Reisetage   
01 02   03   04   05   06   07   08   09   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   Map
 
     
 
14. Tag, Mittwoch, 30.01.2002 Bafang - Bafoussan - Foumban

Nach dem Frühstück begleitet uns ein Hotelangestellter zu einer Kreuzung, die wir gestern mehrmals zu Fuß und im Taxi passiert hatten. Hier fahren einige Buschtaxis ab. Er führt uns zu einem alten Kleinbus, der so aussieht, als ob er gleich fahren würde. Unser Gepäck wird eilig verladen, wir bekommen einen Platz direkt an der Schiebetür und haben somit genug Beinfreiheit. Im Buschtaxi ertönt lebensfrohe und coole afrikanische Musik, ich fühle mich wohl. Die Fahrt geht zunächst bergauf, vorbei an zahlreichen Plantagen, einfachen Holzbaracken, Bretter- und Wellblechbuden - den Behausungen des Großteiles der hiesigen Bevölkerung. Es folgen zahlreiche Stopps wegen Polizeikontrollen, Straßenmaut oder dem Ein- und Aussteigen von Passagieren und die bekannten Händlerofferten. Da ich an der Tür sitze, kann und muss ich öfters aussteigen. Eine ältere Frau steigt in den Bergen aus, lässt sich mehrere große Säcke vom Dach des Kleinbusses herunterreichen. Bezahlt man eigentlich mehr für soviel Gepäck? Während ich noch darüber nachdenke und die Landschaft betrachte, fährt der Kleinbus an. Ich springe, während das Buschtaxi anrollt, auf, der Fahrer grinst, er hatte mich draußen stehend sicher nicht bemerkt. Wir bekommen nach ein paar Kilometern wieder neue Passagiere - einen Moslem und einen Handymenschen mit weißem Hemd und Binder.

Nach ca. 2 h Fahrt kommen wir gegen 11 Uhr in Bafoussan an. Der Buschtaxi-Bahnhof sieht auf den ersten Blick chaotisch aus. Der Fahrer muss schon sein ganzes Können aufbieten, um überhaupt auf den Platz auffahren zu können, denn die Einfahrt ist von ab- und ankommenden Kleinbussen blockiert. Er findet sogar einen Parkplatz in der langen Reihe der parkenden Buschtaxis. Wir steigen aus, sofort werden wir von Werbern anderer Kleinbusse umringt, die uns eine Weiterfahrt vermitteln wollen. "Douala, Douala! Monsieur?" Nein, wir wollen nicht nach Douala, sondern weiter nach Foumban. Schnell ist ein Gefährt gefunden, das schon turmhoch beladen und bis auf die allseits unbeliebte letzte Rückbank schon voll besetzt ist. Der Gott der Buschtaxi-Reisenden meint es heute gut mit uns, wir müssen zum zweiten Mal an diesem Tag nicht stundenlang auf die Abfahrt warten! Ich scanne noch schnell den angrenzenden Markt nach Mineralwasser ab, da ich heute früh vergessen hatte meine Malariaprophylaxe einzunehmen. Nach knapp 20 Minuten ist es soweit, der Kleinbus ist zur Abfahrt bereit. Wir sitzen ziemlich weit hinten, weit weg von der einzigen Schiebetür in einem mehrfach überladenen Kleinbus. Zum ersten Mal kommen mir leichte Bedenken. Vielleicht ist es das umständliche Ein- und Aussteigen, weshalb auch die Einheimischen nur ungern hinten sitzen wollen. Auch ein älterer Herr wollte nicht zu uns hinter. Der stämmige schwarze Fahrer, ich habe ihn Bud getauft (Er sieht wie das schwarze Pendant zum Haudrauf-Mimen Bud Spencer aus und hat auch die Tonlage der deutsche Synchronstimme.), macht ihm unmissverständlich klar, dass er nach hinten muss. Ich glaube zwar nicht, dass der Bus sich bei dieser Beladung auch nur einen Zentimeter bewegt, aber das muss er wohl sicher schon seit Jahren, Tag für Tag. Und richtig - er verlässt ächzend den Platz. Natürlich erst einmal nur bis zur Tankstelle gegenüber, da der Fahrer erst jetzt mit dem Geld der Fahrgäste auftanken kann.

