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15. Tag, Donnerstag, 31.01.2002 Foumban - Bafoussan

1:00 Uhr nachts, Michael schlägt Alarm: "Sie kommen!" Ich frage: "Wer denn?", und denke an die Bamoun-Krieger, bin um meinen Unterkiefer besorgt, da mich diese Kriegssitte auch noch im Traum beeindruckt hatte. Nein, es raschelt links von uns. Wir fachsimpeln: Kakerlaken? Mäuse? Oder gar Ratten? Richtig beunruhigt wäre ich bei Ratten, denn die übertragen das gefährliche Lassafieber und sollen auch viel größer als die in Europa sein. Michael meint, es seien Mäuse. Unter dem geschlossenen Bettkasten hatte er nachmittags schon Mäusekot entdeckt. Ich tippe auf Kakerlaken, hatte schon nachmittags meine Schuhe an die Wand gehängt und meinen Rucksack verschlossen. Michael stellt seinen Rucksack auf einen Schemel, wir machen das Licht wieder aus. Es raschelt wieder - aus der Richtung seines Rucksacks! Jetzt wollen wir es wissen. Licht an! Wir räumen den Rucksack aus, ich stehe mit Trekkingstiefel in der einen und Klappmesser in der anderen Hand bereit. Nichts zu finden. Wir beschließen, das Licht anzulassen, vielleicht hilft das, wenn es sich um Kakerlaken handelt. Falls es Mäuse sind, haben die hoffentlich soviel Anstand, nicht ins Bett hochzukommen. Das Le Chalet entpuppt sich als echtes "Erlebnishotel"! Es sind noch 6 Stunden bis zum geplanten Aufstehen, wir sind müde und bringen es tatsächlich fertig, wieder einzuschlafen. Der Morgen bringt dann die Bestätigung beider Ungeziefer-Theorien: Auf dem verdreckten und baufälligen Minibalkon des Zimmers liegt eine mittelgroße Kakerlake und in der Ecke eine leere Anti-Mäusepulverschachtel. Wir bekommen nicht heraus, was uns nun wirklich in der Nacht belästigt hat. Schade.

Trotz verständlicher Vorbehalte frühstücken wir im Hotel. Ich möchte nicht wissen, wo und wie es zubereitet wurde und wie viel Kakis dabei zugeschaut haben! Nach dem Frühstück ver- lassen wir sofort das "Le Kaki", wie wir es von nun an nennen. Am Ausgang des Hotels empfängt uns der junge Mann, der uns gestern ein Taxi zum dreifachen Preis "vermittelt" hatte. Er glaubt, dass er uns heute die Stadt zeigen kann und das mit fast Null Englischkenntnissen. Er geht auf der roten Lehmstraße, die wir jetzt mit vollem Gepäck bis zur nächsten befahrenen Straße laufen, neben uns her. Ich halte ein Taxi an, platziere beide Rucksäcke großzügig auf der Rückbank, so dass nur Michael noch Platz findet und steige vorn ein. Somit ist kein Platz mehr für unseren ungebetenen Guide, der natürlich auch dieses Taxi vermitteln wollte. Dafür kostet die Fahrt bis zum Buschtaxi-Stand aber auch nur 500 CFA. Wir sind noch nicht aus dem Taxi raus, da brüllen uns die Werber auch schon ins Ohr, wollen wissen, wo wir hinwollen. Einer von ihnen bringt uns zu einem schon fast voll gestopften Kleinbus, der nach Bafoussan fährt. Wir können es kaum glauben, die vorderen Sitzplätze neben der Schiebetür sind noch frei!

