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22. Tag, Donnerstag, 07.02.2002 Douala - Der letzte Tag in Kamerun

Nach dem Frühstück lädt uns Johanna Posselt ein, mit ihr und einem Schweizer Paar (Jörg und Franziska) in einen Handicraft-Laden eines Deutschen zu fahren. Dieser betreibt ein Import/Export-Geschäft mit Projekt-Background im Sinne eines Fairplay bzw. der Eine-Welt-Läden: Die Produzenten erhalten vom Erlös mehr als sonst üblich. Es ist ein sehr schöner Laden mit Atmosphäre. Ich kaufe 3 kleine traditionelle Musikinstrumente, notiere mir die Herkunft und die Volksgruppe, die das jeweilige Instrument hergestellt hat. Jörg und Franziska kaufen auch eine Kleinigkeit. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit dem Besitzer. Er lebt mit einer farbigen Deutschen und seinem Kind hier. Wir unterhalten uns über die politischen Zustände, über die Opposition und die Machthaber des Landes. Nett hier, so was könnte ich mir für eine Zeit lang als Betätigung auch ganz gut vorstellen. Unterwegs empfiehlt uns Franziska, den Kunsthandwerk-Markt gegenüber, den "Marche de Fleur". Hier gebe es das, was wir suchen, in Hülle und Fülle: Masken, Statuen und Kultgegenstände aus allen Teilen des Landes. Wir werden dort einmal vorbeischauen. Unterwegs stoppt uns ein Polizist an einer Ampel. Johanna, die den großen Geländewagen souverän durch Douala lenkt, soll angeblich zu spät vor der Ampel gestoppt haben oder so was Ähnliches. Hat sie natürlich nicht, das Anliegen ist klar, der Polizist will Schmiergeld haben. Um das Palaver abzukürzen reicht Jörg einen 1.000er hin. Johanna gibt das Geld und einen kleinen Kalender der Seemannsmission dem korrupten Beamten und wir können weiterfahren. Ich bekomme eine Ahnung davon, wie viel Schmiergeld man eventuell hätte zahlen müssen, wenn man mit einem Leihwagen unterwegs gewesen wäre. Die Weißen, die hier leben, helfen sich laut ihren Berichten mit einigen Tricks :

a) Sie tun so, als ob sie nichts verstehen.
b) Sie schreiben sich demonstrativ den Namen und die Einheit des Beamten / Soldaten auf (soll sehr gut funktionieren).
c) Sie sagen, dass sie dies ihrer Botschaft melden werden und das es nicht gut sei für die freundschaftlichen Beziehungen
beider Länder.

Das setzt natürlich voraus, dass man französisch sprechen kann. Normalerweise zahlt Johanna aus Prinzip nichts. In der Seemannsmission zurück packen wir unsere Rucksäcke und räumen das Zimmer. Die Rucksäcke können wir freundlicherweise ins Büro von Johanna stellen. Als nächstes suchen wir ein anderes Internet-Office auf. Ich möchte den Posselts unbedingt noch einen schriftlichen Nachweis für die überwiesenen Euros geben, deren Gegenwert wir heute früh bereits in CFA erhalten hatten. Gestern Abend misslang dies ja leider. In diesem Office gibt es wieder das Problem, dass irgendeine Überwachungssoftware das Laden von Java Applets blockiert und ich nicht an mein Konto rankomme. Die Einstellungen im französischen Internet Explorer stimmen jedoch. Ich wechsle drei Mal den Computer. Bis ich schließlich einen Netscape 6 - Browser finde, mit dem es dann doch noch klappt. Bingo! Der Ausdruck funktioniert auch, hier ist man ein wenig besser eingerichtet bzw. mit Druckern ausgestattet. Wir stoppen ein Taxi und lassen uns zum "Marche de Fleur" bringen. Der große Kunsthandwerker-Markt war ein Supertipp von Franziska! Hier gibt es in unzähligen Verschlägen kleine Läden, wo Masken, Statuen und Kultgegenstände in allen Variationen und Formen gehandelt werden.