Die nächste Polizeikontrolle lässt nicht lange auf sich warten, Bud schlendert lässig und in aller Seelenruhe hinüber zu den Uniformierten, zeigt kurz seine Papiere und steigt wieder ein. Unterwegs steigen noch zwei junge Frauen und eine korpulente ältere Dame zu. Jetzt wird es richtig eng bei uns hinten. Der Kopf des alten Herrn neben mir landet auf meiner Schulter, der Kopf der Frau vor mir auf meinem Unterarm, den ich auf die Lehne gestützt hatte. Steffen - das menschliche Kissen! Beim nächsten Schlagloch lösen sich die beiden Häupter von mir. Der ältere Herr döst aber gleich wieder ein und lehnt sich gemütlich bei mir an. Ich mache heimlich ein Foto vom Innenraum des Buschtaxis. Und schon wieder eine Kontrolle! Ist das nervig! Manchmal beträgt der Abstand zwischen zwei Kontrollen nur einen Kilometer! Was soll das? Hier spielt doch Verkehrssicherheit keine Rolle, sonst müssten die meisten Buschtaxis aus dem Verkehr gezogen werden. Wieder ein Stopp, Straßenmaut - das Sitzfleisch revoltiert. Der alte Herr neben mir wird wach, erzählt etwas von einer Mission und das er gleich aussteigen muss. Er weiß allerdings nicht so recht wo. Frauen diskutieren lautstark. Stopp. Wir halten, werden von Händlern umzingelt. Triefende Fleischspieße tauchen haufenweise am Fenster auf. Erdnüsse, Bananen und Getränke werden lautstark angepriesen. Mir gefällt dies immer wieder, auch wenn ich selten etwas davon kaufe. Endlich! Wir erreichen das Sultanat der Bamoun und dessen Hauptort Foumban. Das Sultanat ist der südlichste islamische Vorposten in Kamerun, mit einer langen Historie. Hier residiert El Hadj Ibrahim Mbombo Njoya, der 19. Sultan in der Bamoun Dynastie, die bis in das Jahr 1394 zurückreicht. Wir suchen zunächst das billigste Hotel im Reiseführer auf, das "Beauregard". Es soll sauber und 1997 renoviert worden sein. Frau Fuchs (Anm: die Autorin des Reisehandbuches), wo haben Sie nur Ihre Informationen her? Das Hotel ist eine einzige Bruchbude, zerschlissene Betten, verrostete Duschen, kein Wasser! Alles nicht so schlimm, aber das Bettzeug sollte wenigstens in Ordnung sein. Wir ziehen weiter und laufen die katholische Mission des Ortes an, die von belgischen Schwestern geführt wird. Dort soll es 5 saubere Zimmer geben.

Zwei junge Männer öffnen und führen uns in einen Hinterhof. Dort zeigen sie uns einen Verschlag mit 6 Betten. Hier sieht es noch einen Tick übler aus als im "Beauregard", Dusche und afrikanisches WC über den Hof. Ich habe nichts gegen sehr, sehr einfache Unterkünfte, weit weg vom europäischen Standard, aber ein gewisses Level an Sauberkeit sollte schon vorhanden sein. Meiner Meinung ist das hier nicht gegeben. Andere Unterkünfte haben wir aber nirgends gesichtet. Die letzte Chance ist das "Le Chalet", irgendwo am Ortsausgang. Einer der beiden jungen Männern bringt uns zum Taxi und sagt, dass es 1500 CFA kostet. Uns ist schon klar, dass der tatsächliche Preis nicht mal halb so hoch ist und er die Hälfte des Geldes vom Fahrer als Provision bekommt. Trotzdem steigen wir ein, da wir nicht wissen wie weit es bis zum Hotel ist. Der junge Mann begleitet uns. Das Le Chalet liegt einige Kilometer außerhalb des Zentrums. Das Zimmer sieht besser aus als im "Beauregard", aber sehr heruntergekommen wie das ganze Hotel, dessen Vorderfront ein wenig gestrichen worden ist. Wir nehmen es trotzdem. Jetzt wird auch klar, warum der junge Mann mitgekommen ist, er bietet sich als Guide an. Seine bisherigen Erläuterungen beschränkten sich allerdings auf: "Dort ist eine Schule.", "Das ist die Western Union Bank." Wir sind nicht blind. Und Englisch kann er auch nicht. Wir schicken ihn zurück, sagen ihm, dass wir uns nach der langen Reise erst einmal ausruhen müssen. Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Weg in die Stadt zurück. Das Hotel liegt etwas weit ab, ein paar einfache Behausungen säumen die rote Lehmstraße, die bis zu einer Teerstraße führt. Dort nehmen wir uns ein Taxi. Und dieses kostet für die gleiche Strecke nur 500 CFA. Es zeigt sich wieder, dass man sich niemals ein Taxi vermitteln lassen sollte. Wir lassen uns bis zum Sultanspalast fahren. Der Eintritt ist inklusive Führung fair und angemessen. Fotografiert werden darf nur von außen. Der Sultan hält gerade Hof, sitzt im Haupteingang des Palastes auf einem Sessel. Wir erfahren von unserem Führer einiges zur Geschichte des Sultanats. Der Palast wurde 1913, nachdem der letzte aus Bambuswänden und Strohdächern bestehende Palast abgebrannt war, vom legendären Sultan Njoya in Anlehnung an die deutsche Gouverneursresidenz (Buea) in Ziegelbausweise errichtet und 1917 fertig gestellt. Wer sich mehr für den bemerkenswertesten 17. Sultan der Bamoun Dynastie interessiert, dem empfehle ich das Buch "Mandu Yenu" von C.Geary und A. Ndam Njoya (direkter Nachfahre) aus dem Trickster Verlag München (1985).

