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13. Tag, Dienstag, 29.01.2002 Douala - Bafang

Nachts gegen 1:30 Uhr werde ich wach. Das Moskitonetz ist über mir zusammengekracht. Es lag wieder mal nicht an meinem TESA-Haken, den ich verwende, wenn man das Netz nirgendwo aufhängen kann, sondern an dem Untergrund, der nicht stark genug für den TESA-Powerstrip war. Ich mache den Haken an einer anderen Stelle fest, in der Hoffnung, dass dieser bis zum Ende der Nacht durchhält. Gegen 6:30 Uhr werden wir von Kirchengesang geweckt. Unten wird gerade die Morgenmesse gehalten. Wir gehen gegen 7 Uhr hinunter, an den offen stehenden Türen eines kleinen Saales vorbei, wo die Messe abgehalten wird. Das Frühstück gibt es in einem anderen kleinen Saal. Zwei riesige Gemeinschaftstische sind gedeckt mit einem großen Korb voll Baguettes, je einem Riesentopf voll Konfitüre und ausreichend Butter. Ich suche Kaffeetassen - Fehlanzeige. Auf einer Kommode stehen große Schüsseln, in die der Kaffee aus großen Behältern gezapft wird. Da passt ja fast ein Liter rein! Der Kaffee schmeckt vorzüglich, ich behaupte mal, es ist der beste schwarze Sud, den ich je getrunken habe! Wir sind die einzigen Leute weit und breit, das Personal ist bestimmt noch zur Andacht. Ich hole mir noch eine halbe Schüssel von dem gut schmeckenden, frischen Kaffee und esse noch ein Riesenstück Baguette. Wir wollen heute in den Westen aufbrechen, keine Ahnung wann wir wieder was zu Essen auftreiben können. Vom Dach der katholischen Mission aus hat man einen schönen Ausblick auf den Hafen. Unten im Hof stehen einige noble Geländewagen herum, in die jetzt gutbetuchte Schwarze einsteigen, die Messe scheint zu Ende zu sein. Gegen 8 Uhr verlassen wir die katholische Mission. Diese ist neben der Deutschen Seemannsmission unbedingt als saubere und preiswerte Unterkunft in Douala zu empfehlen! Wir stoppen ein Taxi im dichten Frühverkehr. Es soll uns zum Busstand nach Bafoussan bringen.

Die Kleinbusunternehmen, die in den Westen fahren, liegen weit draußen vor der Stadt in den Slums. Wir fahren bis dorthin etwa 20 Minuten am Hafen, dem mächtigen Wouri-Fluß und Industriegebieten vorbei. Am Ziel angelangt sehen wir viele heruntergekommene Kleinbusse herumstehen, meist sind es einfache Buschtaxis. Wir steigen aus und werden sofort von den Schleppern der Busunternehmer umworben. Wir lassen uns zu einem Unternehmen bringen, das Bafoussan anfährt. In einer Bretterbude lösen wir die Tickets. Man sagt uns, der Kleinbus würde gegen 9 Uhr losfahren. Wir trinken noch eine lauwarme Cola und steigen in den Kleinbus der Linie KIMBA Express ein, der schon ein wenig größer als ein normales Buschtaxi ist. Es dauert etwa 30 Minuten, bis der Bus vollgestopft ist. Wir sitzen ganz hinten, wo normalerweise genau 4 Sitzplätze wären. Bald sitzen wir mit 3 weiteren Erwachsenen und 2 Kindern zusammen. Der Bus ist jetzt nach afrikanischem Maßstab zwar richtig voll, aber kein Fahrer lässt sich blicken. Es dauert noch einmal 30 Minuten bis zur Abfahrt. Bis dahin erscheinen etwa 40-50 kleine Händler vor meinem geöffneten Fenster und wollen mir und den anderen Fahrgästen irgendetwas verkaufen. Da ist aber auch so ziemlich alles im Angebot, was man sich vorstellen kann: Uhren, getrockneter Fisch, Baguettes, Zahnpasta, Mineralwasser, Papiertaschentücher, Taschenlampen, Transistorradios, Handys, Binder, Handtücher, Früchte, Nüsse, Unterwäsche und vieles mehr. Die Waren werden meist von Kindern oder Jugendlichen, die Schüsseln auf dem Kopf balancieren, angeboten. Ich unterhalte mich mit Michael über die unglaubliche Geschicklichkeit beim Balancieren der Schüsseln und Kisten auf den Köpfen der Händler. Ich vermute mal, dass die festgetuckert sind. Wie bekommen die das sonst bloß so hin? Michael meint lächelnd, das wird schon so sein, wie ich vermute. Sie schlafen mit den Kisten und Schüsseln auf dem Kopf auch nachts, früh werden sie dann nur noch aufgefüllt. ;) Zwei professionelle Verkäufer mit Schlips kommen halb in den Bus herein und versuchen, wie bei uns der klassische Staubsaugervertreter, ein Zahnpasta + Zahnbürste-Bundle zu verkaufen.

