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17. Tag, Sonnabend, 02.02.2002 Kribi

Nach dem üblichen Frühstück (Tonnen von Baguettes + eine Streichholzschachtel voll Butter + Konfitüre) ziehen wir sofort los. Ziel sind die Wasserfälle, über die der Fluss Lobe in den Atlantik stürzt. Laut Auskunft des Hotelbesitzers sollen es bis dahin ca. 8 km am Strand und ca. 12 km über die Dschungelpiste sein. Wir wählen den Strand und laufen barfuß, was man eigentlich nicht tun sollte. Der Strand ist fast menschenleer, ab und an begegnen wir ein paar Fischern, die mit ihren Pirogen auf das Meer hinausfahren oder uns ihren Fang anbieten. Kleine Kinder sammeln Früchte und zerklopfen dieselben mit Steinen, um an das Fruchtfleisch heranzukommen. Der Regenwald reicht meist bis an den Strand heran, was man in Westafrika ganz selten noch zu sehen bekommt. Ab und an sehen wir ein paar kleine private Chalets oder Hotels, einige davon sind jedoch nur Bauruinen, von Massentourismus Gott sei Dank Lichtjahre entfernt. Nach ca. 5 Kilometern verschwindet auch das letzte Anwesen, der fast ohnehin herrlich einsame Strand wird noch einsamer. Oft müssen wir eine Kletterpartie wagen, da riesige Felsen den Weg versperren. Von diesen Felsen bietet sich meist ein herrlicher Ausblick über größere Strandabschnitte, die Ausläufer des Regenwaldes und die Brandung des Atlantiks. Bei einigen Felsen muss man schon sehr gut aufpassen, um nicht abzurutschen. Je näher wir den Wasserfällen kommen, um so öfter werden wir von jungen Männern angesprochen, die uns in ihre "Fresh-Fish-Restaurants" lotsen oder uns eine Motorpiroge für den Lobe vermitteln wollen. Die "Restaurants" sind dürftige, aus Bambusstäben gezimmerte Hütten. Die Shrimps oder Langusten bekommt man bei einer Fischerfamilie sicher günstiger und ebenfalls zubereitet. Wir sagen, dass wir nicht zum Essen hierher gekommen sind und das wir unser eigenes Programm haben und daher keinen Guide benötigen.

Vor den Pirogenfahrten den Lobe hoch zu den Pygmäen-Camps warnt schon der Reiseführer. Mal von den hohen Preisen für die Pirogen abgesehen ist es mehr ein deprimierendes Erlebnis für beide Seiten, die Pygmäenlager zu besuchen. Zumal es sich in diesen Camps um keine reinen Pygmäen handelt, da diese sich schon stark mit der Bantu-Bevölkerung vermischt haben. Pygmäen sind Jäger und Sammler und leben normalerweise im Dschungel, man bekommt sie nur sehr selten zu sehen. Sehr authentisch kann so ein Besuch in den Camps, die meist nur für Touristen existieren, dann ja wohl nicht sein. Wir verzichten daher darauf. Für einen Trip in den Dschungel haben wir nicht die Ausrüstung und die notwendige Zeit. Ein junger Mensch läuft 10 Minuten neben uns her. Obwohl wir ihm mehrmals zu verstehen geben, dass wir kaum ein Wort Französisch verstehen, redet er pausenlos auf uns ein. Wir verstehen immer nur "fresh fish" und "Pygmäen". Ein "Danke Nein" akzeptiert er weder in Französisch noch in Englisch. Ich verstehe ja, dass hier relativ selten Touristen vorbei kommen, diese meist die einzige Einnahmequelle sind. Ich sehe auch die Armut, aber ich kann nicht jedem Einheimischen etwas abkaufen. Michael meint, dass es in anderen afrikanischen Staaten noch viel schlimmer zugeht. Etwa einen Kilometer vor den Wasserfällen, wir können sie schon sehen, bietet sich wieder ein junger Mann als Guide an. Es würde um die Fälle herum Banditen geben und es wäre besser, wenn wir ihn als Führer nehmen würden. Wir lehnen ab. Das Touristen hier ab und an überfallen und ausgeraubt werden, steht auch im Reiseführer, aber wenn hier jeder mit so was kommt und man nur noch an so was denkt, verliert man nur seinen Spaß an der Entdeckung des Landes. Im Norden sind wir auch nicht überfallen worden, wird hier sicher auch gut gehen. Sicher kann so etwas vorkommen, aber auch in deutschen Städten. Jaja, das sind eigentlich Michaels Worte, denn ich hatte vor Antritt der Reise ähnliche Bedenken. ;)) Das hat sich aber schnell gelegt.