Das Museum des Palastes befindet sich im linken Flügel und ist bemerkenswert gut geordnet Einige Ausstellungsstücke sind auch beschriftet. Hier befinden sich kultische Gegenstände, Waffen, Gewänder, Tanzmasken und vieles mehr aus der langen Geschichte der Bamoun Dynastie. Sehr interessant finde ich die Kriegssitte der Bamoun, ihren toten Feinden die Unterkiefer herauszureißen und diese an den Hof des Sultans zu bringen. Im Museum stehen zwei große Kalebassen, die mit einer Vielzahl von Unterkiefern verziert sind und aus denen der Sultan Wein trank. Das Englisch des Führers ist sehr schwer zu verstehen, aber er gibt sich sehr große Mühe und nimmt sich viel Zeit, uns die Geschichte seines Volkes näher zu bringen. Da nur das Museum und leider nicht die Frauenhäuser des Palastes zugänglich sind, verlassen wir das Anwesen wieder. Am Eingang wimmeln wir noch zwei Guides ab, die uns eine Führung durch die Stadt anbieten wollen. Wir "flüchten" auf den großen Markt von Foumban, der genau gegenüber des Palastes liegt. Dieser unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Märkten Kameruns, nur das er um die große Moschee von Foumban herum angesiedelt ist und daher eine recht hübsche Kulisse besitzt. Es ist jetzt 16:30 Uhr, wir haben seit dem Frühstück nichts zu uns genommen. Wir suchen das "Royal Cafe", das einem Sohn des amtierenden Sultans gehören soll. Da wir es nicht finden können, heuern wir einen kleinen Jungen an, der uns hinführt. Das Royal Cafe ist ein einfaches Lokal mit Plastikstühlen im Keller eines Hauses, welches eine Terrasse mit einem sehr schönen Blick über einen Teil der Stadt hat. Der Chef des Lokals sagt, dass er nur noch Hühnchen oder Fisch für eine Person vorrätig hat. Wir nehmen das Hühnchen mit Kartoffelchips und Kochbananen. Vor und während des Essens wollen uns zwei etwa 10-jährige Jungs ein etwa 50 x 30 x 30 cm großes, sehr schönes Holzmodell des Palastes verkaufen. Selbst wenn wir es kaufen wollten, wir haben keine Möglichkeit, es zu transportieren, da wir noch eine Woche das Land bereisen wollen. Leider verstehen die Kinder das nicht.

Ich versuche es mit Pantomime. Sie ziehen nach etwa 20 Minuten traurig ab. Wir bezahlen und verlassen das Lokal, da inzwischen der TV-Apparat mit ohrenbetäubender Lautstärke angestellt wurde und sich eine beachtliche Anzahl von Fußballfreunden davor gruppiert hat. Wir suchen jetzt noch so etwas wie einen kleinen Supermarkt, um Mineralwasser und ein paar Kekse aufzutreiben. Fehlanzeige. Wir steuern einen kleinen Schuppen an, wo zwei junge Männer alles Mögliche auf etwa 8 qm Fläche verkaufen, und werden fündig. Jetzt noch ein Taxi und zurück ins Hotel. Der Fahrer versucht uns 1000 CFA abzuknüpfen, wir lehnen ab, er lenkt bei den üblichen 500 ein. Vor dem Hotel will er wieder 1000 CFA, ich gebe ihm 600, da das Taxi nicht ganz so schmutzig wie sonst war. Reicht ihm immer noch nicht, wir lassen ihn stehen. Wir gehen auf unser Zimmer, das Hotel ist leer und die Gänge sind dunkel. Jetzt betrachten wir das Zimmer ein wenig genauer, es entpuppt sich als die mieseste Bruchbude, die wir bisher hatten. Wir wollen gerade nach unten gehen, um Tagebuch zu schreiben, da fällt der Strom aus. Ich setze meine Stirnlampe auf, gehe durch das stockfinstere Hotel. Einige Türen stehen offen. Ist da jemand drin? Wasserhähne tropfen laut vor sich hin. Echt starkes Gruselfeeling hier! Ich höre Schritte. Ein Hotelangestellter kommt mir entgegen und meint, das sei Afrika. Ist ja kein Problem, wir gehen in die Hotelkneipe. Nach 5 Minuten haben wir eine Kerze und 2 Cola auf dem Tisch stehen. Wir schreiben Tagebuch, nach 30 Minuten ist der Strom wieder da. Gegen 22 Uhr gehen wir zu Bett. Morgen wollen wir zurück nach Bafoussan.

 
     
 
   Reisetage   
01 02   03   04   05   06   07   08   09   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   Map
 
     
  UPDOWN  
     
     
    DISCLAIMER      MALI        GHANA                                                         COPYRIGHT    
FOOTER