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1:00 Uhr nachts, Michael schlägt Alarm: "Sie kommen!"
Ich frage: "Wer denn?", und denke an die Bamoun-Krieger,
bin um meinen Unterkiefer besorgt, da mich diese Kriegssitte
auch noch im Traum beeindruckt hatte. Nein, es raschelt links
von uns. Wir fachsimpeln: Kakerlaken? Mäuse? Oder gar
Ratten? Richtig beunruhigt wäre ich bei Ratten, denn
die übertragen das gefährliche Lassafieber und sollen
auch viel größer als die in Europa sein. Michael
meint, es seien Mäuse. Unter dem geschlossenen Bettkasten
hatte er nachmittags schon Mäusekot entdeckt. Ich tippe
auf Kakerlaken, hatte schon nachmittags meine Schuhe an die
Wand gehängt und meinen Rucksack verschlossen. Michael
stellt seinen Rucksack auf einen Schemel, wir machen das Licht
wieder aus. Es raschelt wieder - aus der Richtung seines Rucksacks!
Jetzt wollen wir es wissen. Licht an! Wir räumen den
Rucksack aus, ich stehe mit Trekkingstiefel in der einen und
Klappmesser in der anderen Hand bereit. Nichts zu finden.
Wir beschließen, das Licht anzulassen, vielleicht hilft
das, wenn es sich um Kakerlaken handelt. Falls es Mäuse
sind, haben die hoffentlich soviel Anstand, nicht ins Bett
hochzukommen. Das Le Chalet entpuppt sich als echtes "Erlebnishotel"!
Es sind noch 6 Stunden bis zum geplanten Aufstehen, wir sind
müde und bringen es tatsächlich fertig, wieder einzuschlafen.
Der Morgen bringt dann die Bestätigung beider Ungeziefer-Theorien:
Auf dem verdreckten und baufälligen Minibalkon des Zimmers
liegt eine mittelgroße Kakerlake und in der Ecke eine
leere Anti-Mäusepulverschachtel. Wir bekommen nicht heraus,
was uns nun wirklich in der Nacht belästigt hat. Schade.
Trotz verständlicher Vorbehalte frühstücken
wir im Hotel. Ich möchte nicht wissen, wo und wie es
zubereitet wurde und wie viel Kakis dabei zugeschaut haben!
Nach dem Frühstück ver- lassen wir sofort das "Le
Kaki", wie wir es von nun an nennen. Am Ausgang des Hotels
empfängt uns der junge Mann, der uns gestern ein Taxi
zum dreifachen Preis "vermittelt" hatte. Er glaubt,
dass er uns heute die Stadt zeigen kann und das mit fast Null
Englischkenntnissen. Er geht auf der roten Lehmstraße,
die wir jetzt mit vollem Gepäck bis zur nächsten
befahrenen Straße laufen, neben uns her. Ich halte ein
Taxi an, platziere beide Rucksäcke großzügig
auf der Rückbank, so dass nur Michael noch Platz findet
und steige vorn ein. Somit ist kein Platz mehr für unseren
ungebetenen Guide, der natürlich auch dieses Taxi vermitteln
wollte. Dafür kostet die Fahrt bis zum Buschtaxi-Stand
aber auch nur 500 CFA. Wir sind noch nicht aus dem Taxi raus,
da brüllen uns die Werber auch schon ins Ohr, wollen
wissen, wo wir hinwollen. Einer von ihnen bringt uns zu einem
schon fast voll gestopften Kleinbus, der nach Bafoussan fährt.
Wir können es kaum glauben, die vorderen Sitzplätze
neben der Schiebetür sind noch frei!
Wir legen schnell unsere Daypacks auf die Sitze. Michael geht
um das Buschtaxi herum und zeigt mir, wer heute noch mitfährt:
zwei mittelgroße lebende Hausschweine!
Die liegen in Basttaschen eingeschlagen auf dem Boden und
warten auf die Verladung. Den Slogan "Essen auf Rädern"
scheint man hier auch zu kennen. Die Schweine werden an den
Haxen zusammengebunden und schwungvoll auf den Dachgepäckträger
hochgereicht und dort abgelegt. Ein Schwein grunzt ein wenig,
vielleicht stehen beide unter Drogen oder reisen öfters
mal durch die Gegend und sind dergleichen gewohnt. Ein älterer,
sehr gut gekleideter Herr grüßt uns herzlich und
wünscht uns einen schönen Tag und eine gute Weiterreise,
ist einfach nur freundlich. Der Kleinbus ist abfahrbereit,
wir fahren los. Unterwegs wieder die üblichen Polizeikontrollen.
