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12. Tag, Montag, 28.01.2002 Yaounde - Douala

Der Morgen beginnt mit einem mittelmäßigen Frühstück - der Kaffee schmeckt nach Hustensaft und das Omelette auch nicht viel anders. Dies wird ein Tag ausschließlich zur Beschaffung von Frischgeld. Wir verlassen gegen 8:30 Uhr das Hotel mit unseren Rucksäcken. Ziel ist die S.G.B.C.-Bank, die angeblich gegen VISA-Card Cash auszahlt. Die Filiale im Zentrum schickt uns zurück auf den Hügel, wo der Kongresspalast und die Deutsche Botschaft liegt. Dort gibt es eine weitere Filiale der Bank. Wir sehen an der Glastür zwei große VISA-Schilder! Geschafft! Die Bankangestellten verweisen auf einen Automaten, der außen steht. Ernüchtert stellen wir fest, dass ich sowieso keine Automatenfunktion auf der Karte habe und Michael seinen PIN-Code nicht weiß, da er ihn in Europa nie braucht. Toll. Der wahrscheinlich einzige VISA-fähige Automat in ganz Kamerun und unsere Karten nutzen uns nichts! Wir gehen in die Bank zurück, fragen nach dem Filialchef, da Diskussionen mit Schalterangestellten nichts bringen. Ein junger Mann im traditionellen Gewand macht uns nicht viel Hoffnung. Hier geht es auf jeden Fall nicht - nur am Automaten. Vielleicht aber im Headquarter der Bank, das liegt aber im 270 km entfernten Douala! Dort nimmt man aber wahrscheinlich auch nur französische Kreditkarten. Toll. Wir sind bedient! Und wie. Gestern haben wir im "Meumi" mit VISA bezahlt und so eine große Bank rückt kein Geld auf die Karte am Schalter raus! Das gleiche Spiel wiederholt sich in der African Bank, der Standard Chattered, der Western Union, der B.I.C.E.C.O und der Credit Lyonaise Bank! Das kann doch nicht wahr sein! Dies ist die Hauptstadt des Landes! Ich denke zähneknirschend an den Werbespruch: "Die Welt spricht VISA!" Auf jeden Fall nicht in Kamerun!

Entnervt gehen wir auf das Deutsche Konsulat, vor dem eine lange Schlange mit Einheimischen steht, die ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen wollen. In der Schlange stehen Geschäftsleute, Studenten und sehr einfach gekleidete Leute. Mit unserem Reisepass kommen wir da schnell vorbei und werden vom schwarzen Wachpersonal durchgelassen. Ein netter deutscher Beamter macht uns wenig Hoffnung. Nach Artikel 5 des Konsulatsgesetzes kann er uns maximal den Heimflug finanzieren, wenn wir alles verloren haben oder krank und mittellos sind. Genau das sind und wollen wir nicht! Eine Weiterreise kann er uns nicht per Kleinkredit finanzieren. Er erzählt uns, dass in den letzten zwei Monaten des vorigen Jahres hier öfters Rucksacktouristen vor ihm saßen. Die hatten allerdings das Problem, dass keine Bank mehr DM-Bargeld annahm, da der Euro nahte. Viele von denen mussten ihren Trip abbrechen. Wir verabschieden uns und sehen echt schwarz. Wenn wir unsere Ernährung auf Kekse, Früchte vom Markt und noch heruntergekommenere Herbergen als bisher umstellen, würden wir es noch eine Woche schaffen. Verlockende Aussichten.

Wir versuchen es noch bei zwei weiteren Banken und haben jetzt gestrichen die Nase voll. 6000 CFA haben wir heute für Taxis ausgegeben, das letzte Taxi soll uns zur Busstation nach Douala bringen. Der Fahrer ist ein bärtiger und lustiger Muslim und gut drauf, wir weniger. Nach einem Kilometer stoppen uns zwei schwerbewaffnete Soldaten mit Sturmgewehr, Kampfdolch und Stahlhelm und wollen die Reisepässe sehen. Sie sind sehr höflich, interessieren sich aber mehr für die Papiere des Fahrers. Am Busbahnhof, auf dem wir bei unserem ersten Besuch in Yaounde bereits angekommen waren, steht zufällig gerade ein Bus nach Douala. Wir lösen hastig unsere Tickets und schmeißen die Rucksäcke in den noch geöffneten Kofferraum unter dem Bus. Wir bekommen gerade noch einen Platz und schon startet der Bus. Die Sitze wurden wohl ursprünglich für Pygmäen konzipiert - eine 2er- und eine 3er-Reihe, kein Platz für meine Knie und das drei Stunden lang. Der Bus ist dafür 2 Stunden schneller als der Zug und preiswerter. 50 km vor Douala ist die Straße gesperrt, wir machen einen kleinen Abstecher in den Dschungel. Dann geht es wieder durch die langen Vororte und Slums von Douala. Am Busbahnhof nehmen wir uns ein Taxi, das Michael nach wenigen hundert Metern stoppt, weil er eine S.G.B.C.-Bank gesehen hat. Er springt aus dem Taxi, ich bleibe beim Gepäck. Der Fahrer meint, wenn er hier länger warten soll, verdoppelt sich der Preis.

