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Nach dem Frühstück lädt uns Johanna Posselt
ein, mit ihr und einem Schweizer Paar (Jörg und Franziska)
in einen Handicraft-Laden eines Deutschen zu fahren. Dieser
betreibt ein Import/Export-Geschäft mit Projekt-Background
im Sinne eines Fairplay bzw. der Eine-Welt-Läden: Die
Produzenten erhalten vom Erlös mehr als sonst üblich.
Es ist ein sehr schöner Laden mit Atmosphäre. Ich
kaufe 3 kleine traditionelle Musikinstrumente, notiere mir
die Herkunft und die Volksgruppe, die das jeweilige Instrument
hergestellt hat. Jörg und Franziska kaufen auch eine
Kleinigkeit. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit dem Besitzer.
Er lebt mit einer farbigen Deutschen und seinem Kind hier.
Wir unterhalten uns über die politischen Zustände,
über die Opposition und die Machthaber des Landes. Nett
hier, so was könnte ich mir für eine Zeit lang als
Betätigung auch ganz gut vorstellen. Unterwegs empfiehlt
uns Franziska, den Kunsthandwerk-Markt gegenüber, den
"Marche de Fleur". Hier gebe es das, was wir suchen,
in Hülle und Fülle: Masken, Statuen und Kultgegenstände
aus allen Teilen des Landes. Wir werden dort einmal vorbeischauen.
Unterwegs stoppt uns ein Polizist an einer Ampel. Johanna,
die den großen Geländewagen souverän durch
Douala lenkt, soll angeblich zu spät vor der Ampel gestoppt
haben oder so was Ähnliches. Hat sie natürlich nicht,
das Anliegen ist klar, der Polizist will Schmiergeld haben.
Um das Palaver abzukürzen reicht Jörg einen 1.000er
hin. Johanna gibt das Geld und einen kleinen Kalender der
Seemannsmission dem korrupten Beamten und wir können
weiterfahren. Ich bekomme eine Ahnung davon, wie viel Schmiergeld
man eventuell hätte zahlen müssen, wenn man mit
einem Leihwagen unterwegs gewesen wäre. Die Weißen,
die hier leben, helfen sich laut ihren Berichten mit einigen
Tricks :
a) Sie tun so, als ob sie nichts verstehen.
b) Sie schreiben sich demonstrativ den Namen und die Einheit
des Beamten / Soldaten auf (soll sehr gut funktionieren).
c) Sie sagen, dass sie dies ihrer Botschaft melden werden
und das es nicht gut sei für die freundschaftlichen Beziehungen
beider Länder.
Das setzt natürlich voraus, dass man französisch
sprechen kann. Normalerweise zahlt Johanna aus Prinzip nichts.
In der Seemannsmission zurück packen wir unsere Rucksäcke
und räumen das Zimmer. Die Rucksäcke können
wir freundlicherweise ins Büro von Johanna stellen. Als
nächstes suchen wir ein anderes Internet-Office auf.
Ich möchte den Posselts unbedingt noch einen schriftlichen
Nachweis für die überwiesenen Euros geben, deren
Gegenwert wir heute früh bereits in CFA erhalten hatten.
Gestern Abend misslang dies ja leider. In diesem Office gibt
es wieder das Problem, dass irgendeine Überwachungssoftware
das Laden von Java Applets blockiert und ich nicht an mein
Konto rankomme. Die Einstellungen im französischen Internet
Explorer stimmen jedoch. Ich wechsle drei Mal den Computer.
Bis ich schließlich einen Netscape 6 - Browser finde,
mit dem es dann doch noch klappt. Bingo! Der Ausdruck funktioniert
auch, hier ist man ein wenig besser eingerichtet bzw. mit
Druckern ausgestattet. Wir stoppen ein Taxi und lassen uns
zum "Marche de Fleur" bringen. Der große Kunsthandwerker-Markt
war ein Supertipp von Franziska! Hier gibt es in unzähligen
Verschlägen kleine Läden, wo Masken, Statuen und
Kultgegenstände in allen Variationen und Formen gehandelt
werden.
Eine wahre Fundgrube! Was jetzt losgeht, ist ein etwa 2-3-stündiges
Suchen und Feilschen. Jeder Händler versucht uns in seinen
Laden zu ziehen, will uns einen "best price" machen.
Natürlich ist jeder von ihnen der "King of best
prices"! ;) Wir lassen uns nichts aufschwatzen, sagen
immer, dass wir erst alles anschauen und dann kaufen wollen,
bei aufdringlichen Angeboten danken wir mit "No, merci
Monsieur." Jetzt bloß keinen Fehler machen! Wenn
man nach dem Preis fragt, ist das eine eindeutige Kaufabsicht,
man kommt dann nur noch sehr schwer aus dem Laden heraus.
