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Der Morgen beginnt mit einem mittelmäßigen Frühstück
- der Kaffee schmeckt nach Hustensaft und das Omelette auch
nicht viel anders. Dies wird ein Tag ausschließlich
zur Beschaffung von Frischgeld. Wir verlassen gegen 8:30 Uhr
das Hotel mit unseren Rucksäcken. Ziel ist die S.G.B.C.-Bank,
die angeblich gegen VISA-Card Cash auszahlt. Die Filiale im
Zentrum schickt uns zurück auf den Hügel, wo der
Kongresspalast und die Deutsche Botschaft liegt. Dort gibt
es eine weitere Filiale der Bank. Wir sehen an der Glastür
zwei große VISA-Schilder! Geschafft! Die Bankangestellten
verweisen auf einen Automaten, der außen steht. Ernüchtert
stellen wir fest, dass ich sowieso keine Automatenfunktion
auf der Karte habe und Michael seinen PIN-Code nicht weiß,
da er ihn in Europa nie braucht. Toll. Der wahrscheinlich
einzige VISA-fähige Automat in ganz Kamerun und unsere
Karten nutzen uns nichts! Wir gehen in die Bank zurück,
fragen nach dem Filialchef, da Diskussionen mit Schalterangestellten
nichts bringen. Ein junger Mann im traditionellen Gewand macht
uns nicht viel Hoffnung. Hier geht es auf jeden Fall nicht
- nur am Automaten. Vielleicht aber im Headquarter der Bank,
das liegt aber im 270 km entfernten Douala! Dort nimmt man
aber wahrscheinlich auch nur französische Kreditkarten.
Toll. Wir sind bedient! Und wie. Gestern haben wir im "Meumi"
mit VISA bezahlt und so eine große Bank rückt kein
Geld auf die Karte am Schalter raus! Das gleiche Spiel wiederholt
sich in der African Bank, der Standard Chattered, der Western
Union, der B.I.C.E.C.O und der Credit Lyonaise Bank! Das kann
doch nicht wahr sein! Dies ist die Hauptstadt des Landes!
Ich denke zähneknirschend an den Werbespruch: "Die
Welt spricht VISA!" Auf jeden Fall nicht in Kamerun!
Entnervt gehen wir auf das Deutsche Konsulat, vor dem eine
lange Schlange mit Einheimischen steht, die ein Visum oder
eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen wollen. In der Schlange
stehen Geschäftsleute, Studenten und sehr einfach gekleidete
Leute. Mit unserem Reisepass kommen wir da schnell vorbei
und werden vom schwarzen Wachpersonal durchgelassen. Ein netter
deutscher Beamter macht uns wenig Hoffnung. Nach Artikel 5
des Konsulatsgesetzes kann er uns maximal den Heimflug finanzieren,
wenn wir alles verloren haben oder krank und mittellos sind.
Genau das sind und wollen wir nicht! Eine Weiterreise kann
er uns nicht per Kleinkredit finanzieren. Er erzählt
uns, dass in den letzten zwei Monaten des vorigen Jahres hier
öfters Rucksacktouristen vor ihm saßen. Die hatten
allerdings das Problem, dass keine Bank mehr DM-Bargeld annahm,
da der Euro nahte. Viele von denen mussten ihren Trip abbrechen.
Wir verabschieden uns und sehen echt schwarz. Wenn wir unsere
Ernährung auf Kekse, Früchte vom Markt und noch
heruntergekommenere Herbergen als bisher umstellen, würden
wir es noch eine Woche schaffen. Verlockende Aussichten.
Wir versuchen es noch bei zwei weiteren Banken und haben jetzt
gestrichen die Nase voll. 6000 CFA haben wir heute für
Taxis ausgegeben, das letzte Taxi soll uns zur Busstation
nach Douala bringen. Der Fahrer ist ein bärtiger und
lustiger Muslim und gut drauf, wir weniger. Nach einem Kilometer
stoppen uns zwei schwerbewaffnete Soldaten mit Sturmgewehr,
Kampfdolch und Stahlhelm und wollen die Reisepässe sehen.
Sie sind sehr höflich, interessieren sich aber mehr für
die Papiere des Fahrers. Am Busbahnhof, auf dem wir bei unserem
ersten Besuch in Yaounde bereits angekommen waren, steht zufällig
gerade ein Bus nach Douala. Wir lösen hastig unsere Tickets
und schmeißen die Rucksäcke in den noch geöffneten
Kofferraum unter dem Bus. Wir bekommen gerade noch einen Platz
und schon startet der Bus. Die Sitze wurden wohl ursprünglich
für Pygmäen konzipiert - eine 2er- und eine 3er-Reihe,
kein Platz für meine Knie und das drei Stunden lang.
