|
Am Morgen entdecke ich einen kleinen Besucher in der Badewanne:
Es ist ein noch sehr junger Gecko. Über das Fenster ist
er wohl in die antike Badewanne gerutscht und kommt nun nicht
mehr heraus. Vorsichtig nehme ich ihn in die Hand und bringe
ihn auf den kleinen baufälligen Balkon hinaus. Der kleine
Kerl verschwindet sofort in einer Mauerspalte. Wir haben heute
von unserem Hotelzimmer einen sehr schönen Ausblick auf
den Mt.Cameroon, können sogar den Gipfel sehen, was gestern
nicht möglich war. Der Berg ist ein noch recht aktiver
Vulkan (letzter Ausbruch am 28.03.1999) und mit 4.070 m der
höchste Gipfel Westafrikas. Zum Frühstück gibt
es ein hinsichtlich des Preises rekordverdächtiges Omelette:
2.600 CFA! Wow! Da bekommen wir in jeder Straßenkneipe
5 Stück für dieses Geld. Ich habe immer noch ein
wenig Probleme mit dem Wechsel der Sprache. Nicht das ich
Französisch sprechen kann, aber ich grüße
und bedanke mich immer noch in dieser Sprache, weil ich das
die letzten 2 Wochen tat. Jetzt sind wir aber in der englischsprachigen
Provinz und Französisch wird hier nicht so gern gehört.
Die Provinz würde sich auch am liebsten unabhängig
sehen bzw. Autonomierechte bekommen. Mit einem Sammeltaxi
erreichen wir schnell den Buschtaxi-Stand, an dem wir gestern
Mittag ankamen.
Wir wollen heute in das nahe Limbe, um die letzten zwei Tage
nach den "Strapazen" der vergangenen Wochen ein
wenig zu relaxen. Ein fast voller Kleinbus ist schnell gefunden,
nach kurzer Wartezeit geht es auch schon los. Die Männer
im Bus diskutieren laut und sehr intensiv - es geht sicher
wieder um Fußball. Am Buschtaxi-Bahnhof in Limbe angekommen
schleppt ein Taxifahrer unsere Rucksäcke in Richtung
seines Fahrzeuges. Ich nehme sie ihm wieder ab, wir suchen
unser Taxi immer noch selber aus. In einer Gruppe von jungen
Männern, die uns umringt, fragen wir nach einem guten
Hotel in unserer Preislage. Ein Taxifahrer will uns in das
recht neue und teure Semi Beach Hotel bringen. Ein junger
Mann meint, er solle uns nicht so einen Mist erzählen,
das sei viel zu teuer, da wir ja etwas Preiswertes suchen.
Das Problem ist, dass die Hotels mit gutem Badestrand weit
außerhalb der Stadt liegen. Der Strand in der Stadt
ist zum Baden nicht geeignet, da er nur aus Lavagestein besteht
und sehr schmutzig ist. Wir lassen uns ins Coastal
Beach Hotel fahren. Wir können es kaum glauben: Das
Zimmer ist echt eine Wucht! Leise Klimaanlage, Superbad, alles
sauber und gepflegt. Hier würden sich sogar Pauschal-Touris
wohlfühlen! Gott sei Dank gibt es die in ganz Kamerun
nicht! ;) So etwas hatten wir bislang noch nicht - und das
zu dem Preis: 15.000 CFA! Die müssen sich verrechnet
haben! ;) Und Frühstück ist auch schon drin. ;)
Das Hotel steht nicht im Reiseführer, ist aber unsere
Empfehlung für Limbe, zumal es über einen ruhigen
und sehr schönen Strand
mit schwarzem Lavasand verfügt. Das kleine Hotel scheint
außer uns keine Gäste zu haben. Weiße haben
wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Wir gehen von der
kleinen Terrasse aus an den Strand und stürzen uns in
die Fluten des Atlantiks. Gibt es hier Haie? Baracudas? Das
Wasser ist nicht so eine lauwarme Brühe wie im 300 km
südlich von hier gelegenen Kribi, sondern zunächst
angenehm kühl. Weiter draußen ist das Wasser glasklar,
am Ufer allerdings aufgrund des aufgewirbelten schwarzen Sandes
sehr trübe. Die Bucht ist menschenleer. Da wir nachmittags
Hunger verspüren und nicht im Hotel essen wollen, lassen
wir uns in die Stadt fahren. Wir finden nur Circuits, kleine
afrikanische Restaurants, wo über offenem Feuer das gekocht
wird, was gerade da ist. Wir hätten aber gern irgendwo
am Meer gegessen. Ich schaue in den Reiseführer. Dort
wird die Snackbar "Mars" empfohlen, wo es einfaches,
gutes und preiswertes Essen geben soll. Die Bar besteht aus
zwei großen Räumen, liegt an einer großen
Bucht mit Vulkangestein und ist bereits in zwei Fernsehsäle
umgewandelt worden - Kamerun spielt heute wieder!
