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18. Tag, Sonntag, 03.02.2002 Kribi - Douala - Buea

Nach dem Frühstück verpassen wir knapp den großen Reisebus nach Douala. Bei Jako Voyages erwischen wir aber noch einen mittleren Bus, der sogar ohne lange Wartezeit losfährt. Ich schwitze seit dem Aufstehen extrem: Hunderte kleine Schweißperlen bedecken meine Arme. Trotz der Nähe des Atlantiks ist das Klima feuchtheiß, von einer frischen Prise keine Spur. Oder habe ich Fieber? Das Klima hier an der Küste ist echt hammerhart. Die Hitze ist dabei nicht so das Problem, aber die hohe Luftfeuchtigkeit! Und jetzt wieder 2 h im überfüllten, sehr zugigen Bus! Ich wundere mich immer wieder, warum ich bei diesen wechselhaften Bedingungen keinen Hexenschuss, eine Verspannung oder Ähnliches mir zuziehe. Irgendwie bin ich heute zum ersten Mal nicht gut drauf. Die nervtötende moderne, sich an westlichen Einflüssen orientierende und ohrenbetäubende Musik des Busfahrers gibt mir noch den Rest. Ich bin drauf und dran, die zwei Lautsprecher direkt über mir aus ihren Verankerungen zu reißen und aus dem Fenster zu werfen! Bei einem kurzen Halt kaufen sich meine Sitznachbarn noch stinkenden Trockenfisch. Ich bin auf dieser Reise schon in schlechteren Bussen mitgefahren, aber wie gesagt, ich habe heute zum ersten Mal ein kleines Formtief und frage mich, warum tue ich mir das alles an. Im Zentrum von Douala angekommen setzen wir uns sofort in ein Taxi. Dieses bringt uns auf die andere Seite der Stadt, in die Vororte, von wo aus wir vor einigen Tagen in den Westen des Landes aufgebrochen waren.

Wir checken dieses Mal bei einem Buschtaxi-Unternehmen ein, das sich Ali Baba Express nennt. Bleibt nur zu hoffen, dass die 40 Räuber außen vor bleiben. ;) Wir bekommen direkt hinter dem Fahrer Platz, eng wird es trotzdem - wie immer. Nach einer halben Stunde geht es auch schon los. Buea liegt ca. 65 km nordwestlich von Douala. Wieder die üblichen Kontrollen, Mautstellen, Händler. Ungefähr 20 km vor Buea bekommt der Fahrer massiven Ärger. Ein paar Leute in Zivil stoppen den Kleinbus, legen ihre Nagelbretter direkt vor die Reifen. Hinten schrauben sie das Ersatzrad des alten Toyota-Busses ab. Die Männer draußen schreien herum, die Fahrgäste schimpfen lautstark zurück. Alle sind aufgeregt, wütend. Was ist hier los? Da einige Fahrgäste Englisch sprechen, erkundigen wir uns. Die Männer sind nicht von der Polizei, sondern vom Gouverneur der Provinz. Sie bemängeln die Sicherheit des Fahrzeuges. Hinten fehlt eine Scheibe, es wäre allgemein nicht verkehrssicher. Das Ersatzrad ist ein Pfand, der Fahrer soll 1500 CFA (ca. 2 EUR) Strafe bezahlen.

Das leuchtet allerdings nicht sonderlich ein, denn hier ist fast jedes Fahrzeug nicht verkehrssicher und durch die Polizeikontrollen sind wir ja auch gekommen. Also reine Schikane? Abzockerei? Oder wirklich ein ernsthaftes Bemühen, die Kleinunternehmen zur Instandsetzung und somit zu mehr Verkehrssicherheit ihrer oft abenteuerlichen uralten Fahrzeuge zu bewegen? Nach 10 Minuten Diskussion geht es trotzdem weiter, das Ersatzrad bleibt am Straßenrand liegen. Bleibt nur zu hoffen, dass wir die letzten Kilometer keine Reifenpanne haben. In Buea angekommen kaufen wir uns an einem Stand ein Bündel Bananen und eine frische Ananas. Wir nehmen ein Taxi und lassen uns zunächst ins preiswerteste Hotel aus unserem Reiseführer, in das UNI-Spot bringen. Michael schaut nach dem Zimmer, ich warte im Taxi. Er meint, dass es mir wohl nicht so gefallen würde - eine dunkle Höhle, kaum Licht und die Sanitäranlagen... Wir lassen uns in das legendäre Buea Mountain Hotel fahren. Das stammt noch aus der kurzen deutschen Kolonialzeit in Kamerun.