Der Bus ist dafür 2 Stunden schneller als der Zug und
preiswerter. 50 km vor Douala ist die Straße gesperrt,
wir machen einen kleinen Abstecher in den Dschungel. Dann
geht es wieder durch die langen Vororte und Slums von Douala.
Am Busbahnhof nehmen wir uns ein Taxi, das Michael nach wenigen
hundert Metern stoppt, weil er eine S.G.B.C.-Bank gesehen
hat. Er springt aus dem Taxi, ich bleibe beim Gepäck.
Der Fahrer meint, wenn er hier länger warten soll, verdoppelt
sich der Preis.
Da ich dazu keine Lust habe, bezahle ich ihn und steige mit
dem gesamten Gepäck aus. Das Taxi verschwindet im dichten
Verkehr und ich frage mich, ob ich Michaels Kameratasche im
Auto liegen gelassen habe oder er sie vorhin mitgenommen hat.
Eine nette und gut gekleidete Farbige erklärt Michael
gerade in perfektem Englisch, dass die Filiale hier gerade
geschlossen habe, es aber im Headquarter morgen sicher möglich
sei, Bargeld zu bekommen. Ich sehe zu meiner Erleichterung,
dass Michael seine Kameratasche bei sich hat! Wir waren ursprünglich
auf dem Weg in die Katholische Mission, ich schlage Michael
jedoch vor, in die Seemannsmission zu fahren. Vielleicht weiß
das Pfarrerehepaar Rat. Michael ist davon nicht so begeistert,
ich bestehe aber darauf und er willigt schließlich ein.
Frau Posselt, die mit ihrem Mann zusammen die Seemannsmission
leitet, schaut uns etwas verwundert an, da wir erst in zwei
Wochen wieder nach Douala kommen wollten. Wir schildern unser
Problem, zusätzlich vermissen wir auch noch ein wenig
Geld, das wir wahrscheinlich im Norden verloren haben. Die
Posselts machen uns den Vorschlag, dass in Deutschland noch
heute jemand Geld auf das Konto der Seemannsmission in Bremen
überweisen solle. Mit der gefaxten Bestätigung würden
sie uns sofort das Geld in CFA auszahlen! Wow! Supernett!
Gerettet! Es ist 17 Uhr, wir erreichen niemanden in Deutschland.
Mir kommt die Idee, hier in einem Internet Office das Geld
von meiner Bank zu überweisen, einen Screen-Dump kann
ich als Bestätigung ausdrucken. Alles was mir dazu fehlt,
ist eine gültige TAN-Nummer für die Transaktion!
Ich rufe noch einmal zuhause an und es hört tatsächlich
jemand! Ich bekomme die TAN, wir machen uns sofort auf den
Weg ins nächste Internet Office.
Jetzt steht nur noch die Frage, ob die Zugangssoftware des
Anbieters Java Applets gestattet, da diese oft unabhängig
von den Einstellungen im Browser abgeblockt werden. Die Banksoftware
läuft allerdings komplett in Java! Ich habe Glück,
alles funktioniert, sogar ein Ausdruck ist möglich. Da
es inzwischen schon dunkel ist und vor dem Office einige Burschen
sehr aggressiv nach Geld fragen, nehmen wir ein Taxi für
die Rückfahrt. Posselts zahlen uns den überwiesenen
Euro-Betrag sofort in CFA aus! Der Trip ist gerettet! Nochmals
vielen Dank an dieser Stelle an Johanna und Martin, besonders
an Johanna! Jetzt können wir uns auch wieder ein anständiges
Essen für 4 € leisten, ohne knausern zu müssen!
Ein Zimmer bekommen wir leider nicht mehr in der Seemannsmission.
Johanna vermittelt uns noch ein Taxi zur Katholischen Mission,
wo wir ursprünglich übernachten wollten. Ein schwarzer
Hüne, der gut Englisch spricht und wie Mr. Bean klingt,
vermietet uns ein Zimmer mit Frühstück. Das Zimmer
ist riesig, alles sieht wie in den 50er Jahren aus und ist
aseptisch sauber. Die Toiletten sind draußen auf dem
Gang. Das feuchtheiße Klima der Küste ist hier
auch nachts fast unerträglich. Wir schmeißen die
laute und uralte Klimaanlage an, dokumentieren den Tag kurz
im Tagebuch und schlafen schnell unter dem "Dach des
Herrn" ein.
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