Die Fahrgäste werden langsam unruhig. Ein Passagier benutzt die Hupe des Busses, ein anderer trommelt lautstark auf die Außenhaut desselben. Ich mache da mit, weil es cool klingt und wir jetzt schon eine Stunde auf der hintersten Bank eingeengt auf die Abfahrt warten! Endlich, der Fahrer kommt irgendwo her und startet den Bus! Die Fahrt geht vorbei an den Slums hinaus auf das Land. Hier gibt es nicht die schönen Rundhütten wie im Norden, sondern Wellblech- und Bretterbuden. Unterwegs wieder zahlreiche Polizeikontrollen. Es ist immer das gleiche Spiel: Der Fahrer steigt mit seinen Papieren aus und geht zu den Polizisten hinüber. Keine Ahnung, ob er da Schmiergeld abliefert oder die tatsächlich was kontrollieren. Nur gut, dass wir nicht mit eigenem Auto unterwegs sind. Ab und an gibt es einfache Schlagbäume mitten auf der Straße, wo Maut kassiert wird. Dies ist eine willkommene Gelegenheit für kleine Händler, ihre Waren durch das geöffnete Fenster vor die Nasen der Passagiere zu schwenken und lauthals anzupreisen. Wir kaufen uns ein paar Kartoffelpuffer-artige frittierte Mehlkugeln. Michael isst zwei davon, ich erst mal nur eine. Höllisch scharf das Zeug, keine Ahnung, ob das ein europäischer Magen mitmacht. Wir kommen jetzt in das Land der Bamileke, zu erkennen an den pyramidenartigen Mehrfachdächern einiger Häuser. Wir entscheiden, dass wir heute in Bafang übernachten und morgen nach Bafoussan weiterfahren. Gegen 14 Uhr erreicht der Bus Bafang. Ich steige zum Fenster aus, da alles andere zu lange dauert und der Bus sehr voll ist. Michael folgt mir nach, wir bekommen die Rucksäcke vom Dach heruntergeworfen, der Bus setzt seine Fahrt fort. Wir stoppen nach ca. 300 m ein Taxi-ähnliches Gebilde, ein total heruntergekommener uralter VW-Passat, wo nicht mehr gar soviel funktioniert, der total verbeult und innen sehr schmutzig ist. Die Beifahrertür scheint sich nur mit Spezialkenntnissen öffnen zu lassen, wie zwei Frauen feststellen müssen, die bereits auf dem Beifahrersitz saßen und jetzt aussteigen wollen. Wir steigen trotzdem ein und lassen uns ins "La Calypso" bringen, einem ganz netten kleinen Hotel. Wir nehmen das billigste Zimmer, da die anderen über unserem maximalen Limit von 15 € liegen.

Ich gebe dem Hotelangestellten ein wenig Trinkgeld, dafür bekommen wir ein Zimmer mit Ausblick über das Tal hinter dem Hotel, was uns eigentlich egal ist. Wir trinken etwas, bauen die Moskitonetze auf und machen uns zu Fuß auf den Weg in den Ort. Bafang ist Hauptort des Verwaltungsbezirkes Haut Nkam und Eingang zum Land der Bamileke, einer Volksgruppe, die als sehr erfolgreiche Händler bekannt ist. Der Ort ist nicht weiter interessant, es gibt eigentlich nur einen kleinen Wasserfall am Ortseingang und eine unbedeutete Chefferie. Wir nehmen uns ein Taxi und lassen uns zum Wasserfall fahren. Wir müssen ein paar Schritte in den Dschungel laufen. Der Taxifahrer und ein kleiner Junge kommen mit. Und da ist er auch schon zu sehen: Ein etwa 40 m in die Tiefe fallender kleiner Wasserfall. Unten ist ein wildes, schwer zugängliches Tal zu sehen. Hier wird gerade ein Weg gebaut, der den Zugang zu diesem Tal, zum Wasserfall komfortabel erschließen soll. Wir lassen uns wieder zurück in den Ort fahren, machen einen kurzen Abstecher in die Chefferie. Durch ein sehr schönes Portal aus riesigen gekreuzten und hölzernen Elefantenstoßzähnen gelangen wir auf einen großen Platz. Am Ende des Platzes liegt der sehr kleine "Palast". Der Chief ist nicht da und auf Besuch scheint man hier auch nicht eingestellt zu sein. Wir verlassen die Chefferie und lassen uns zur Kirche des Ortes fahren. Der Taxifahrer kann nicht herausgeben, wir fahren noch einmal in einen kleinen Laden zum Wechseln und zurück zum katholischen Gotteshaus.

Wir nehmen für ca. 15 Minuten an einem Gottesdienst teil und verlassen das geweihte Haus wieder. Hinter der Kirche kann man auf einem roten Lehmweg, umgeben von Hügeln mit Kaffee- und Bananenplantagen, spazieren gehen. Man hat von dort einen schönen Ausblick über ein weiteres Tal, in welchem einzelne Gehöfte liegen. Wir laufen an der Rückseite der Kirche vorbei und zurück in den Ort. Wir machen an einer einfachen Straßenkneipe halt und genehmigen uns eine Cola. Im kleinen TV über einer Kühltruhe, an der ein AIDS-Aufklärungsplakat klebt, läuft Derrick - in Französisch, eine uralte Folge aus den siebziger Jahren. Doch bald ist es mit der Ruhe vorbei, es wird umgeschalten, ein Fußballspiel fängt an. Heute spielt Kamerun gegen Togo. Schnell bildet sich eine Traube von Menschen um den kleinen Apparat, zusätzliche Stühle werden herangeschafft und das letzte aus dem Verstärker und den externen Lautsprechern herausgeholt. Wir flüchten wieder mal vor König Fußball, kaufen uns noch in der Kneipe, die gleichzeitig über einen minimalistischen Tante-Emma-Laden verfügt, ein paar Kekse. Wir flüchten ins La Calypso, gehen in das Restaurant des kleinen Hotels. Die Küche soll ja sehr exzellent sein, allerdings haben wir keinen rechten Hunger. Schade für das nette und zuvorkommende Personal, deren einzige Gäste wir sind. Wir gehen zu Bett, morgen wollen wir über Bafoussan weiter nach Foumban, dem Sultanssitz des Königreiches Bamoun.

 
     
 
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