Hier erholten sich vor dem Ersten Weltkrieg die deutschen Beamten und Offiziere, da das Klima hier sehr angenehm ist. Buea war auch deutscher Gouverneurssitz, der um etwa 1890 von Douala aufgrund des besseren Klimas hierher verlegt wurde. Von 1901 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Buea Hauptstadt von Kamerun. Noch heute zeugen einige Gebäude, besonders der gut erhaltene Gouverneurspalast, von der deutschen Vergangenheit. Der Gouverneurspalast wurde von Jesko von Puttkamer im wilhelminischen Stil erbaut und thront über dem Ort am Fuße des Mt. Cameroon. Das Buea Mountain Hotel ist ziemlich heruntergekommen. Die Eingangshalle steht fast leer, ein kaputter Kamin in der Ecke, ein paar alte Sessel aus den fünfziger Jahren und ein zerschlissener Teppich auf dem Fußboden. Dies und die ebenfalls heruntergekommene Bar im angrenzenden Salon lassen trotzdem noch den einstigen Zustand erahnen. Ich finde es aber so wie es ist ok. Es passt einfach hierher. Wir lassen uns die Zimmer zeigen. Es gibt für 20.000 CFA pro Nacht sogar noch zwei große Kolonial-Suiten, alles größtenteils mit Möbeln aus der Zeit um 1900 und den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgestattet. Gern hätten wir das große Zimmer genommen, aber es ist uns ein wenig zu teuer.

Die normalen Zimmer sind kleiner, aber ausreichend. Da es schon Nachmittag ist, ziehen wir sofort los - auf Spurensuche nach der deutschen kolonialen Vergangenheit. Zunächst suchen wir den deutschen Friedhof auf, der sich in der Nähe einer Tankstelle unterhalb des Gouverneurspalastes befindet. Leider ist der winzige Friedhof abgeschlossen. Wir klettern in der Hoffnung über die Steinmauer, nicht von Militär oder Polizei dabei beobachtet zu werden. Die Gräber sind verwittert, einige Inschriften jedoch gut lesbar. Die Leute sind meist jung gestorben, entweder durch Krankheiten oder infolge von Aufständen. Als nächstes suchen wir den Bismarck-Brunnen auf, der vor dem alten Postamt steht und aus dem Jahre 1899 stammt. Inschriften wurden demontiert, aber man sieht noch die Abbildung des deutschen Reichskanzlers in Stein gemeißelt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Gouverneurspalast. Wir passieren eine kleine Kaserne mit ein paar Soldaten, die im Schatten sitzen.

Wir grüßen sie freundlich, sie lassen uns ohne Probleme passieren. In den Palast kommt man nicht rein, denn dieser ist eine der Residenzen des Staatspräsidenten. Neben dem Palast steht ein klobiger mehrgeschossiger Betonklotz. Weit und breit niemand zu sehen. Wir riskieren trotzdem kein Foto, da dies streng verboten ist und wir nicht sehen können, ob nicht vielleicht doch jemand hinter den Fenstern steht oder von der Kaserne aus uns beobachtet. Wir laufen wieder zurück und besuchen noch eine kleine Kirche. Diese wird von den Presbyterianern unterhalten, ebenso die Schule nebenan, wo auf dem Sportplatz etwa 500 Kinder gerade in Sportbekleidung herummarschieren. Ein Sportfest? Presbyterianer-Missionen sind in ganz Afrika und weltweit anzutreffen. Presbyterianer sind Anhänger aller reformierten Kirchen, deren Kirchenordnung auf der Presbyterialverfassung beruht und die eigene theologische Traditionen besitzen. Die Kirchen, die in dieser Tradition stehen, bilden neben den Lutheranern, Täufern und Anglikanern die vierte Hauptgruppe, die im 16. Jahrhundert aus der Reformation hervorging. Habe ich jedenfalls mal gelesen.