Eine wahre Fundgrube! Was jetzt losgeht, ist ein etwa 2-3-stündiges Suchen und Feilschen. Jeder Händler versucht uns in seinen Laden zu ziehen, will uns einen "best price" machen. Natürlich ist jeder von ihnen der "King of best prices"! ;) Wir lassen uns nichts aufschwatzen, sagen immer, dass wir erst alles anschauen und dann kaufen wollen, bei aufdringlichen Angeboten danken wir mit "No, merci Monsieur." Jetzt bloß keinen Fehler machen! Wenn man nach dem Preis fragt, ist das eine eindeutige Kaufabsicht, man kommt dann nur noch sehr schwer aus dem Laden heraus. Mein erstes Stück ist eine sehr schöne Trommel aus dem Gebiet von Adamaoua im Norden des Landes und soll von den Fulbe hergestellt worden sein. Der Händler fängt bei 25.000 CFA an, ich bei 5.000 CFA. Michael hat mich in die Kunst des Feilschens eingewiesen. Wir treffen uns bei 10.000, sicher noch ein super Geschäft für den Händler. Wir durchstreifen mehrmals den Markt, um uns ein Bild zu machen. Immer wieder das gleiche Spiel. Man muss schon starke Nerven haben und freundlich bleiben. Aber wir sind für ca. 1 ½ Stunden die einzigen Weißen, die hier ihre Kreise ziehen und da will verständlicherweise jeder Händler sein Geschäft machen. Bald sind wir überladen mit Paketen und das kalkulierte Geld ist auch fast alle.

Zwischendurch trinken wir in einem Hinterhof in einem schäbigen Gastraum eine Cola. Ich habe mir neben der erwähnten Trommel noch eine Langmaske des Fang-Stammes aus Tikar (Süden), eine Terrakottafigur der Pygmäen (ebenfalls aus dem Süden) und eine Statue, deren Herkunft ich nicht verstanden habe, gekauft. In der Regel habe ich ein Drittel des ursprünglich verlangten Preises gezahlt und bin mit meinen Käufen recht zufrieden. Erwähnen sollte ich natürlich noch, dass ich von Michael teilweise beim Feilschen supportet wurde. ;) Wir fahren zurück in die Mission, gehen ein letztes Mal im kleinen Pool baden. Wir bestellen uns, wie bei unserer Ankunft vor genau 3 Wochen, Thuringer Sausages vom Dresdener Fleischer Didi, der hier in Douala hängengeblieben ist. Wir lassen unsere Erlebnisse hier in Kamerun Revue passieren und stellen fest, dass wir eigentlich noch 3 weitere Wochen hier bleiben möchten, um den Süden und Osten des Landes zu erkunden. Dort gibt es kaum Straßen, nur Urwald und Wildnis. Aber unser SwissAir-Flieger geht leider um 00:15 Uhr! Jörg und Franziska fliegen auch mit. Franziska hat hier ein halbes Jahr ein Projekt der Entwicklungshilfe geleitet, Jörg hat mit ihr die letzten 4 Wochen hier Ferien gemacht. Wir verabschieden uns gegen 21:00 Uhr von den Posselts und danken ihnen noch einmal herzlich für ihre Hilfe und Gastfreundschaft. Johanna vermittelt uns noch einen der Taxifahrer, die im kleinen Restaurant der Mission meist auf Kundschaft warten.

Wir fahren durch das fast menschenleere nächtliche Douala zum Flughafen. Wie nicht anders zu vermuten, findet gerade ein wichtiges Fußballspiel statt, deshalb ist kaum jemand auf den Straßen der Stadt. Der Fahrer verlangt am Flughafen plötzlich einen 1.000er mehr, um sich ein Bier kaufen zu können. Wir geben ihm 500. Draußen warten schon Horden von Trägern, um uns das Gepäck zu entreißen und es 20 Meter ins Flughafengebäude zu bringen. Wir lehnen wie immer ab. Kaum sind wir im Flughafengebäude, kommt eine dicke Frau auf uns zu, zeigt ihren Ausweis und tippt auf unsere verpackten Masken und sagt, dass wir ihr folgen sollen. Zoll? Normalerweise muss man Souvenirs wie die unsrigen nicht verzollen. Wir folgen ihr genervt und verständnislos. An einem Schalter verlangt man von uns 3.000 CFA. Wir wissen immer noch nicht genau wofür. Wir zahlen jedoch in der Annahme, dass wir mit den Masken von nun an keine Probleme mehr haben werden. Wir suchen den Check-In-Schalter, müssen aber vorher noch durch eine Sicherheitskontrolle. Wir sollen alles wie üblich von einem Durchleuchtungsgerät checken lassen. Ich traue dem Teil nicht und nehme meine Filme lieber raus. Auf der anderen Seite geht der Ärger los! Wir müssen die Masken verzollen! Wie bitte? Wir zeigen den Wisch hin, den wir für die 3.000 CFA bekommen haben. Der Beamte sagt, dass wäre nur der Zoll für Lebensmittel.