Wir legen schnell unsere Daypacks auf die Sitze. Michael geht um das Buschtaxi herum und zeigt mir, wer heute noch mitfährt: zwei mittelgroße lebende Hausschweine! Die liegen in Basttaschen eingeschlagen auf dem Boden und warten auf die Verladung. Den Slogan "Essen auf Rädern" scheint man hier auch zu kennen. Die Schweine werden an den Haxen zusammengebunden und schwungvoll auf den Dachgepäckträger hochgereicht und dort abgelegt. Ein Schwein grunzt ein wenig, vielleicht stehen beide unter Drogen oder reisen öfters mal durch die Gegend und sind dergleichen gewohnt. Ein älterer, sehr gut gekleideter Herr grüßt uns herzlich und wünscht uns einen schönen Tag und eine gute Weiterreise, ist einfach nur freundlich. Der Kleinbus ist abfahrbereit, wir fahren los. Unterwegs wieder die üblichen Polizeikontrollen. Hier errichten die Beamten richtige Straßensperren! Auf der einen Seite der Fahrbahn blockieren große Feldsteine die Weiterfahrt, auf der anderen Seite ein selbst gebautes Nagelbrett, welches ein Helfer zurückzieht, wenn ein Fahrzeug passieren darf. Das Ganze erscheint mir eine kamerunische Spielart der deutschen ABM zu sein.

Es werden stets nur die Papiere des Fahrers, ganz selten die der Passagiere kontrolliert. Der Fahrer geht ganz schön in die Kurven, den beiden Schweinen über uns ist sicher schon kotzübel. Aber zwischen meinem Rucksack und den beiden Tieren sind zum Glück noch ein paar andere Gepäckstücke verstaut! In Bafoussan angekommen nehmen wir uns ein Taxi, Ziel ist das "Palace Garden". Der Fahrer fährt uns zu einer Bauruine am Stadtrand. Das kann es ja wohl nicht sein! Auch das nächste Hotel "Le Paradies" entspricht nicht der Beschreibung im Reisehandbuch. Es ist noch weiter außerhalb gelegen und über einen langen staubigen Lehmweg zu erreichen, ähnlich wie das "Le Kaki" in Foumban. Hier kommt nicht mal ein Taxi vorbei, wir lehnen ab. Wir lassen uns zurück an die Hauptstraße fahren, finden dort das "Sare Hotel". Das Hotel liegt nur 300 m abseits der Hauptstraße, ist sehr ruhig und für afrikanische Verhältnisse in dieser Preislage recht ordentlich. Wir bekommen ein schönes gemauertes Boukarou, die Suche hat ein Ende - wir haben noch viel vor heute. Nach dem Check In gehen wir sofort zurück zur Hauptstraße und nehmen uns ein Taxi. Wir wollen nach Bandjoun in die Chefferie, die der bedeutendste und schönste noch erhaltene Fon-Palast des Bamileke-Landes sein soll. Das kleine Volk der Bandjoun hat eine eigene Dynastie innerhalb der Bamileke-Volksgruppe hervorgebracht - wir sind gespannt und hoffen nach den guten Erfahrungen mit dem Palast in Bamoun auf Ähnliches. Der Palast liegt etwas abgelegen von der Hauptstraße, der Fahrer verlangt 5000 CFA, wenn er warten soll. Wir lehnen ab, werden sicher auch so irgendwie zurückkommen. In der ganzen Chefferie sieht man keinen Menschen, nur zwei Jugendliche, die hier Besucher begrüßen und auch gleich üppige Eintrittsgelder fordern (2000 CFA pro Person, pro Fotoapparat noch mal 1500). Das prächtige Versammlungshaus ist etwa 200 Jahre alt, 15 m hoch und wurde von Häuptling Nghoto erbaut. Es weist sehr schöne Holzschnitzereien an den zahlreichen Säulen auf, die um das ganze Gebäude herum die Dachkonstruktion und das dicke Grasdach tragen.

