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Nachts gegen 1:30 Uhr werde ich wach. Das Moskitonetz ist
über mir zusammengekracht. Es lag wieder mal nicht an
meinem TESA-Haken, den ich verwende, wenn man das Netz nirgendwo
aufhängen kann, sondern an dem Untergrund, der nicht
stark genug für den TESA-Powerstrip war. Ich mache den
Haken an einer anderen Stelle fest, in der Hoffnung, dass
dieser bis zum Ende der Nacht durchhält. Gegen 6:30 Uhr
werden wir von Kirchengesang geweckt. Unten wird gerade die
Morgenmesse gehalten. Wir gehen gegen 7 Uhr hinunter, an den
offen stehenden Türen eines kleinen Saales vorbei, wo
die Messe abgehalten wird. Das Frühstück gibt es
in einem anderen kleinen Saal. Zwei riesige Gemeinschaftstische
sind gedeckt mit einem großen Korb voll Baguettes, je
einem Riesentopf voll Konfitüre und ausreichend Butter.
Ich suche Kaffeetassen - Fehlanzeige. Auf einer Kommode stehen
große Schüsseln, in die der Kaffee aus großen
Behältern gezapft wird. Da passt ja fast ein Liter rein!
Der Kaffee schmeckt vorzüglich, ich behaupte mal, es
ist der beste schwarze Sud, den ich je getrunken habe! Wir
sind die einzigen Leute weit und breit, das Personal ist bestimmt
noch zur Andacht. Ich hole mir noch eine halbe Schüssel
von dem gut schmeckenden, frischen Kaffee und esse noch ein
Riesenstück Baguette. Wir wollen heute in den Westen
aufbrechen, keine Ahnung wann wir wieder was zu Essen auftreiben
können. Vom Dach der katholischen
Mission aus hat man einen schönen Ausblick auf den
Hafen. Unten im Hof stehen einige noble Geländewagen
herum, in die jetzt gutbetuchte Schwarze einsteigen, die Messe
scheint zu Ende zu sein. Gegen 8 Uhr verlassen wir die katholische
Mission. Diese ist neben der Deutschen Seemannsmission unbedingt
als saubere und preiswerte Unterkunft in Douala zu empfehlen!
Wir stoppen ein Taxi im dichten Frühverkehr. Es soll
uns zum Busstand nach Bafoussan bringen.
Die Kleinbusunternehmen, die in den Westen fahren, liegen
weit draußen vor der Stadt in den Slums. Wir fahren
bis dorthin etwa 20 Minuten am Hafen, dem mächtigen Wouri-Fluß
und Industriegebieten vorbei. Am Ziel angelangt sehen wir
viele heruntergekommene Kleinbusse herumstehen, meist sind
es einfache Buschtaxis. Wir steigen aus und werden sofort
von den Schleppern der Busunternehmer umworben. Wir lassen
uns zu einem Unternehmen bringen, das Bafoussan anfährt.
