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19. Tag, Montag, 04.02.2002 Buea - Limbe

Am Morgen entdecke ich einen kleinen Besucher in der Badewanne: Es ist ein noch sehr junger Gecko. Über das Fenster ist er wohl in die antike Badewanne gerutscht und kommt nun nicht mehr heraus. Vorsichtig nehme ich ihn in die Hand und bringe ihn auf den kleinen baufälligen Balkon hinaus. Der kleine Kerl verschwindet sofort in einer Mauerspalte. Wir haben heute von unserem Hotelzimmer einen sehr schönen Ausblick auf den Mt.Cameroon, können sogar den Gipfel sehen, was gestern nicht möglich war. Der Berg ist ein noch recht aktiver Vulkan (letzter Ausbruch am 28.03.1999) und mit 4.070 m der höchste Gipfel Westafrikas. Zum Frühstück gibt es ein hinsichtlich des Preises rekordverdächtiges Omelette: 2.600 CFA! Wow! Da bekommen wir in jeder Straßenkneipe 5 Stück für dieses Geld. Ich habe immer noch ein wenig Probleme mit dem Wechsel der Sprache. Nicht das ich Französisch sprechen kann, aber ich grüße und bedanke mich immer noch in dieser Sprache, weil ich das die letzten 2 Wochen tat. Jetzt sind wir aber in der englischsprachigen Provinz und Französisch wird hier nicht so gern gehört. Die Provinz würde sich auch am liebsten unabhängig sehen bzw. Autonomierechte bekommen. Mit einem Sammeltaxi erreichen wir schnell den Buschtaxi-Stand, an dem wir gestern Mittag ankamen.

Wir wollen heute in das nahe Limbe, um die letzten zwei Tage nach den "Strapazen" der vergangenen Wochen ein wenig zu relaxen. Ein fast voller Kleinbus ist schnell gefunden, nach kurzer Wartezeit geht es auch schon los. Die Männer im Bus diskutieren laut und sehr intensiv - es geht sicher wieder um Fußball. Am Buschtaxi-Bahnhof in Limbe angekommen schleppt ein Taxifahrer unsere Rucksäcke in Richtung seines Fahrzeuges. Ich nehme sie ihm wieder ab, wir suchen unser Taxi immer noch selber aus. In einer Gruppe von jungen Männern, die uns umringt, fragen wir nach einem guten Hotel in unserer Preislage. Ein Taxifahrer will uns in das recht neue und teure Semi Beach Hotel bringen. Ein junger Mann meint, er solle uns nicht so einen Mist erzählen, das sei viel zu teuer, da wir ja etwas Preiswertes suchen.

Das Problem ist, dass die Hotels mit gutem Badestrand weit außerhalb der Stadt liegen. Der Strand in der Stadt ist zum Baden nicht geeignet, da er nur aus Lavagestein besteht und sehr schmutzig ist. Wir lassen uns ins Coastal Beach Hotel fahren. Wir können es kaum glauben: Das Zimmer ist echt eine Wucht! Leise Klimaanlage, Superbad, alles sauber und gepflegt. Hier würden sich sogar Pauschal-Touris wohlfühlen! Gott sei Dank gibt es die in ganz Kamerun nicht! ;) So etwas hatten wir bislang noch nicht - und das zu dem Preis: 15.000 CFA! Die müssen sich verrechnet haben! ;) Und Frühstück ist auch schon drin. ;) Das Hotel steht nicht im Reiseführer, ist aber unsere Empfehlung für Limbe, zumal es über einen ruhigen und sehr schönen Strand mit schwarzem Lavasand verfügt. Das kleine Hotel scheint außer uns keine Gäste zu haben. Weiße haben wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Wir gehen von der kleinen Terrasse aus an den Strand und stürzen uns in die Fluten des Atlantiks. Gibt es hier Haie? Baracudas? Das Wasser ist nicht so eine lauwarme Brühe wie im 300 km südlich von hier gelegenen Kribi, sondern zunächst angenehm kühl. Weiter draußen ist das Wasser glasklar, am Ufer allerdings aufgrund des aufgewirbelten schwarzen Sandes sehr trübe. Die Bucht ist menschenleer. Da wir nachmittags Hunger verspüren und nicht im Hotel essen wollen, lassen wir uns in die Stadt fahren. Wir finden nur Circuits, kleine afrikanische Restaurants, wo über offenem Feuer das gekocht wird, was gerade da ist. Wir hätten aber gern irgendwo am Meer gegessen. Ich schaue in den Reiseführer. Dort wird die Snackbar "Mars" empfohlen, wo es einfaches, gutes und preiswertes Essen geben soll. Die Bar besteht aus zwei großen Räumen, liegt an einer großen Bucht mit Vulkangestein und ist bereits in zwei Fernsehsäle umgewandelt worden - Kamerun spielt heute wieder!

