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16. Tag, Freitag, 01.02.2002 Bafoussan - Douala - Kribi

Nach einer Ungeziefer-freien und durchschlafenen Nacht bestellen wir ein einfaches Frühstück ohne Omelette. Der Kellner schaut ein wenig sauer - wieder kein Umsatz! Und als Michael auch noch seinen Käse von gestern Abend auspackt, steht ihm der Missmut ins Gesicht geschrieben. Wir verlassen nach dem Frühstück das "Le Sare" , laufen die ca. 300 m bis zur Hauptstraße und stoppen ein Taxi. Noch während wir unser Gepäck in den wie immer sehr schmutzigen Kofferraum packen, fragt uns ein auf der Rückbank sitzender Fahrgast in deutsch, ob wir aus Deutschland kommen. Der etwa 40-jährige Mann stellt sich als Direktor einer Grundschule in Bafoussan vor und zeigt uns diese auch, als wir daran vorbeifahren. Er hatte wie viele andere Kameruner, die wir bisher kennen gelernt haben, Deutsch als Wahlfach in der Secondary School. Er hat vier Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen und meint, dass man in Kamerun die Deutschen meist schätze. Das liegt natürlich am Fußball und an der wirtschaftlichen Stärke, die man in Kamerun auch gern hätte. Erstaunlich, was der Mann (43) nach ca. 25 Jahren noch so an deutschen Vokabeln drauf hat! Wir unterhalten uns aber trotzdem in Englisch weiter, da dies für ihn einfacher ist. Solche Kontakte zur Bevölkerung, zu interessanten Menschen bekommt man sicher nur schwer in Reisegruppen oder wenn man isoliert von den Einheimischen im Geländewagen das Land erkundet. Nach einigen Minuten stoppt das Taxi und der Schuldirektor verabschiedet sich herzlich von uns.

Am Buschtaxi-Stand werden wir wie üblich lautstark von den Werbern der verschiedenen Kleinunternehmen in Empfang genommen. Jeder will unser Gepäck aus dem Kofferraum ziehen und uns an seinen Ticketstand bringen. Wie immer lassen wir dies nicht zu, suchen uns selbst ein Unternehmen aus, tragen unser Gepäck allein. 2500 pro Person bis Douala - wir versuchen im ausgewählten Kleinbus einen Platz weit vorn beim Fahrer zu ergattern. Ein Träger meint, ich könne mich rechts hinter den Fahrer setzen. Kurze Zeit später reklamiert eine junge Frau diesen Platz für sich, obwohl sie denselben nicht, wie sonst üblich, mit einem Gepäckstück reserviert hat. Ich bleibe aus diesem Grunde sitzen. Sie steigt aus, holt einen anderen Träger, der mir mit Handzeichen bedeutet, dass ich mir doch einen anderen Platz suchen solle. Ich schaue etwas grimmig, schimpfe ein wenig, räume aber den Platz, da ich den Sachverhalt nicht in Französisch erklären kann. Der erste Träger meint jetzt, dass wir beide vorn beim Fahrer auf dem Beifahrersitz Platz nehmen sollen. Bingo! Das ist der Platz mit der besten Aussicht! Ich schaue noch mal triumphierend zu der lästigen Sitzplatzbesetzerin rüber und sage in Deutsch: "So kann's kommen, Du Gewitterziege!"

Wir warten noch ca. 15 Minuten bis zur Abfahrt und laufen natürlich erst einmal eine Tankstelle an. Mir ist allerdings nicht so ganz klar, warum während der gesamten Wartezeit (30 Minuten) der Motor laufen musste. Wir verlassen Bafoussan durch einige ärmliche Vororte, Müllverbrennung am Straßenrand, die üblichen Polizeikontrollen am Stadtrand. Auf dem Weg zurück nach Douala gibt es wieder eine Vielzahl von Kontrollen, durch viele werden wir jedoch durchgewunken. Etwa 80 km vor Douala erleben wir zum ersten Mal eine komplette Passkontrolle aller Fahrgäste. Sofort werden wir von kleinen Händlern umringt, die Beutel mit Paranüssen, Mangos, Erdnüssen und Ananas vor unsere Nasen schwenken. Wir kaufen uns zwei Beutel mit Ananasstücken, die sehr lecker und erfrischend schmecken. Die Haltestelle in Douala liegt wieder sehr weit draußen in den Slums, genau an der Stelle, von wo wir vor ein paar Tagen aus nach Bafang aufgebrochen waren. Wir entreißen eifrigen Trägern unsere Rücksäcke, gehen in die Bretterbude, wo wir vor Tagen unsere Fahrscheine kauften und trinken eine lauwarme Cola. Michael sucht ein WC, bekommt einen Schlüssel. Als er zurückkommt sagt er, dass man da nur mit einer Atemschutzmaske reingehen sollte.