Dabei führen wir überhaupt keine Lebensmittel aus! Das kann doch nicht wahr sein, ist das hier ein Selbstbedienungsladen für unterbezahlte Beamte des Staates Kamerun? Wir haben nur noch 5.000 CFA. Die restlichen 2 x 10.000 CFA brauchen wir für die Flughafengebühr. Der Inspektor sagt, dass ihm 5.000 zuwenig seien. Wir erwidern, dass wir verdammt noch mal nicht mehr haben! Das sind nur einfache Souvenirs. Wir sind Touristen, die eigentlich vorhatten, dieses wunderschöne Land wieder zu besuchen. Irgendwie lässt er uns und unsere Masken dann doch gehen - Glück gehabt. 5.000 CFA sind auch ein ordentliches Schmiergeld für Null Gegenwert, er sollte zufrieden sein. Geschafft. Von wegen! Der Flughafen von Douala entpuppt sich als echte Erlebnis-Location! Beim Einchecken des Gepäckes meint die Dame am SwissAir-Schalter, die kein Wort Englisch kann, dass wir die Langmasken als Gepäck aufgeben müssen. Wir stellen uns jetzt stur. Wenn die Dinger als Gepäck aufgegeben werden, können wir sie auch gleich hier anzünden, denn nach dem Transport wird auch nicht viel mehr davon übrig bleiben. Nach 5 Minuten Verweigerung von unserer Seite gibt sie es auf, wir nehmen die Masken als Handgepäck mit. Der nächste Anlaufpunkt ist die Passkontrolle - Ausreisestempel und Formulare ausfüllen.

Die Beamtin fragt nach der Sicherheitsgebühr. Wir hatten bei all dem bisher erlebten Trouble vergessen, diese Gebühr zu bezahlen. Also ein paar Felder zurück im Airport-Game, nicht über Los gehen, denn da bezahlen wir sicher noch mal 5.000 CFA! ;) Wir löhnen für 2 Stempel die 20.000 CFA Flughafengebühr. Zurück an der Passkontrolle komme ich ohne Probleme durch. Von Michael will die dicke Madame schon wieder Geld für seine Maske haben. Zum dritten Mal! Wir sind kurz vorm Ausrasten! Zwei Einheimische in Zivil, die daneben sitzen, sagen der dicken Kontrolltante, dass sie uns in Ruhe lassen solle, wir seien nur Touristen und Kamerun sei ein schönes Land, das Touristen brauche. Wir danken für die unerwartete Hilfe und suchen das Weite, genauer gesagt die Abflughalle. Die Halle ist natürlich nicht ausgeschildert, aber wir finden sie. Air Condition! Endlich geschafft! Nach 30 Minuten heißt es: Alles raus hier! Swiss Air hat draußen 2 Tische aufbauen lassen, entschuldigt sich dafür, dass die Kameruner Beamten die Tische nicht in der mit Klimaanlage ausgestatteten Wartehalle aufbauen wollten. Schikane? Keine Ahnung. Jedenfalls misstraut SwissAir den laxen Kontrollen der Kameruner Beamten, die eh nur abzocken und nicht zu kontrollieren scheinen. Sorgsam wird das Handgepäck von den Schweizern manuell durchsucht.

Es gibt zwei Tische, provisorische Schalter. An dem einem ist ein einheimischer Beamter, an dem anderen ein Schweizer. Wir gehen zu letzterem, zum einen, weil er Deutsch und Englisch spricht und zum anderen, weil wir die Nase voll haben vom einheimischen Personal, dem es offensichtlich nur um persönliche Bereicherung, nicht aber um Sicherheit geht. Vielleicht rege ich mich auch zu sehr über diese Zustände auf, sollte gelassener sein. Aber wenn man dergleichen nicht gewöhnt ist... Gegen 22:45 Uhr haben wir auch das geschafft. Wir sind echt blank, haben gerade mal noch 200 CFA. Dafür bekommt man nicht mal das Prickeln eines Mineralwassers zu sehen! Die 3.000 CFA für den "Lebensmittel-Zoll", die könnten wir jetzt brauchen! Aber was soll's, es hätte schlimmer kommen können. Wir steigen gegen 23:50 Uhr in den Flieger. Schade, mein erster Schwarzafrika-Trip ist nun leider zu Ende. Hätte nie geglaubt, dass es mir hier so gefallen würde. Unabhängiges Reisen, jenseits von Pauschaltourismus, habe ich ja schon immer praktiziert, aber es ist hier in Afrika so ganz anders als in Europa. Interessante und faszinierende Erlebnisse! Das waren drei richtig gute Wochen...

 
     
 
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