Hier errichten die Beamten richtige Straßensperren!
Auf der einen Seite der Fahrbahn blockieren große Feldsteine
die Weiterfahrt, auf der anderen Seite ein selbst gebautes
Nagelbrett, welches ein Helfer zurückzieht, wenn ein
Fahrzeug passieren darf. Das Ganze erscheint mir eine kamerunische
Spielart der deutschen ABM zu sein.
Es werden stets nur die Papiere des Fahrers, ganz selten die
der Passagiere kontrolliert. Der Fahrer geht ganz schön
in die Kurven, den beiden Schweinen über uns ist sicher
schon kotzübel. Aber zwischen meinem Rucksack und den
beiden Tieren sind zum Glück noch ein paar andere Gepäckstücke
verstaut! In Bafoussan angekommen nehmen wir uns ein Taxi,
Ziel ist das "Palace Garden". Der Fahrer fährt
uns zu einer Bauruine am Stadtrand. Das kann es ja wohl nicht
sein! Auch das nächste Hotel "Le Paradies"
entspricht nicht der Beschreibung im Reisehandbuch. Es ist
noch weiter außerhalb gelegen und über einen langen
staubigen Lehmweg zu erreichen, ähnlich wie das "Le
Kaki" in Foumban. Hier kommt nicht mal ein Taxi vorbei,
wir lehnen ab. Wir lassen uns zurück an die Hauptstraße
fahren, finden dort das "Sare Hotel". Das Hotel
liegt nur 300 m abseits der Hauptstraße, ist sehr ruhig
und für afrikanische Verhältnisse in dieser Preislage
recht ordentlich. Wir bekommen ein schönes gemauertes
Boukarou, die Suche hat ein Ende - wir haben noch viel vor
heute. Nach dem Check In gehen wir sofort zurück zur
Hauptstraße und nehmen uns ein Taxi. Wir wollen nach
Bandjoun in die Chefferie, die der bedeutendste und schönste
noch erhaltene Fon-Palast des Bamileke-Landes sein soll. Das
kleine Volk der Bandjoun hat eine eigene Dynastie innerhalb
der Bamileke-Volksgruppe hervorgebracht - wir sind gespannt
und hoffen nach den guten Erfahrungen mit dem Palast in Bamoun
auf Ähnliches. Der Palast liegt etwas abgelegen von der
Hauptstraße, der Fahrer verlangt 5000 CFA, wenn er warten
soll. Wir lehnen ab, werden sicher auch so irgendwie zurückkommen.
In der ganzen Chefferie
sieht man keinen Menschen, nur zwei Jugendliche, die hier
Besucher begrüßen und auch gleich üppige Eintrittsgelder
fordern (2000 CFA pro Person, pro Fotoapparat noch mal 1500).
Das prächtige Versammlungshaus ist etwa 200 Jahre alt,
15 m hoch und wurde von Häuptling Nghoto erbaut. Es weist
sehr schöne Holzschnitzereien an den zahlreichen Säulen
auf, die um das ganze Gebäude herum die Dachkonstruktion
und das dicke Grasdach tragen.
Das alte Palastgebäude ist ganz aus Lehm und Bambus erbaut.
Im Inneren des Versammlungshauses ist es angenehm kühl.
Um einen runden Raum herum gibt es mehrere enge Gänge
und kleinere Räume. Allerdings ist alles leer, keine
Gebrauchsgegenstände, keine Möbel sind zu sehen.
