|
Nach dem üblichen Frühstück (Tonnen von Baguettes
+ eine Streichholzschachtel voll Butter + Konfitüre)
ziehen wir sofort los. Ziel sind die Wasserfälle, über
die der Fluss Lobe in den Atlantik stürzt. Laut Auskunft
des Hotelbesitzers sollen es bis dahin ca. 8 km am Strand
und ca. 12 km über die Dschungelpiste sein. Wir wählen
den Strand und laufen barfuß, was man eigentlich nicht
tun sollte. Der Strand
ist fast menschenleer, ab und an begegnen wir ein paar Fischern,
die mit ihren Pirogen auf das Meer hinausfahren oder uns ihren
Fang anbieten. Kleine Kinder sammeln Früchte und zerklopfen
dieselben mit Steinen, um an das Fruchtfleisch heranzukommen.
Der Regenwald reicht meist bis an den Strand heran, was man
in Westafrika ganz selten noch zu sehen bekommt. Ab und an
sehen wir ein paar kleine private Chalets oder Hotels, einige
davon sind jedoch nur Bauruinen, von Massentourismus Gott
sei Dank Lichtjahre entfernt. Nach ca. 5 Kilometern verschwindet
auch das letzte Anwesen, der fast ohnehin herrlich einsame
Strand wird noch einsamer. Oft müssen wir eine Kletterpartie
wagen, da riesige Felsen den Weg versperren. Von diesen Felsen
bietet sich meist ein herrlicher Ausblick über größere
Strandabschnitte, die Ausläufer
des Regenwaldes und die Brandung des Atlantiks. Bei einigen
Felsen muss man schon sehr gut aufpassen, um nicht abzurutschen.
Je näher wir den Wasserfällen kommen, um so öfter
werden wir von jungen Männern angesprochen, die uns in
ihre "Fresh-Fish-Restaurants" lotsen oder uns eine
Motorpiroge für den Lobe vermitteln wollen. Die "Restaurants"
sind dürftige, aus Bambusstäben gezimmerte Hütten.
Die Shrimps oder Langusten bekommt man bei einer Fischerfamilie
sicher günstiger und ebenfalls zubereitet. Wir sagen,
dass wir nicht zum Essen hierher gekommen sind und das wir
unser eigenes Programm haben und daher keinen Guide benötigen.
Vor den Pirogenfahrten den Lobe hoch zu den Pygmäen-Camps
warnt schon der Reiseführer. Mal von den hohen Preisen
für die Pirogen abgesehen ist es mehr ein deprimierendes
Erlebnis für beide Seiten, die Pygmäenlager zu besuchen.
Zumal es sich in diesen Camps um keine reinen Pygmäen
handelt, da diese sich schon stark mit der Bantu-Bevölkerung
vermischt haben. Pygmäen sind Jäger und Sammler
und leben normalerweise im Dschungel, man bekommt sie nur
sehr selten zu sehen. Sehr authentisch kann so ein Besuch
in den Camps, die meist nur für Touristen existieren,
dann ja wohl nicht sein. Wir verzichten daher darauf. Für
einen Trip in den Dschungel haben wir nicht die Ausrüstung
und die notwendige Zeit. Ein junger Mensch läuft 10 Minuten
neben uns her. Obwohl wir ihm mehrmals zu verstehen geben,
dass wir kaum ein Wort Französisch verstehen, redet er
pausenlos auf uns ein. Wir verstehen immer nur "fresh
fish" und "Pygmäen". Ein "Danke Nein"
akzeptiert er weder in Französisch noch in Englisch.
Ich verstehe ja, dass hier relativ selten Touristen vorbei
kommen, diese meist die einzige Einnahmequelle sind. Ich sehe
auch die Armut, aber ich kann nicht jedem Einheimischen etwas
abkaufen. Michael meint, dass es in anderen afrikanischen
Staaten noch viel schlimmer zugeht. Etwa einen Kilometer vor
den Wasserfällen, wir können sie schon sehen, bietet
sich wieder ein junger Mann als Guide an. Es würde um
die Fälle herum Banditen geben und es wäre besser,
wenn wir ihn als Führer nehmen würden. Wir lehnen
ab. Das Touristen hier ab und an überfallen und ausgeraubt
werden, steht auch im Reiseführer, aber wenn hier jeder
mit so was kommt und man nur noch an so was denkt, verliert
man nur seinen Spaß an der Entdeckung des Landes. Im
Norden sind wir auch nicht überfallen worden, wird hier
sicher auch gut gehen. Sicher kann so etwas vorkommen, aber
auch in deutschen Städten. Jaja, das sind eigentlich
Michaels Worte, denn ich hatte vor Antritt der Reise ähnliche
Bedenken. ;)) Das hat sich aber schnell gelegt.
Die Wasserfälle
sind beeindruckend! Sie verlaufen zum Teil entlang der kleinen
Bucht und stürzen über etwa 50 m lange Felskaskaden
ins Meer. Der Strand und das Wasser sind hier allerdings ziemlich
schmutzig. An den Wasserfällen selbst sind eine Menge
Leute zu sehen. Na toll, alles Besucher! Doch touristisch
stark frequentiert! Als wir jedoch näher kommen, sehen
wir, dass es Einheimische aus den umliegenden Behausungen
oder Dörfern sind, die ihre Wäsche oder sich selbst
waschen. Einige Kinder plantschen vergnügt dazwischen
herum. Wir versuchen, über zum Teil glitschige Steine
an das andere Ufer zu kommen, was gar nicht so leicht ist.