Da ich dazu keine Lust habe, bezahle ich ihn und steige mit dem gesamten Gepäck aus. Das Taxi verschwindet im dichten Verkehr und ich frage mich, ob ich Michaels Kameratasche im Auto liegen gelassen habe oder er sie vorhin mitgenommen hat. Eine nette und gut gekleidete Farbige erklärt Michael gerade in perfektem Englisch, dass die Filiale hier gerade geschlossen habe, es aber im Headquarter morgen sicher möglich sei, Bargeld zu bekommen. Ich sehe zu meiner Erleichterung, dass Michael seine Kameratasche bei sich hat! Wir waren ursprünglich auf dem Weg in die Katholische Mission, ich schlage Michael jedoch vor, in die Seemannsmission zu fahren. Vielleicht weiß das Pfarrerehepaar Rat. Michael ist davon nicht so begeistert, ich bestehe aber darauf und er willigt schließlich ein. Frau Posselt, die mit ihrem Mann zusammen die Seemannsmission leitet, schaut uns etwas verwundert an, da wir erst in zwei Wochen wieder nach Douala kommen wollten. Wir schildern unser Problem, zusätzlich vermissen wir auch noch ein wenig Geld, das wir wahrscheinlich im Norden verloren haben. Die Posselts machen uns den Vorschlag, dass in Deutschland noch heute jemand Geld auf das Konto der Seemannsmission in Bremen überweisen solle. Mit der gefaxten Bestätigung würden sie uns sofort das Geld in CFA auszahlen! Wow! Supernett! Gerettet! Es ist 17 Uhr, wir erreichen niemanden in Deutschland. Mir kommt die Idee, hier in einem Internet Office das Geld von meiner Bank zu überweisen, einen Screen-Dump kann ich als Bestätigung ausdrucken. Alles was mir dazu fehlt, ist eine gültige TAN-Nummer für die Transaktion! Ich rufe noch einmal zuhause an und es hört tatsächlich jemand! Ich bekomme die TAN, wir machen uns sofort auf den Weg ins nächste Internet Office.

Jetzt steht nur noch die Frage, ob die Zugangssoftware des Anbieters Java Applets gestattet, da diese oft unabhängig von den Einstellungen im Browser abgeblockt werden. Die Banksoftware läuft allerdings komplett in Java! Ich habe Glück, alles funktioniert, sogar ein Ausdruck ist möglich. Da es inzwischen schon dunkel ist und vor dem Office einige Burschen sehr aggressiv nach Geld fragen, nehmen wir ein Taxi für die Rückfahrt. Posselts zahlen uns den überwiesenen Euro-Betrag sofort in CFA aus! Der Trip ist gerettet! Nochmals vielen Dank an dieser Stelle an Johanna und Martin, besonders an Johanna! Jetzt können wir uns auch wieder ein anständiges Essen für 4 € leisten, ohne knausern zu müssen! Ein Zimmer bekommen wir leider nicht mehr in der Seemannsmission. Johanna vermittelt uns noch ein Taxi zur Katholischen Mission, wo wir ursprünglich übernachten wollten. Ein schwarzer Hüne, der gut Englisch spricht und wie Mr. Bean klingt, vermietet uns ein Zimmer mit Frühstück. Das Zimmer ist riesig, alles sieht wie in den 50er Jahren aus und ist aseptisch sauber. Die Toiletten sind draußen auf dem Gang. Das feuchtheiße Klima der Küste ist hier auch nachts fast unerträglich. Wir schmeißen die laute und uralte Klimaanlage an, dokumentieren den Tag kurz im Tagebuch und schlafen schnell unter dem "Dach des Herrn" ein.

 
     
 
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