Dann muss man noch ca. 4-5 recht große Geckos verscheuchen. Da habe ich jetzt nicht so die Lust dazu und pinkel lieber gleich draußen hin. Auch ich sehe die Geckos, die sich mal kurz in die Sonne legen, um dann wieder im Toilettenhäuschen zu verschwinden. Wir nehmen uns ein Taxi, dass uns zu einem Bus nach Kribi bringen soll. Die Busstation liegt mitten in der Stadt, ca. 10 km entfernt. Das Busunternehmen hat sogar einen Warteraum, heruntergekommen mit uralten Sesseln, Stühlen, großen Ventilatoren und einer Bar. Sieht alles so aus, wie in einem dieser alten Abenteuerfilme, wo der Held in einem heruntergekommenen Kaff immer auf irgendwas oder irgendwen wartet. Ich finde es sehr interessant. Wir kaufen die Tickets nach Kribi (Hier ist wieder der Reisepass notwendig.), unser Gepäck sollen wir hier irgendwo abstellen, es wird nachher zum Bus herausgebracht. Wir trinken noch eine lauwarme Cola an der kleinen uralten Bar. Das Gepäck wird nicht zum Bus befördert, wir nehmen es auf und gehen nach draußen. Das Gepäck der anderen Fahrgäste ist schon verladen, ein Träger öffnet für uns noch einmal den Kofferraum unter dem Bus. Wir sehen einige riesige Spinnen und viele Ameisen und nehmen daher die Rucksäcke lieber mit in den Bus. Wir sehen seit einigen Tagen wieder einmal einen Weißen und sitzen im Bus ganz hinten direkt neben ihm. Er heißt Peter, ist Schweizer und Chefsteward bei der swissair.

Er ist mit der Linienmaschine aus Zürich (wie wir auch) gekommen und hat jetzt 3 Tage frei. Er und der Rest der Crew wollen die 3 Tage in Kribi, bekannt für seine meist menschenleeren Traumstrände, verbringen. Er hat sich allerdings abgesondert, da er keine Lust hat, mit den ihm allseits bekannten Kollegen gemeinsam zu fahren. Ihn begleitet ein junger muskulöser Schwarzer. Er meint, dass sei der Playboy vom Dienst, der kenne sich in Kribi aus, wisse wo die besten Tanzlokale sind etc. Kurz nach Abfahrt des Busses beginnt SwissAir-Peter mit dem Verteilen von Snacks und Getränken, die er aus dem Flieger mitgeschleppt hat, an alle in seiner Reichweite sitzenden Personen. Er spricht perfekt Französisch und kommt so mit den Leuten ein wenig ins Gespräch. Wir unterhalten uns auch mit ihm, allerdings in Deutsch. Mich interessieren die Hintergründe der SwissAir-Pleite. Er ist seit 25 Jahren bei dieser Fluggesellschaft, kennt fast die ganze Welt, hat überall Freunde und Bekannte, so auch in Douala. Sagt er jedenfalls. Im Oktober wurden bereits 5000 Mitarbeiter entlassen, die private Gesellschaft soll allerdings vom Staat (Kreuz-Symbol = Prestige) und einigen Banken aufgefangen werden und künftig nur noch Swiss heißen. Grund für das Desaster sei ein größenwahnsinniger Konzernchef, der aus der SwissAir eine führende Global-Player-Airline machen wollte und dabei 17 Mrd. Franken in den Sand gesetzt habe. Bei einem Stopp sagt er zur mir, da ich näher am Fenster sitze, dass ich einem fliegenden Händler 4 Flaschen Grapefruit-Limonade abkaufen solle. Die Flaschen sehen aus, wie die handelsüblichen Limonaden mit Etikett und Schraubverschluss. Sein Begleiter sieht es aber auf den ersten Blick - hier wurde nur nachgefüllt, selbstgemachte Limonade. Die Schraubverschlüsse sind nicht versiegelt. Diese Getränke solle man tunlichst nicht trinken, denn niemand wisse, wo das Wasser herstamme.