Der Fon soll hier allerdings noch Beratungen abhalten, obwohl
er jetzt in einer riesigen klobigen Beton-Villa mit 50 Zimmern
rechts vom Versammlungshaus wohnt. Ich steige auf einer sehr
wackligen Leiter bis auf den Zwischenboden des Hauptraumes
in ca. 10 m Höhe, aber dort ist auch nichts Besonderes
zu sehen. Wir schauen uns das kleine Palastmuseum an. Hier
gibt es eine Menge sehr seltener und sicher sehr wertvoller
Exponate aus der Geschichte der Chefferie. Leider steht alles
ein wenig arg gedrängt herum und nur wenige Ausstellungsstücke
sind beschriftet. Gleich neben dem neuen Betonpalast steht
jedoch schon ein neues Gebäude, ebenfalls reiner Beton,
schmucklos und ohne nennenswerte traditionelle Architekturmerkmale.
Hierher soll das kleine Museum demnächst umziehen. Erwähnenswert
wäre vielleicht noch, dass der aktuelle Fon zur Zeit
60 Frauen und 352 Kinder hat und 56 Jahre alt ist. Da braucht
der Fon sicher die saftigen Eintrittsgelder, allerdings hat
er sicher auch genug andere Einnahmen, die ihm und den Seinen
einen angenehmen Lebensstil ermöglichen. Wir streifen
noch ein wenig auf dem Gelände herum, einer der beiden
Jugendlichen ist bereits gegangen, der andere begleitet uns.
Weit kommen wir nicht, bei den meisten anderen Gebäuden
ist der Zutritt verboten. Wir laufen wieder hoch zur Dorfstraße
und gehen noch ein wenig dieselbe entlang, treffen auf ein
paar kleine niedliche Dorfbewohner.
Nach einiger Zeit kommt doch tatsächlich ein Taxi des
Weges. Es ist mit drei alten Männern besetzt, wir quetschen
uns auf die Hinterbank und fahren bis zur Hauptstraße
mit. Von dort nehmen wir uns ein anderes Taxi, das uns zu
einem akzeptablen Preis nach Bafoussan und von dort zum 10
km entfernten Mifi-Wasserfall
bringt. Der Wasserfall fällt kurz hinter der Brücke,
die über den Fluss Mifi führt, ca. 30 m in die Tiefe.
Wir gehen erst rechts davon durch eine Bananenplantage und
sehen, dass genau auf der anderen Seite eine steinerne Treppe
hinab führt. Als wir diese erreichen, sehen wir, dass
die letzten 15 Stufen dieser Treppe zusammengestürzt
sind und es ziemlich gewagt wäre, da hinunter zu klettern.
Angeblich soll man eine kleine Höhle hinter dem Wasserfall
betreten können. Da mich Wasser und Wasserfälle
seit frühesten Kindertagen faszinieren, bekomme ich auch
die Hand vom Auslöser meines Fotoapparates nicht wieder
herunter. Der Wasserfall fällt tosend in ein wildes,
unzugänglich erscheinendes Tal. Ich bin wie immer bei
solchen Wassermassen schwer beeindruckt. Wir klettern die
halb verfallenen Treppen wieder hinauf zur Straße, wo
uns das Taxi abgesetzt hatte und laufen zurück nach Bafoussan.
Man sollte nicht zu dicht an der Fahrbahn laufen, denn die
Fahrzeuge fahren meist nur wenige Zentimeter mit einem Affenzahn
an uns vorbei. Nach ca. 2 km stoppen wir ein Buschtaxi. Es
ist ganz leer, mal von Fahrer und Beifahrer abgesehen. Wir
lassen uns bei einem zweistöckigen Gebäude absetzen,
an dessen Außenwand SUPERMARCHE in großen Lettern
steht. Es entpuppt sich allerdings als ein größerer
Tante-Emma-Laden. Wir kaufen uns Ölsardinen, Butter,
Käse und Getränke, da wir nicht im Hotel essen wollen.
Auf dem Rückweg besuchen wir in einem Hinterhof ein Internet-Office,
das erstaunlicherweise sehr gut eingerichtet ist und schicken
eine Mail nach Deutschland. Die Geschwindigkeit ist dank SAT-Verbindung
recht akzeptabel. Zurück im Hotel nehmen wir unsere "SUPERMARCHE"-Beute
zu uns und gehen anschließend ins Restaurant des Hotels.
Zur Verwunderung des Kellners wollen wir nicht zu Abend essen,
bestellen Cola und schreiben an unseren Reisenotizen. Wir
sind wieder mal die einzigen Gäste. Wieder im Zimmer,
schlafen wir schnell ein, ohne Mäuse und Kakerlaken.
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