Mein erstes Stück ist eine sehr schöne Trommel aus
dem Gebiet von Adamaoua im Norden des Landes und soll von
den Fulbe hergestellt worden sein. Der Händler fängt
bei 25.000 CFA an, ich bei 5.000 CFA. Michael hat mich in
die Kunst des Feilschens eingewiesen. Wir treffen uns bei
10.000, sicher noch ein super Geschäft für den Händler.
Wir durchstreifen mehrmals den Markt, um uns ein Bild zu machen.
Immer wieder das gleiche Spiel. Man muss schon starke Nerven
haben und freundlich bleiben. Aber wir sind für ca. 1
½ Stunden die einzigen Weißen, die hier ihre
Kreise ziehen und da will verständlicherweise jeder Händler
sein Geschäft machen. Bald sind wir überladen mit
Paketen und das kalkulierte Geld ist auch fast alle.
Zwischendurch trinken wir in einem Hinterhof in einem schäbigen
Gastraum eine Cola. Ich habe mir neben der erwähnten
Trommel noch eine Langmaske des Fang-Stammes aus Tikar (Süden),
eine Terrakottafigur der Pygmäen (ebenfalls aus dem Süden)
und eine Statue, deren Herkunft ich nicht verstanden habe,
gekauft. In der Regel habe ich ein Drittel des ursprünglich
verlangten Preises gezahlt und bin mit meinen Käufen
recht zufrieden. Erwähnen sollte ich natürlich noch,
dass ich von Michael teilweise beim Feilschen supportet wurde.
;) Wir fahren zurück in die Mission, gehen ein letztes
Mal im kleinen Pool baden. Wir bestellen uns, wie bei unserer
Ankunft vor genau 3 Wochen, Thuringer Sausages vom Dresdener
Fleischer Didi, der hier in Douala hängengeblieben ist.
Wir lassen unsere Erlebnisse hier in Kamerun Revue passieren
und stellen fest, dass wir eigentlich noch 3 weitere Wochen
hier bleiben möchten, um den Süden und Osten des
Landes zu erkunden. Dort gibt es kaum Straßen, nur Urwald
und Wildnis. Aber unser SwissAir-Flieger geht leider um 00:15
Uhr! Jörg und Franziska fliegen auch mit. Franziska hat
hier ein halbes Jahr ein Projekt der Entwicklungshilfe geleitet,
Jörg hat mit ihr die letzten 4 Wochen hier Ferien gemacht.
Wir verabschieden uns gegen 21:00 Uhr von den Posselts und
danken ihnen noch einmal herzlich für ihre Hilfe und
Gastfreundschaft. Johanna vermittelt uns noch einen der Taxifahrer,
die im kleinen Restaurant der Mission meist auf Kundschaft
warten.
Wir fahren durch das fast menschenleere nächtliche Douala
zum Flughafen. Wie nicht anders zu vermuten, findet gerade
ein wichtiges Fußballspiel statt, deshalb ist kaum jemand
auf den Straßen der Stadt. Der Fahrer verlangt am Flughafen
plötzlich einen 1.000er mehr, um sich ein Bier kaufen
zu können. Wir geben ihm 500. Draußen warten schon
Horden von Trägern, um uns das Gepäck zu entreißen
und es 20 Meter ins Flughafengebäude zu bringen. Wir
lehnen wie immer ab. Kaum sind wir im Flughafengebäude,
kommt eine dicke Frau auf uns zu, zeigt ihren Ausweis und
tippt auf unsere verpackten Masken und sagt, dass wir ihr
folgen sollen. Zoll? Normalerweise muss man Souvenirs wie
die unsrigen nicht verzollen. Wir folgen ihr genervt und verständnislos.
An einem Schalter verlangt man von uns 3.000 CFA. Wir wissen
immer noch nicht genau wofür. Wir zahlen jedoch in der
Annahme, dass wir mit den Masken von nun an keine Probleme
mehr haben werden. Wir suchen den Check-In-Schalter, müssen
aber vorher noch durch eine Sicherheitskontrolle. Wir sollen
alles wie üblich von einem Durchleuchtungsgerät
checken lassen. Ich traue dem Teil nicht und nehme meine Filme
lieber raus. Auf der anderen Seite geht der Ärger los!
Wir müssen die Masken verzollen! Wie bitte? Wir zeigen
den Wisch hin, den wir für die 3.000 CFA bekommen haben.
Der Beamte sagt, dass wäre nur der Zoll für Lebensmittel.
Dabei führen wir überhaupt keine Lebensmittel aus!