Da Buea der Hauptort der englischsprachigen Provinz South West ist, haben wir hier nicht so große Probleme, uns zu verständigen. Auch die Beschriftung ist hier überall in Englisch gehalten. Die Bewohner sprechen untereinander Pidgin-Englisch, was man nicht oder kaum verstehen kann. Aber meistens können sie auch für uns verständliches Englisch, was die Kommunikation erleichtert. In einer der üblichen Straßenkneipen setzen wir uns zwischen die Einheimischen. Wir trinken eine Cola und beobachten die Straßenszene. Die Leute sind zwar meist sehr arm, haben sich zum Sonntag aber besonders schick gemacht. Afrikaner legen im Allgemeinen sehr viel Wert auf ordentliche und gepflegte Kleidung, auch wenn viele von ihnen sehr arm sind. Oftmals können sie nicht verstehen, wie die vermeintlich reichen Europäer in heruntergekommenen und strapazierten Klamotten (Globetrotter) herumlaufen. Wir laufen die Straße weiter und biegen in eine Nebenstraße ein.

Hier kann eigentlich von einer Straße keine Rede mehr sein, denn es liegen riesige Steine herum, der Weg ist zusätzlich noch mit 30 Zentimeter tiefen Löchern übersät. Hier kommt kein Auto durch. Links und rechts stehen sehr einfache und ärmliche Hütten. Es herrscht für meine Begriffe bittere Armut, die Menschen sind trotzdem sehr freundlich. "Hello white Man!" oder "Hello Gentlemen!" ist ab und an zu hören. Die Leute scherzen, sind vergnügt. An einem Gemeinschaftsbrunnen wird Wasser gepumpt. Wir laufen immer weiter durch das Viertel, suchen die Hauptstraße. Vier Kinder folgen uns, halten aber Abstand. Nach der letzten Hütte verzweigt sich der Weg, wir gehen nach rechts, treffen einen Jugendlichen, den wir nach dem Weg fragen. Nach ein paar Hundert Metern sind wir wieder auf der Hauptstraße, die im Staub versinkt, da Teile davon rekonstruiert werden und keine Asphaltdecke mehr vorhanden ist. Wir stoppen ein Taxi - es ist zufällig der gleiche Fahrer, der uns heute Mittag 3.000 CFA abgenommen hatte. Jetzt bekommt er nur 500, er soll uns ins UNI-Spot fahren, dort wollen wir zu Abend essen. Das UNI-Spot liegt zwischen dichten Bäumen und Büschen, ist nur spärlich beleuchtet.

Es wird sehr schnell dunkel, wir haben kurze Hosen an, aber ich habe glücklicherweise den Deet-Kampfstoff dabei, mit dem wir uns gründlich einsprühen - zum Schutz vor den lästigen Moskitos. Das Essen schmeckt gut, es gibt ein recht scharfes Chicken Stew und preiswert ist es auch noch. Drinnen wird wieder eifrig Fußball geschaut. Ich gehe zum Bezahlen rein. Hier ist es ziemlich dunkel, der Raum wird fast nur vom Fernseher beleuchtet, überall sitzen Einheimische und Militärs bei ihrem Bier herum und diskutieren über das gerade laufende Spiel. Wir fahren mit einem Sammeltaxi zurück ins Buea Mountain Hotel. Unterwegs wird ebenfalls eifrig und sehr lautstark über Fußball in Pidgin diskutiert. Wir gehen aufs Zimmer, bauen die Moskitonetze, schreiben Tagebuch und hauen uns aufs Ohr.

 
     
 
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