In einer Bretterbude lösen wir die Tickets. Man sagt
uns, der Kleinbus würde gegen 9 Uhr losfahren. Wir trinken
noch eine lauwarme Cola und steigen in den Kleinbus der Linie
KIMBA Express ein, der schon ein wenig größer als
ein normales Buschtaxi ist. Es dauert etwa 30 Minuten, bis
der Bus vollgestopft ist. Wir sitzen ganz hinten, wo normalerweise
genau 4 Sitzplätze wären. Bald sitzen wir mit 3
weiteren Erwachsenen und 2 Kindern zusammen. Der Bus ist jetzt
nach afrikanischem Maßstab zwar richtig voll, aber kein
Fahrer lässt sich blicken. Es dauert noch einmal 30 Minuten
bis zur Abfahrt. Bis dahin erscheinen etwa 40-50 kleine Händler
vor meinem geöffneten Fenster und wollen mir und den
anderen Fahrgästen irgendetwas verkaufen. Da ist aber
auch so ziemlich alles im Angebot, was man sich vorstellen
kann: Uhren, getrockneter Fisch, Baguettes, Zahnpasta, Mineralwasser,
Papiertaschentücher, Taschenlampen, Transistorradios,
Handys, Binder, Handtücher, Früchte, Nüsse,
Unterwäsche und vieles mehr. Die Waren werden meist von
Kindern oder Jugendlichen, die Schüsseln auf dem Kopf
balancieren, angeboten. Ich unterhalte mich mit Michael über
die unglaubliche Geschicklichkeit beim Balancieren der Schüsseln
und Kisten auf den Köpfen der Händler. Ich vermute
mal, dass die festgetuckert sind. Wie bekommen die das sonst
bloß so hin? Michael meint lächelnd, das wird schon
so sein, wie ich vermute. Sie schlafen mit den Kisten und
Schüsseln auf dem Kopf auch nachts, früh werden
sie dann nur noch aufgefüllt. ;) Zwei professionelle
Verkäufer mit Schlips kommen halb in den Bus herein und
versuchen, wie bei uns der klassische Staubsaugervertreter,
ein Zahnpasta + Zahnbürste-Bundle zu verkaufen.
Die Fahrgäste werden langsam unruhig. Ein Passagier
benutzt die Hupe des Busses, ein anderer trommelt lautstark
auf die Außenhaut desselben. Ich mache da mit, weil
es cool klingt und wir jetzt schon eine Stunde auf der hintersten
Bank eingeengt auf die Abfahrt warten! Endlich, der Fahrer
kommt irgendwo her und startet den Bus! Die Fahrt geht vorbei
an den Slums hinaus auf das Land. Hier gibt es nicht die schönen
Rundhütten wie im Norden, sondern Wellblech- und Bretterbuden.
Unterwegs wieder zahlreiche Polizeikontrollen. Es ist immer
das gleiche Spiel: Der Fahrer steigt mit seinen Papieren aus
und geht zu den Polizisten hinüber. Keine Ahnung, ob
er da Schmiergeld abliefert oder die tatsächlich was
kontrollieren. Nur gut, dass wir nicht mit eigenem Auto unterwegs
sind. Ab und an gibt es einfache Schlagbäume mitten auf
der Straße, wo Maut kassiert wird. Dies ist eine willkommene
Gelegenheit für kleine Händler, ihre Waren durch
das geöffnete Fenster vor die Nasen der Passagiere zu
schwenken und lauthals anzupreisen. Wir kaufen uns ein paar
Kartoffelpuffer-artige frittierte Mehlkugeln. Michael isst
zwei davon, ich erst mal nur eine. Höllisch scharf das
Zeug, keine Ahnung, ob das ein europäischer Magen mitmacht.
Wir kommen jetzt in das Land der Bamileke, zu erkennen an
den pyramidenartigen Mehrfachdächern einiger Häuser.
Wir entscheiden, dass wir heute in Bafang übernachten
und morgen nach Bafoussan weiterfahren. Gegen 14 Uhr erreicht
der Bus Bafang. Ich steige zum Fenster aus, da alles andere
zu lange dauert und der Bus sehr voll ist. Michael folgt mir
nach, wir bekommen die Rucksäcke vom Dach heruntergeworfen,
der Bus setzt seine Fahrt fort. Wir stoppen nach ca. 300 m
ein Taxi-ähnliches Gebilde, ein total heruntergekommener
uralter VW-Passat, wo nicht mehr gar soviel funktioniert,
der total verbeult und innen sehr schmutzig ist. Die Beifahrertür
scheint sich nur mit Spezialkenntnissen öffnen zu lassen,
wie zwei Frauen feststellen müssen, die bereits auf dem
Beifahrersitz saßen und jetzt aussteigen wollen. Wir
steigen trotzdem ein und lassen uns ins "La Calypso"
bringen, einem ganz netten kleinen Hotel. Wir nehmen das billigste
Zimmer, da die anderen über unserem maximalen Limit von
15 € liegen.
