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Nach einer Ungeziefer-freien und durchschlafenen Nacht bestellen
wir ein einfaches Frühstück ohne Omelette. Der Kellner
schaut ein wenig sauer - wieder kein Umsatz! Und als Michael
auch noch seinen Käse von gestern Abend auspackt, steht
ihm der Missmut ins Gesicht geschrieben. Wir verlassen nach
dem Frühstück das "Le Sare" , laufen die
ca. 300 m bis zur Hauptstraße und stoppen ein Taxi.
Noch während wir unser Gepäck in den wie immer sehr
schmutzigen Kofferraum packen, fragt uns ein auf der Rückbank
sitzender Fahrgast in deutsch, ob wir aus Deutschland kommen.
Der etwa 40-jährige Mann stellt sich als Direktor einer
Grundschule in Bafoussan vor und zeigt uns diese auch, als
wir daran vorbeifahren. Er hatte wie viele andere Kameruner,
die wir bisher kennen gelernt haben, Deutsch als Wahlfach
in der Secondary School. Er hat vier Kinder, zwei Jungen und
zwei Mädchen und meint, dass man in Kamerun die Deutschen
meist schätze. Das liegt natürlich am Fußball
und an der wirtschaftlichen Stärke, die man in Kamerun
auch gern hätte. Erstaunlich, was der Mann (43) nach
ca. 25 Jahren noch so an deutschen Vokabeln drauf hat! Wir
unterhalten uns aber trotzdem in Englisch weiter, da dies
für ihn einfacher ist. Solche Kontakte zur Bevölkerung,
zu interessanten Menschen bekommt man sicher nur schwer in
Reisegruppen oder wenn man isoliert von den Einheimischen
im Geländewagen das Land erkundet. Nach einigen Minuten
stoppt das Taxi und der Schuldirektor verabschiedet sich herzlich
von uns.
Am Buschtaxi-Stand werden wir wie üblich lautstark von
den Werbern der verschiedenen Kleinunternehmen in Empfang
genommen. Jeder will unser Gepäck aus dem Kofferraum
ziehen und uns an seinen Ticketstand bringen. Wie immer lassen
wir dies nicht zu, suchen uns selbst ein Unternehmen aus,
tragen unser Gepäck allein. 2500 pro Person bis Douala
- wir versuchen im ausgewählten Kleinbus einen Platz
weit vorn beim Fahrer zu ergattern. Ein Träger meint,
ich könne mich rechts hinter den Fahrer setzen. Kurze
Zeit später reklamiert eine junge Frau diesen Platz für
sich, obwohl sie denselben nicht, wie sonst üblich, mit
einem Gepäckstück reserviert hat. Ich bleibe aus
diesem Grunde sitzen. Sie steigt aus, holt einen anderen Träger,
der mir mit Handzeichen bedeutet, dass ich mir doch einen
anderen Platz suchen solle. Ich schaue etwas grimmig, schimpfe
ein wenig, räume aber den Platz, da ich den Sachverhalt
nicht in Französisch erklären kann. Der erste Träger
meint jetzt, dass wir beide vorn beim Fahrer auf dem Beifahrersitz
Platz nehmen sollen. Bingo! Das ist der Platz mit der besten
Aussicht! Ich schaue noch mal triumphierend zu der lästigen
Sitzplatzbesetzerin rüber und sage in Deutsch: "So
kann's kommen, Du Gewitterziege!"
Wir warten noch ca. 15 Minuten bis zur Abfahrt und laufen
natürlich erst einmal eine Tankstelle an. Mir ist allerdings
nicht so ganz klar, warum während der gesamten Wartezeit
(30 Minuten) der Motor laufen musste. Wir verlassen Bafoussan
durch einige ärmliche Vororte, Müllverbrennung am
Straßenrand, die üblichen Polizeikontrollen am
Stadtrand. Auf dem Weg zurück nach Douala gibt es wieder
eine Vielzahl von Kontrollen, durch viele werden wir jedoch
durchgewunken. Etwa 80 km vor Douala erleben wir zum ersten
Mal eine komplette Passkontrolle aller Fahrgäste. Sofort
werden wir von kleinen Händlern umringt, die Beutel mit
Paranüssen, Mangos, Erdnüssen und Ananas vor unsere
Nasen schwenken. Wir kaufen uns zwei Beutel mit Ananasstücken,
die sehr lecker und erfrischend schmecken. Die Haltestelle
in Douala liegt wieder sehr weit draußen in den Slums,
genau an der Stelle, von wo wir vor ein paar Tagen aus nach
Bafang aufgebrochen waren. Wir entreißen eifrigen Trägern
unsere Rücksäcke, gehen in die Bretterbude, wo wir
vor Tagen unsere Fahrscheine kauften und trinken eine lauwarme
Cola. Michael sucht ein WC, bekommt einen Schlüssel.