Das kann doch nicht wahr sein, ist das hier ein Selbstbedienungsladen
für unterbezahlte Beamte des Staates Kamerun? Wir haben
nur noch 5.000 CFA. Die restlichen 2 x 10.000 CFA brauchen
wir für die Flughafengebühr. Der Inspektor sagt,
dass ihm 5.000 zuwenig seien. Wir erwidern, dass wir verdammt
noch mal nicht mehr haben! Das sind nur einfache Souvenirs.
Wir sind Touristen, die eigentlich vorhatten, dieses wunderschöne
Land wieder zu besuchen. Irgendwie lässt er uns und unsere
Masken dann doch gehen - Glück gehabt. 5.000 CFA sind
auch ein ordentliches Schmiergeld für Null Gegenwert,
er sollte zufrieden sein. Geschafft. Von wegen! Der Flughafen
von Douala entpuppt sich als echte Erlebnis-Location! Beim
Einchecken des Gepäckes meint die Dame am SwissAir-Schalter,
die kein Wort Englisch kann, dass wir die Langmasken als Gepäck
aufgeben müssen. Wir stellen uns jetzt stur. Wenn die
Dinger als Gepäck aufgegeben werden, können wir
sie auch gleich hier anzünden, denn nach dem Transport
wird auch nicht viel mehr davon übrig bleiben. Nach 5
Minuten Verweigerung von unserer Seite gibt sie es auf, wir
nehmen die Masken als Handgepäck mit. Der nächste
Anlaufpunkt ist die Passkontrolle - Ausreisestempel und Formulare
ausfüllen.
Die Beamtin fragt nach der Sicherheitsgebühr. Wir hatten
bei all dem bisher erlebten Trouble vergessen, diese Gebühr
zu bezahlen. Also ein paar Felder zurück im Airport-Game,
nicht über Los gehen, denn da bezahlen wir sicher noch
mal 5.000 CFA! ;) Wir löhnen für 2 Stempel die 20.000
CFA Flughafengebühr. Zurück an der Passkontrolle
komme ich ohne Probleme durch. Von Michael will die dicke
Madame schon wieder Geld für seine Maske haben. Zum dritten
Mal! Wir sind kurz vorm Ausrasten! Zwei Einheimische in Zivil,
die daneben sitzen, sagen der dicken Kontrolltante, dass sie
uns in Ruhe lassen solle, wir seien nur Touristen und Kamerun
sei ein schönes Land, das Touristen brauche. Wir danken
für die unerwartete Hilfe und suchen das Weite, genauer
gesagt die Abflughalle. Die Halle ist natürlich nicht
ausgeschildert, aber wir finden sie. Air Condition! Endlich
geschafft! Nach 30 Minuten heißt es: Alles raus hier!
Swiss Air hat draußen 2 Tische aufbauen lassen, entschuldigt
sich dafür, dass die Kameruner Beamten die Tische nicht
in der mit Klimaanlage ausgestatteten Wartehalle aufbauen
wollten. Schikane? Keine Ahnung. Jedenfalls misstraut SwissAir
den laxen Kontrollen der Kameruner Beamten, die eh nur abzocken
und nicht zu kontrollieren scheinen. Sorgsam wird das Handgepäck
von den Schweizern manuell durchsucht.
Es gibt zwei Tische, provisorische Schalter. An dem einem
ist ein einheimischer Beamter, an dem anderen ein Schweizer.
Wir gehen zu letzterem, zum einen, weil er Deutsch und Englisch
spricht und zum anderen, weil wir die Nase voll haben vom
einheimischen Personal, dem es offensichtlich nur um persönliche
Bereicherung, nicht aber um Sicherheit geht. Vielleicht rege
ich mich auch zu sehr über diese Zustände auf, sollte
gelassener sein. Aber wenn man dergleichen nicht gewöhnt
ist... Gegen 22:45 Uhr haben wir auch das geschafft. Wir sind
echt blank, haben gerade mal noch 200 CFA. Dafür bekommt
man nicht mal das Prickeln eines Mineralwassers zu sehen!
Die 3.000 CFA für den "Lebensmittel-Zoll",
die könnten wir jetzt brauchen! Aber was soll's, es hätte
schlimmer kommen können. Wir steigen gegen 23:50 Uhr
in den Flieger. Schade, mein erster Schwarzafrika-Trip ist
nun leider zu Ende. Hätte nie geglaubt, dass es mir hier
so gefallen würde. Unabhängiges Reisen, jenseits
von Pauschaltourismus, habe ich ja schon immer praktiziert,
aber es ist hier in Afrika so ganz anders als in Europa. Interessante
und faszinierende Erlebnisse! Das waren drei richtig gute
Wochen...
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