Die Wasserfälle sind beeindruckend! Sie verlaufen zum Teil entlang der kleinen Bucht und stürzen über etwa 50 m lange Felskaskaden ins Meer. Der Strand und das Wasser sind hier allerdings ziemlich schmutzig. An den Wasserfällen selbst sind eine Menge Leute zu sehen. Na toll, alles Besucher! Doch touristisch stark frequentiert! Als wir jedoch näher kommen, sehen wir, dass es Einheimische aus den umliegenden Behausungen oder Dörfern sind, die ihre Wäsche oder sich selbst waschen. Einige Kinder plantschen vergnügt dazwischen herum. Wir versuchen, über zum Teil glitschige Steine an das andere Ufer zu kommen, was gar nicht so leicht ist. Michael verzichtet darauf, da er seine Kameraausrüstung ungern aus dem Fluss oder Meer fischen möchte. Mir ist das egal, ich habe zwar eine neue Kamera, aber bei solchen Wassermassen kann ich nicht widerstehen und klettere über die Wasserfälle, um ein paar Fotos zu knipsen. Ich würde ja gern den Lobe aufwärts laufen, aber bei den vielen zwielichtigen Burschen, die hier herumstreichen, und den unübersichtlichen Dschungelpfaden um den Wasserfall herum verzichten wir lieber drauf. Wir beschließen, den gleichen Weg zurückzulaufen, also wieder 8 km barfuss über den Strand. Unterwegs baden wir an einem einsamen Strandabschnitt, ständig ein Auge auf unsere Daypacks werfend. Aber hier kommt sowieso fast niemand vorbei. Der Atlantik ist eine lauwarme Brühe, eine erfrischende Wirkung bei diesem extrem feuchtheißen Klima ist nicht zu verzeichnen. Nach ca. einem weiteren Kilometer ruft uns eine bekannte Stimme aus einem Bungalow, der am Waldrand steht, etwas zu. Es ist SwissAir-Peter, der gerade mit seinem Begleiter bei einem französischen Restaurantbesitzer aus Douala zu Mittag speist. Der Mann weiß zu leben! Wir unterhalten uns kurz und ziehen weiter. Zurück im kleinen Hotel schmeißen wir uns noch für 1-2 h auf zwei der drei Plastikliegen, die Sonne und die Brandung genießend.

Auf der Terrasse haben sich einige Amis breit gemacht. An den Geländewagen unschwer zu erkennen, arbeiten sie an der Tschad-Kamerun-Pipeline, die u.a. der Welt mächtigster und profitabelster Konzern Exxon quer durch Kamerun bis zur Küste zieht. Öl für Amerika! Öl muss fließen, koste es, was es wolle. Warum sparen? Wozu ein Klimaabkommen? Interessiert das die Amerikaner? Nein, sie grillen ihr mitgebrachtes Fleisch, trinken ihre importierte Coca Cola. Die hier in Kamerun hergestellte Original Coca Cola ist ihnen nicht gut genug, eigens für die amerikanischen Angestellten wurde eine komplette Abfüllanlage eingeflogen. Hastig werden ein paar Pseudo-Umweltprojekte initiiert, die letztendlich nur die Umweltzerstörung durch den Bau der Pipeline kaschieren sollen. Hoffentlich wird es nicht wie in Nigeria, hoffentlich springt auch für die Bevölkerung von Kamerun und dem Tschad was dabei heraus. Fachleute bezweifeln dies jedoch - kurzfristig wird es wohl ein paar Arbeitsplätze geben. Das meiste Geld wird wie immer ganz oben versickern. Einer der Amerikaner hat einem Fischer eine große Meeresschildkröte abgekauft und lässt sie unter großem Beifall showmäßig ins Wasser zurückwatscheln. Wir verlassen das Hotel und laufen die staubige rote Lehmstraße Richtung Kribi. Wir wollen uns die alte deutsche Kirche anschauen und einen Supermarkt suchen. Kribi hat etwa 30.000 Einwohner. Trotz seines zunehmend an Bedeutung verlierenden Hafens hat die kleine Stadt sich ihre ländliche Atmosphäre bewahrt. Gegründet wurde Kribi während der Kolonialzeit von den Deutschen. Gut erhalten aus dieser Zeit (ca. 1900-1905) ist noch die Kirche, die gerade wieder restauriert wird, und der alte Leuchtturm am Hafen. Die Bewohner von Kribi gehören zu den Bantustämmen (Batanga und Bassa).

Wir überqueren zunächst den Fluss Kienke, der hier ins Meer fließt und an dessen rechtem Ufer die alte deutsche Kirche steht. Die Kirche ist aufgrund der Renovierungsarbeiten geschlossen. Wir suchen einen kleinen Supermarkt (indischer Besitzer) auf und decken uns preiswert mit Mineralwasser und einigen Kleinigkeiten ein. Auf dem Rückweg treffen wir ihn schon wieder, den SwissAir-Peter. Er meint, er habe einen echt guten Tanzschuppen am Strand gefunden, würde sich echt lohnen. Wir haben keine Lust auf so was, verabschieden uns. Im bisher recht verträumten kleinen Hotel wollen wir zu Abend essen, aber aufgrund der Amerikaner ist das gesamte Personal am Wirbeln, hat für uns offenbar keine Zeit. Demonstrativ stehen wir auf und verlassen das Hotel. Wir gehen ein Stück die inzwischen stockfinstere Lehmpiste Richtung Kribi entlang, vorbei an ärmlichen Behausungen, und besuchen ein unserem Hotel benachbartes Freiluft-Restaurant mit freundlicher Bedienung und angemessenen Preisen. Wir bestellen frischen Fisch, der vorzüglich schmeckt. Das Frachtschiff von gestern Abend liegt immer noch draußen vor der Küste, hell erleuchtet. Wir schreiben wie jeden Abend Tagebuch...

 
     
 
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