Das alte Palastgebäude ist ganz aus Lehm und Bambus erbaut. Im Inneren des Versammlungshauses ist es angenehm kühl. Um einen runden Raum herum gibt es mehrere enge Gänge und kleinere Räume. Allerdings ist alles leer, keine Gebrauchsgegenstände, keine Möbel sind zu sehen. Der Fon soll hier allerdings noch Beratungen abhalten, obwohl er jetzt in einer riesigen klobigen Beton-Villa mit 50 Zimmern rechts vom Versammlungshaus wohnt. Ich steige auf einer sehr wackligen Leiter bis auf den Zwischenboden des Hauptraumes in ca. 10 m Höhe, aber dort ist auch nichts Besonderes zu sehen. Wir schauen uns das kleine Palastmuseum an. Hier gibt es eine Menge sehr seltener und sicher sehr wertvoller Exponate aus der Geschichte der Chefferie. Leider steht alles ein wenig arg gedrängt herum und nur wenige Ausstellungsstücke sind beschriftet. Gleich neben dem neuen Betonpalast steht jedoch schon ein neues Gebäude, ebenfalls reiner Beton, schmucklos und ohne nennenswerte traditionelle Architekturmerkmale. Hierher soll das kleine Museum demnächst umziehen. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass der aktuelle Fon zur Zeit 60 Frauen und 352 Kinder hat und 56 Jahre alt ist. Da braucht der Fon sicher die saftigen Eintrittsgelder, allerdings hat er sicher auch genug andere Einnahmen, die ihm und den Seinen einen angenehmen Lebensstil ermöglichen. Wir streifen noch ein wenig auf dem Gelände herum, einer der beiden Jugendlichen ist bereits gegangen, der andere begleitet uns.

Weit kommen wir nicht, bei den meisten anderen Gebäuden ist der Zutritt verboten. Wir laufen wieder hoch zur Dorfstraße und gehen noch ein wenig dieselbe entlang, treffen auf ein paar kleine niedliche Dorfbewohner. Nach einiger Zeit kommt doch tatsächlich ein Taxi des Weges. Es ist mit drei alten Männern besetzt, wir quetschen uns auf die Hinterbank und fahren bis zur Hauptstraße mit. Von dort nehmen wir uns ein anderes Taxi, das uns zu einem akzeptablen Preis nach Bafoussan und von dort zum 10 km entfernten Mifi-Wasserfall bringt. Der Wasserfall fällt kurz hinter der Brücke, die über den Fluss Mifi führt, ca. 30 m in die Tiefe. Wir gehen erst rechts davon durch eine Bananenplantage und sehen, dass genau auf der anderen Seite eine steinerne Treppe hinab führt. Als wir diese erreichen, sehen wir, dass die letzten 15 Stufen dieser Treppe zusammengestürzt sind und es ziemlich gewagt wäre, da hinunter zu klettern. Angeblich soll man eine kleine Höhle hinter dem Wasserfall betreten können. Da mich Wasser und Wasserfälle seit frühesten Kindertagen faszinieren, bekomme ich auch die Hand vom Auslöser meines Fotoapparates nicht wieder herunter. Der Wasserfall fällt tosend in ein wildes, unzugänglich erscheinendes Tal. Ich bin wie immer bei solchen Wassermassen schwer beeindruckt. Wir klettern die halb verfallenen Treppen wieder hinauf zur Straße, wo uns das Taxi abgesetzt hatte und laufen zurück nach Bafoussan.

Man sollte nicht zu dicht an der Fahrbahn laufen, denn die Fahrzeuge fahren meist nur wenige Zentimeter mit einem Affenzahn an uns vorbei. Nach ca. 2 km stoppen wir ein Buschtaxi. Es ist ganz leer, mal von Fahrer und Beifahrer abgesehen. Wir lassen uns bei einem zweistöckigen Gebäude absetzen, an dessen Außenwand SUPERMARCHE in großen Lettern steht. Es entpuppt sich allerdings als ein größerer Tante-Emma-Laden. Wir kaufen uns Ölsardinen, Butter, Käse und Getränke, da wir nicht im Hotel essen wollen. Auf dem Rückweg besuchen wir in einem Hinterhof ein Internet-Office, das erstaunlicherweise sehr gut eingerichtet ist und schicken eine Mail nach Deutschland. Die Geschwindigkeit ist dank SAT-Verbindung recht akzeptabel. Zurück im Hotel nehmen wir unsere "SUPERMARCHE"-Beute zu uns und gehen anschließend ins Restaurant des Hotels. Zur Verwunderung des Kellners wollen wir nicht zu Abend essen, bestellen Cola und schreiben an unseren Reisenotizen. Wir sind wieder mal die einzigen Gäste. Wieder im Zimmer, schlafen wir schnell ein, ohne Mäuse und Kakerlaken.

 
     
 
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