Als er zurückkommt sagt er, dass man da nur mit einer
Atemschutzmaske reingehen sollte.
Dann muss man noch ca. 4-5 recht große Geckos verscheuchen.
Da habe ich jetzt nicht so die Lust dazu und pinkel lieber
gleich draußen hin. Auch ich sehe die Geckos, die sich
mal kurz in die Sonne legen, um dann wieder im Toilettenhäuschen
zu verschwinden. Wir nehmen uns ein Taxi, dass uns zu einem
Bus nach Kribi bringen soll. Die Busstation liegt mitten in
der Stadt, ca. 10 km entfernt. Das Busunternehmen hat sogar
einen Warteraum, heruntergekommen mit uralten Sesseln, Stühlen,
großen Ventilatoren und einer Bar. Sieht alles so aus,
wie in einem dieser alten Abenteuerfilme, wo der Held in einem
heruntergekommenen Kaff immer auf irgendwas oder irgendwen
wartet. Ich finde es sehr interessant. Wir kaufen die Tickets
nach Kribi (Hier ist wieder der Reisepass notwendig.), unser
Gepäck sollen wir hier irgendwo abstellen, es wird nachher
zum Bus herausgebracht. Wir trinken noch eine lauwarme Cola
an der kleinen uralten Bar. Das Gepäck wird nicht zum
Bus befördert, wir nehmen es auf und gehen nach draußen.
Das Gepäck der anderen Fahrgäste ist schon verladen,
ein Träger öffnet für uns noch einmal den Kofferraum
unter dem Bus. Wir sehen einige riesige Spinnen und viele
Ameisen und nehmen daher die Rucksäcke lieber mit in
den Bus. Wir sehen seit einigen Tagen wieder einmal einen
Weißen und sitzen im Bus ganz hinten direkt neben ihm.
Er heißt Peter, ist Schweizer und Chefsteward bei der
swissair.
Er ist mit der Linienmaschine aus Zürich (wie wir auch)
gekommen und hat jetzt 3 Tage frei. Er und der Rest der Crew
wollen die 3 Tage in Kribi, bekannt für seine meist menschenleeren
Traumstrände, verbringen. Er hat sich allerdings abgesondert,
da er keine Lust hat, mit den ihm allseits bekannten Kollegen
gemeinsam zu fahren. Ihn begleitet ein junger muskulöser
Schwarzer. Er meint, dass sei der Playboy vom Dienst, der
kenne sich in Kribi aus, wisse wo die besten Tanzlokale sind
etc. Kurz nach Abfahrt des Busses beginnt SwissAir-Peter mit
dem Verteilen von Snacks und Getränken, die er aus dem
Flieger mitgeschleppt hat, an alle in seiner Reichweite sitzenden
Personen. Er spricht perfekt Französisch und kommt so
mit den Leuten ein wenig ins Gespräch. Wir unterhalten
uns auch mit ihm, allerdings in Deutsch. Mich interessieren
die Hintergründe der SwissAir-Pleite. Er ist seit 25
Jahren bei dieser Fluggesellschaft, kennt fast die ganze Welt,
hat überall Freunde und Bekannte, so auch in Douala.
Sagt er jedenfalls. Im Oktober wurden bereits 5000 Mitarbeiter
entlassen, die private Gesellschaft soll allerdings vom Staat
(Kreuz-Symbol = Prestige) und einigen Banken aufgefangen werden
und künftig nur noch Swiss heißen. Grund für
das Desaster sei ein größenwahnsinniger Konzernchef,
der aus der SwissAir eine führende Global-Player-Airline
machen wollte und dabei 17 Mrd. Franken in den Sand gesetzt
habe. Bei einem Stopp sagt er zur mir, da ich näher am
Fenster sitze, dass ich einem fliegenden Händler 4 Flaschen
Grapefruit-Limonade abkaufen solle. Die Flaschen sehen aus,
wie die handelsüblichen Limonaden mit Etikett und Schraubverschluss.