Michael verzichtet darauf, da er seine Kameraausrüstung
ungern aus dem Fluss oder Meer fischen möchte. Mir ist
das egal, ich habe zwar eine neue Kamera, aber bei solchen
Wassermassen kann ich nicht widerstehen und klettere über
die Wasserfälle, um ein paar Fotos zu knipsen. Ich würde
ja gern den Lobe aufwärts laufen, aber bei den vielen
zwielichtigen Burschen, die hier herumstreichen, und den unübersichtlichen
Dschungelpfaden um den Wasserfall herum verzichten wir lieber
drauf. Wir beschließen, den gleichen Weg zurückzulaufen,
also wieder 8 km barfuss über den Strand. Unterwegs baden
wir an einem einsamen Strandabschnitt,
ständig ein Auge auf unsere Daypacks werfend. Aber hier
kommt sowieso fast niemand vorbei. Der Atlantik ist eine lauwarme
Brühe, eine erfrischende Wirkung bei diesem extrem feuchtheißen
Klima ist nicht zu verzeichnen. Nach ca. einem weiteren Kilometer
ruft uns eine bekannte Stimme aus einem Bungalow, der am Waldrand
steht, etwas zu. Es ist SwissAir-Peter, der gerade mit seinem
Begleiter bei einem französischen Restaurantbesitzer
aus Douala zu Mittag speist. Der Mann weiß zu leben!
Wir unterhalten uns kurz und ziehen weiter. Zurück im
kleinen Hotel schmeißen wir uns noch für 1-2 h
auf zwei der drei Plastikliegen, die Sonne und die Brandung
genießend.
Auf der Terrasse haben sich einige Amis breit gemacht. An
den Geländewagen unschwer zu erkennen, arbeiten sie an
der Tschad-Kamerun-Pipeline, die u.a. der Welt mächtigster
und profitabelster Konzern Exxon quer durch Kamerun bis zur
Küste zieht. Öl für Amerika! Öl muss fließen,
koste es, was es wolle. Warum sparen? Wozu ein Klimaabkommen?
Interessiert das die Amerikaner? Nein, sie grillen ihr mitgebrachtes
Fleisch, trinken ihre importierte Coca Cola. Die hier in Kamerun
hergestellte Original Coca Cola ist ihnen nicht gut genug,
eigens für die amerikanischen Angestellten wurde eine
komplette Abfüllanlage eingeflogen. Hastig werden ein
paar Pseudo-Umweltprojekte initiiert, die letztendlich nur
die Umweltzerstörung durch den Bau der Pipeline kaschieren
sollen. Hoffentlich wird es nicht wie in Nigeria, hoffentlich
springt auch für die Bevölkerung von Kamerun und
dem Tschad was dabei heraus. Fachleute bezweifeln dies jedoch
- kurzfristig wird es wohl ein paar Arbeitsplätze geben.
Das meiste Geld wird wie immer ganz oben versickern. Einer
der Amerikaner hat einem Fischer eine große Meeresschildkröte
abgekauft und lässt sie unter großem Beifall showmäßig
ins Wasser zurückwatscheln. Wir verlassen das Hotel und
laufen die staubige rote Lehmstraße Richtung Kribi.
Wir wollen uns die alte deutsche Kirche anschauen und einen
Supermarkt suchen. Kribi hat etwa 30.000 Einwohner. Trotz
seines zunehmend an Bedeutung verlierenden Hafens hat die
kleine Stadt sich ihre ländliche Atmosphäre bewahrt.
Gegründet wurde Kribi während der Kolonialzeit von
den Deutschen. Gut erhalten aus dieser Zeit (ca. 1900-1905)
ist noch die Kirche, die gerade wieder restauriert wird, und
der alte Leuchtturm am Hafen. Die Bewohner von Kribi gehören
zu den Bantustämmen (Batanga und Bassa).
Wir überqueren zunächst den Fluss Kienke, der hier
ins Meer fließt und an dessen rechtem Ufer die alte
deutsche Kirche steht. Die Kirche ist aufgrund der Renovierungsarbeiten
geschlossen. Wir suchen einen kleinen Supermarkt (indischer
Besitzer) auf und decken uns preiswert mit Mineralwasser und
einigen Kleinigkeiten ein. Auf dem Rückweg treffen wir
ihn schon wieder, den SwissAir-Peter. Er meint, er habe einen
echt guten Tanzschuppen am Strand gefunden, würde sich
echt lohnen. Wir haben keine Lust auf so was, verabschieden
uns. Im bisher recht verträumten kleinen Hotel wollen
wir zu Abend essen, aber aufgrund der Amerikaner ist das gesamte
Personal am Wirbeln, hat für uns offenbar keine Zeit.
Demonstrativ stehen wir auf und verlassen das Hotel. Wir gehen
ein Stück die inzwischen stockfinstere Lehmpiste Richtung
Kribi entlang, vorbei an ärmlichen Behausungen, und besuchen
ein unserem Hotel benachbartes Freiluft-Restaurant mit freundlicher
Bedienung und angemessenen Preisen. Wir bestellen frischen
Fisch, der vorzüglich schmeckt. Das Frachtschiff von
gestern Abend liegt immer noch draußen vor der Küste,
hell erleuchtet. Wir schreiben wie jeden Abend Tagebuch...
|