen eine Straßenkneipe und essen für
wenig Geld eine Riesenportion Spaghetti Bolognese und lassen
uns mit Cola volllaufen. Im Hotel kostet das Essen 6 x soviel
und wir wollen jetzt ein wenig sparen. Wir fahren durch das
nächtliche Maroua mit einem Moped zurück in das
Porto de la Mayo. Der Fahrer bewegt das überladene Vehikel
geschickt durch den wie immer chaotischen Verkehr, der aber
im Vergleich zu Yaounde und Douala noch recht gemächlich
erscheint. Im Hotel scheinen sich alle ansässigen Weißen
und deren Gäste zu vergnügen, ein schwarzer DJ sorgt
für Musik. Michael meint ein wenig verächtlich,
dass es hier ja schon wie in einem Pauschalhotel zugehe. Das
ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich mag so
etwas auch nicht. Wir flüchten in unsere Rundhütte,
die etwas abseits im Gelände des Hotelgartens liegt,
schreiben und lesen noch ein wenig...
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