Sein Begleiter sieht es aber auf den ersten Blick - hier wurde
nur nachgefüllt, selbstgemachte Limonade. Die Schraubverschlüsse
sind nicht versiegelt. Diese Getränke solle man tunlichst
nicht trinken, denn niemand wisse, wo das Wasser herstamme.
Das wäre nur etwas für das "einheimische Pack",
meint er verächtlich. So tragisch sehen wir das nicht,
dafür kann sich jemand heute Abend für den Erlös
was zu Essen kaufen. Die Straße von Douala über
Edea nach Kribi (175 km) ist sehr gut ausgebaut, der Bus kommt
schnell vorwärts, zumal er auch meist durch die Straßenkontrollen
durchgelassen wird. In Kribi angekommen, nehmen wir mit Peter
und seinem Begleiter gemeinsam ein Taxi. Wir wollen zur "Auberge
Annette", welche direkt am Strand etwas außerhalb
von Kribi liegt. Peter möchte ein etwas mehr im Zentrum
gelegenes Hotel suchen. Wir klappern einige Hotels ab. Aber
entweder sind sie ihm zu teuer oder zu abgelegen. Da es langsam
dunkel wird, bestehen wir darauf, unsere aus dem Reiseführer
gewählte preiswerte Auberge anzufahren. Wir fahren dann
auch dorthin, nachdem wir in ein anderes Taxi umgestiegen
sind, da der Fahrer illegal fährt und er Angst hat, am
Stadtrand in eine Polizei- oder Militärkontrolle zu kommen.
Das Hotel heißt jetzt nicht mehr "Auberge Annette",
sondern nennt sich "Thy-Breiz", und die Preise stimmen
auch nicht mehr. Wir schauen uns das billigste Zimmer an,
es sieht zwar nicht besonders einladend aus, aber es ist sauber.
Peter meint, das sei nichts für ihn. Wir nehmen es trotzdem.
Ich frage den Schweizer, wie viel wir ihn für das Taxi
schulden. Er meint, er "offeriere" es uns, wir brauchen
nichts zu zahlen. Wir verabschieden uns, Peter und sein Begleiter
fahren in die Stadt zurück. Wir fragen einen Hotelangestellten,
was denn das nächst bessere Zimmer kosten würde.
Der Preis verdoppelt sich gegenüber dem von uns gewählten
Zimmer, aber er hat noch eines, bei dem die Klimaanlage nicht
funktioniert. Das können wir mit einem ordentlichen Preisnachlass
haben. Wir willigen ein, sprühen uns mit Deet-Anti-Mückenkampfstoff
reichlich ein und ziehen bei dieser entsetzlichen Hitze lange
Bekleidung an, da es hier von Mücken und sonstigen Insekten
wimmelt und der Dschungel nicht weit entfernt ist. Wir verlassen
das recht winzige Zimmer und gehen hinunter auf die kleine
Terrasse des Hotels, die keine 10 Meter vom Atlantik entfernt
liegt.
Wir bestellen Spaghetti und Cola. Der Strand ist nicht beleuchtet.
In der Ferne sieht man ein Feuer, um das ein paar Fischer
sitzen. Ab und an kommt ein Hund bis an die Terrasse. Weit
draußen vor der Küste sieht man ein großes
Handelsschiff ankern, der Hafen von Kribi ist zu klein für
diese Riesenschiffe. Verladen werden hier hauptsächlich
Tropenholz und Kakao. Plötzlich nähert sich uns
ein kleines Schimpansen-Baby.
Es kratzt sich an Bauch und Knie und schaut gar niedlich zu
uns herauf. Nach etwa 5 Minuten hängt es sich an Michaels
Stuhl, pinkelt in Seelenruhe und macht noch ein etwas größeres
Geschäft. Dann setzt es sich auf seine Hose und schaut
ihn an, wobei die Hose als willkommener WC-Papier-Ersatz dient.
Eine Angestellte will den kleinen Affen entfernen, doch der
regt sich tierisch auf und tobt. Von einem anderen Angestellten
lässt er sich schließlich wegtragen. Gegen 22 Uhr
kommen ein paar Uniformierte einer privaten Wachmannschaft,
da das Hotel ein wenig außerhalb liegt. Wir bleiben
noch bis Mitternacht auf der Terrasse, schauen noch lange
auf das Meer hinaus, diskutieren über das bisher Erlebte,
genießen die tropische Nacht, den sternenklaren Himmel,
die Geräusche aus dem nahen Dschungel.
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