Wir ziehen daher den Garten des Restaurants vor. Hier sind keine Gäste. Wir haben eine wunderbare Aussicht auf die Bucht von Limbe. Ein alter auf Grund gelaufener Frachter liegt zwischen den Felsen, die weiter entfernt liegenden "Pirateninseln" sind im Nebel der sie umtosenden Gischt gut zu erkennen. Wir bestellen unser Standardgericht: Chicken mit Reis und Kochbananen. Das Essen schmeckt gut, daran kann auch die große Ratte nichts ändern, die ab und an in 3 Meter Entfernung an uns vorbeihuscht. Der Kellner meint, dass die Ratten nicht sonderlich bissig oder aggressiv seien und mehr so unten am Strand wohnen, sich von Fischresten ernähren. Ich stelle mir gerade vor, ob man die Ratten nicht dressieren könnte, einen Cancan vor dem geneigten Zuschauer/Gast aufzuführen. ;)) Wir genießen noch den Sonnenuntergang und machen uns dann zu Fuß zurück ins Stadtzentrum. Wir suchen ein Internet-Office, um wieder einmal eine Mail in die Heimat zu senden. Hier scheint man weißen Touristen wieder mal Sonderpreise machen zu wollen: 3.000 CFA für eine halbe Stunde! Wir fangen an, laut zu lachen und meinen, dass in Yaounde und Douala die halbe Stunde für 500-600 CFA zu haben sei und wollen gehen. Plötzlich kostet es nur noch 1.000, für Einheimische sicher nur 500 CFA.

Wenn es so ist, bleiben wir natürlich. Bleibt für jeden eine Viertelstunde: Mails lesen, kurze Lagepeilung nach Hause senden und schon ist die halbe Stunde rum. Wir gehen noch ein wenig durch die Stadt, in fast jedem kleinen "Tante-Emma-Laden" steht ein TV-Gerät, vor dem in Scharen Zuschauer stehen oder hocken. Wir fragen, wer denn heute spiele. Kamerun gegen Ägypten! Ab und an Beifallsstürme aus allen Ecken und Enden, wenn Kamerun ein Tor schießt oder kurz davor steht. Wir gehen zu einer Tankstelle, um eine Cola zu trinken, hier bekommt man immer noch am preiswertesten Getränke. Wir suchen noch einen dieser kleinen Läden auf, in denen sich auf wenigen Quadratmetern meterhoch alle möglichen Lebensmittel und Sachen des täglichen Bedarfs türmen. Wir kaufen ein paar Kekse, um morgen halbwegs über den Tag zu kommen, denn unser Bargeld neigt sich wieder mal dem Ende zu und für die VISA-Card bekommt man hier ja bekanntlich leider nichts.

Plötzlich fangen einige Autos laut zu hupen an, eine kleine Autokolonne schiebt sich mit fröhlichen und ausgelassenen Menschen an uns vorbei: Kamerun hat gewonnen! Wir suchen uns ein Taxi, es ist ein Sammeltaxi, wie wir schnell merken. Auf dem Beifahrersitz hat eine massige junge Frau Platz genommen, ein junger Mann muss da auch noch rein. Die Hinterbank ist mit uns und einem Mädchen besetzt. 1.000 CFA werden von uns verlangt, wir bezahlen die Hälfte, da wir das Spiel schon zu Genüge kennen. Unterwegs liegt eine gefällte Palme auf der Straße: Militärkontrolle. Wieder mal den Reisepass rauskramen, weiter geht es. Jetzt sitzt die korpulente Frau bei uns hinten, vorn dafür zwei junge Männer auf dem Beifahrersitz. Vor unserem kleinen Hotel ist alles dunkel. Viele Leute stehen vor den Bretterbuden am Straßenrand. Stromausfall! Wir bekommen eine Kerze in die Hand gedrückt, nach einer Stunde ist der Strom wieder da. Es klopft an der Tür. Ich quittiere einer hübschen Angestellten eine Cola, die ich vormittags getrunken, aber nicht bezahlt hatte. Werde ich morgen früh machen. Nachtruhe.

 
     
 
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