Ich gebe dem Hotelangestellten ein wenig Trinkgeld, dafür
bekommen wir ein Zimmer mit Ausblick über das Tal hinter
dem Hotel, was uns eigentlich egal ist. Wir trinken etwas,
bauen die Moskitonetze auf und machen uns zu Fuß auf
den Weg in den Ort. Bafang ist Hauptort des Verwaltungsbezirkes
Haut Nkam und Eingang zum Land der Bamileke, einer Volksgruppe,
die als sehr erfolgreiche Händler bekannt ist. Der Ort
ist nicht weiter interessant, es gibt eigentlich nur einen
kleinen Wasserfall am Ortseingang und eine unbedeutete Chefferie.
Wir nehmen uns ein Taxi und lassen uns zum Wasserfall
fahren. Wir müssen ein paar Schritte in den Dschungel
laufen. Der Taxifahrer und ein kleiner Junge kommen mit. Und
da ist er auch schon zu sehen: Ein etwa 40 m in die Tiefe
fallender kleiner Wasserfall. Unten ist ein wildes, schwer
zugängliches Tal zu sehen. Hier wird gerade ein Weg gebaut,
der den Zugang zu diesem Tal, zum Wasserfall komfortabel erschließen
soll. Wir lassen uns wieder zurück in den Ort fahren,
machen einen kurzen Abstecher in die Chefferie. Durch ein
sehr schönes Portal aus riesigen gekreuzten und hölzernen
Elefantenstoßzähnen gelangen wir auf einen großen
Platz. Am Ende des Platzes liegt der sehr kleine "Palast".
Der Chief ist nicht da und auf Besuch scheint man hier auch
nicht eingestellt zu sein. Wir verlassen die Chefferie und
lassen uns zur Kirche
des Ortes fahren. Der Taxifahrer kann nicht herausgeben, wir
fahren noch einmal in einen kleinen Laden zum Wechseln und
zurück zum katholischen Gotteshaus.
Wir nehmen für ca. 15 Minuten an einem Gottesdienst teil
und verlassen das geweihte Haus wieder. Hinter der Kirche
kann man auf einem roten Lehmweg, umgeben von Hügeln
mit Kaffee- und Bananenplantagen, spazieren gehen. Man hat
von dort einen schönen Ausblick über ein weiteres
Tal, in welchem einzelne Gehöfte liegen. Wir laufen an
der Rückseite der Kirche vorbei und zurück in den
Ort. Wir machen an einer einfachen Straßenkneipe halt
und genehmigen uns eine Cola. Im kleinen TV über einer
Kühltruhe, an der ein AIDS-Aufklärungsplakat klebt,
läuft Derrick - in Französisch, eine uralte Folge
aus den siebziger Jahren. Doch bald ist es mit der Ruhe vorbei,
es wird umgeschalten, ein Fußballspiel fängt an.
Heute spielt Kamerun gegen Togo. Schnell bildet sich eine
Traube von Menschen um den kleinen Apparat, zusätzliche
Stühle werden herangeschafft und das letzte aus dem Verstärker
und den externen Lautsprechern herausgeholt. Wir flüchten
wieder mal vor König Fußball, kaufen uns noch in
der Kneipe, die gleichzeitig über einen minimalistischen
Tante-Emma-Laden verfügt, ein paar Kekse. Wir flüchten
ins La Calypso, gehen in das Restaurant des kleinen Hotels.
Die Küche soll ja sehr exzellent sein, allerdings haben
wir keinen rechten Hunger. Schade für das nette und zuvorkommende
Personal, deren einzige Gäste wir sind. Wir gehen zu
Bett, morgen wollen wir über Bafoussan weiter nach Foumban,
dem Sultanssitz des Königreiches Bamoun.
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