Wir ziehen daher den Garten des Restaurants vor. Hier sind
keine Gäste. Wir haben eine wunderbare Aussicht auf die
Bucht von Limbe. Ein alter auf Grund gelaufener Frachter liegt
zwischen den Felsen, die weiter entfernt liegenden "Pirateninseln"
sind im Nebel der sie umtosenden Gischt gut zu erkennen. Wir
bestellen unser Standardgericht: Chicken mit Reis und Kochbananen.
Das Essen schmeckt gut, daran kann auch die große Ratte
nichts ändern, die ab und an in 3 Meter Entfernung an
uns vorbeihuscht. Der Kellner meint, dass die Ratten nicht
sonderlich bissig oder aggressiv seien und mehr so unten am
Strand wohnen, sich von Fischresten ernähren. Ich stelle
mir gerade vor, ob man die Ratten nicht dressieren könnte,
einen Cancan vor dem geneigten Zuschauer/Gast aufzuführen.
;)) Wir genießen noch den Sonnenuntergang und machen
uns dann zu Fuß zurück ins Stadtzentrum. Wir suchen
ein Internet-Office, um wieder einmal eine Mail in die Heimat
zu senden. Hier scheint man weißen Touristen wieder
mal Sonderpreise machen zu wollen: 3.000 CFA für eine
halbe Stunde! Wir fangen an, laut zu lachen und meinen, dass
in Yaounde und Douala die halbe Stunde für 500-600 CFA
zu haben sei und wollen gehen. Plötzlich kostet es nur
noch 1.000, für Einheimische sicher nur 500 CFA.
Wenn es so ist, bleiben wir natürlich. Bleibt für
jeden eine Viertelstunde: Mails lesen, kurze Lagepeilung nach
Hause senden und schon ist die halbe Stunde rum. Wir gehen
noch ein wenig durch die Stadt, in fast jedem kleinen "Tante-Emma-Laden"
steht ein TV-Gerät, vor dem in Scharen Zuschauer stehen
oder hocken. Wir fragen, wer denn heute spiele. Kamerun gegen
Ägypten! Ab und an Beifallsstürme aus allen Ecken
und Enden, wenn Kamerun ein Tor schießt oder kurz davor
steht. Wir gehen zu einer Tankstelle, um eine Cola zu trinken,
hier bekommt man immer noch am preiswertesten Getränke.
Wir suchen noch einen dieser kleinen Läden auf, in denen
sich auf wenigen Quadratmetern meterhoch alle möglichen
Lebensmittel und Sachen des täglichen Bedarfs türmen.
Wir kaufen ein paar Kekse, um morgen halbwegs über den
Tag zu kommen, denn unser Bargeld neigt sich wieder mal dem
Ende zu und für die VISA-Card bekommt man hier ja bekanntlich
leider nichts.
Plötzlich fangen einige Autos laut zu hupen an, eine
kleine Autokolonne schiebt sich mit fröhlichen und ausgelassenen
Menschen an uns vorbei: Kamerun hat gewonnen! Wir suchen uns
ein Taxi, es ist ein Sammeltaxi, wie wir schnell merken. Auf
dem Beifahrersitz hat eine massige junge Frau Platz genommen,
ein junger Mann muss da auch noch rein. Die Hinterbank ist
mit uns und einem Mädchen besetzt. 1.000 CFA werden von
uns verlangt, wir bezahlen die Hälfte, da wir das Spiel
schon zu Genüge kennen. Unterwegs liegt eine gefällte
Palme auf der Straße: Militärkontrolle. Wieder
mal den Reisepass rauskramen, weiter geht es. Jetzt sitzt
die korpulente Frau bei uns hinten, vorn dafür zwei junge
Männer auf dem Beifahrersitz. Vor unserem kleinen Hotel
ist alles dunkel. Viele Leute stehen vor den Bretterbuden
am Straßenrand. Stromausfall! Wir bekommen eine Kerze
in die Hand gedrückt, nach einer Stunde ist der Strom
wieder da. Es klopft an der Tür. Ich quittiere einer
hübschen Angestellten eine Cola, die ich vormittags getrunken,
aber nicht bezahlt hatte. Werde ich morgen früh machen.
Nachtruhe.
|