Das wäre nur etwas für das "einheimische Pack", meint er verächtlich. So tragisch sehen wir das nicht, dafür kann sich jemand heute Abend für den Erlös was zu Essen kaufen. Die Straße von Douala über Edea nach Kribi (175 km) ist sehr gut ausgebaut, der Bus kommt schnell vorwärts, zumal er auch meist durch die Straßenkontrollen durchgelassen wird. In Kribi angekommen, nehmen wir mit Peter und seinem Begleiter gemeinsam ein Taxi. Wir wollen zur "Auberge Annette", welche direkt am Strand etwas außerhalb von Kribi liegt. Peter möchte ein etwas mehr im Zentrum gelegenes Hotel suchen. Wir klappern einige Hotels ab. Aber entweder sind sie ihm zu teuer oder zu abgelegen. Da es langsam dunkel wird, bestehen wir darauf, unsere aus dem Reiseführer gewählte preiswerte Auberge anzufahren. Wir fahren dann auch dorthin, nachdem wir in ein anderes Taxi umgestiegen sind, da der Fahrer illegal fährt und er Angst hat, am Stadtrand in eine Polizei- oder Militärkontrolle zu kommen. Das Hotel heißt jetzt nicht mehr "Auberge Annette", sondern nennt sich "Thy-Breiz", und die Preise stimmen auch nicht mehr. Wir schauen uns das billigste Zimmer an, es sieht zwar nicht besonders einladend aus, aber es ist sauber. Peter meint, das sei nichts für ihn. Wir nehmen es trotzdem. Ich frage den Schweizer, wie viel wir ihn für das Taxi schulden. Er meint, er "offeriere" es uns, wir brauchen nichts zu zahlen. Wir verabschieden uns, Peter und sein Begleiter fahren in die Stadt zurück. Wir fragen einen Hotelangestellten, was denn das nächst bessere Zimmer kosten würde. Der Preis verdoppelt sich gegenüber dem von uns gewählten Zimmer, aber er hat noch eines, bei dem die Klimaanlage nicht funktioniert. Das können wir mit einem ordentlichen Preisnachlass haben. Wir willigen ein, sprühen uns mit Deet-Anti-Mückenkampfstoff reichlich ein und ziehen bei dieser entsetzlichen Hitze lange Bekleidung an, da es hier von Mücken und sonstigen Insekten wimmelt und der Dschungel nicht weit entfernt ist. Wir verlassen das recht winzige Zimmer und gehen hinunter auf die kleine Terrasse des Hotels, die keine 10 Meter vom Atlantik entfernt liegt.

Wir bestellen Spaghetti und Cola. Der Strand ist nicht beleuchtet. In der Ferne sieht man ein Feuer, um das ein paar Fischer sitzen. Ab und an kommt ein Hund bis an die Terrasse. Weit draußen vor der Küste sieht man ein großes Handelsschiff ankern, der Hafen von Kribi ist zu klein für diese Riesenschiffe. Verladen werden hier hauptsächlich Tropenholz und Kakao. Plötzlich nähert sich uns ein kleines Schimpansen-Baby. Es kratzt sich an Bauch und Knie und schaut gar niedlich zu uns herauf. Nach etwa 5 Minuten hängt es sich an Michaels Stuhl, pinkelt in Seelenruhe und macht noch ein etwas größeres Geschäft. Dann setzt es sich auf seine Hose und schaut ihn an, wobei die Hose als willkommener WC-Papier-Ersatz dient. Eine Angestellte will den kleinen Affen entfernen, doch der regt sich tierisch auf und tobt. Von einem anderen Angestellten lässt er sich schließlich wegtragen. Gegen 22 Uhr kommen ein paar Uniformierte einer privaten Wachmannschaft, da das Hotel ein wenig außerhalb liegt. Wir bleiben noch bis Mitternacht auf der Terrasse, schauen noch lange auf das Meer hinaus, diskutieren über das bisher Erlebte, genießen die tropische Nacht, den sternenklaren Himmel, die Geräusche aus dem nahen Dschungel.

 
     
 
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